Landtag - Michael Boddenberg wird neuer Finanzminister / Opposition bietet Zusammenarbeit an Ein Mann des Ausgleichs

Von 
Gerhard Kneier
Lesedauer: 
Michael Boddenberg (l.), CDU-Fraktionsvorsitzender, im Gespräch mit Ministerpräsident Volker Bouffier während einer Plenarsitzung im Hessischen Landtag. © dpa

Wiesbaden. Die wichtigste Botschaft sendete Michael Boddenberg schon kurz nach Erhalt seiner Ernennungsurkunde als neuer hessischer Finanzminister aus: „Ich schaue mit der Erwartung nach vorne, dass ich sicher bin, dass wir diese schwierige Situation, diese Krise gemeinsam werden meistern können, wenn jeder an seinem Platz Verantwortung übernimmt.“ Der 60-jährige bisherige CDU-Fraktionschef hat seinen Teil der Verantwortung schon übernommen und schultert seit Dienstag das wohl schwierigste Amt im Landeskabinett in Zeiten des Coronavirus.

Chef der CDU-Landtagsfraktion

Michael Boddenberg ist katholisch, verheiratet und hat drei Kinder.

Geboren wurde er am 15. Juli 1959 in Troisdorf im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis.

Nach dem Abitur in Siegburg und der Meisterprüfung im Fleischerhandwerk war er Gesellschafter und Geschäftsführer mehrerer Unternehmen aus diesem Bereich in Frankfurt.

In die CDU trat Boddenberg 1988 ein. Er war ehrenamtlicher Stadtrat in Frankfurt, ist seit 25 Jahren Landtagsabgeordneter, war von 2002 bis 2009 hessischer CDU-Generalsekretär, von 2009 bis 2014 Bundesratsminister und danach Chef der CDU-Landtagsfraktion in Wiesbaden. kn

AdUnit urban-intext1

Viel Zeit zum Überlegen hatte er nicht, als ihn Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nur zwei Tage nach dem mutmaßlichen Suizid seine Freundes Thomas Schäfer bat, dessen Nachfolge als Chef des Finanzressorts zu übernehmen. Nach einer schlaflosen Nacht und intensiven Gesprächen mit seiner Familie sagte Boddenberg zu. Und er geht die neue Aufgabe nicht ängstlich an, sondern gibt schon ein Signal der Zuversicht, wenn auch dem Ernst der Lage entsprechend nicht überschäumend.

Der gelernte Fleischermeister und ehemalige mittelständische Unternehmer hat schon eine Reihe politischer Ämter erfolgreich wahrgenommen und gilt seit langem als einer der Eckpfeiler der schwarz-grünen Koalition sowie als Vertrauter Bouffiers. Als Mann des Ausgleichs wird er aber auch von der Opposition geschätzt. Boddenberg war es, der als CDU-Fraktionschef in der Corona-Krise engen Kontakt mit seinen Amtskollegen der anderen Parteien suchte und wesentlich dazu beitrug, dass das noch von Schäfer geschnürte Hilfspaket in Milliardenhöhe schließlich einstimmig vom Landtag verabschiedet wurde.

Verlässlicher Partner

SPD-Chefin Nancy Faeser lobte gestern seinen Stil und betonte, wenn Boddenberg in der aktuellen Lage bei wichtigen Fragen den parteiübergreifenden Konsens suche, werde sich ihre Partei „einer konstruktiven Mitarbeit zum Wohle unseres Landes nicht verweigern“. Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Rene Rock bot ihm umgehend „eine konstruktive Zusammenarbeit an, um die Krise gemeinsam zu bewältigen“. Janine Wissler von der Linken bescheinigte Boddenberg, mit ihm könne man „trotz erheblicher inhaltlicher Differenzen fair und verlässlich zusammenarbeiten“.

AdUnit urban-intext2

Für einen bisherigen Fraktionsvorsitzenden ungewöhnlich, ist der neue Finanzminister kein Mann der lauten Töne und setzt in der politischen Auseinandersetzung eher auf Florett als auf Säbel. Und ganz untypisch für einen gelernten Metzger ist auch Boddenbergs schlanke, fast hagere Statur. Bis 2002 war er als Geschäftsführer in Betrieben des Fleischereifachgewerbes tätig und kennt so die Probleme und Nöte von Handwerk und Mittelstand aus eigener Anschauung. Dass sie in Zeiten der Krise auch Existenznöte haben, weiß Boddenberg ebenfalls und wird gerade sie bei den Bemühungen um Rettung aus Zeiten der Corona-Krise sicher besonders im Auge haben. Aber auch mit Großunternehmen und Gewerkschaften pflegt er beste Kontakte. Bereits seit 1995 gehört der Wahlfrankfurter als CDU-Abgeordneter dem Hessischen Landtag an, seinen Wahlkreis mit dem fluglärmgeschädigten Stadtteil Sachsenhausen hat er immer wieder klar gewonnen. Ab 2001 war Boddenberg acht Jahre lang Generalsekretär der hessischen CDU und knüpfte danach in den fünf Jahren als hessischer Bundesratsminister auch als Wortführer der unionsregierten Länder und Mitglied im Vermittlungsausschuss ein enges politisches Netz, das ihm auch im neuen Amt zugute kommen dürfte.

Den Vorsitz der CDU-Fraktion im Landtag übernahm er mit Bildung der schwarz-grünen Koalition vor sechs Jahren. Gerade zu den Grünen pflegt der als liberal geltende Boddenberg beste Beziehungen. Auch positionierte er sich sehr klar gegen rechts und sorgte mit dafür, dass die AfD keinen Vizepräsidenten des Landtags stellt. Boddenberg gab am Dienstag zu verstehen, dass ihm der Fraktionsvorsitz viel Spaß gemacht habe und er eigentlich eine andere Lebensplanung gehabt habe.

AdUnit urban-intext3

Doch niemand zweifelt daran, dass er sich jetzt mit ganzer Kraft dem schwierigen Amt des Finanzministers widmen wird. Trägt Boddenberg wirklich dazu bei, die Krise zu meistern, dann dürfte er dereinst auch als Nachfolger Bouffiers im Amt des Ministerpräsidenten in Frage kommen.

Korrespondent