Flüchtlingsdrama: Schwangere an Flughafen festgehalten Bis kurz vor Entbindung Asyl beantragt

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Frankfurt. Eine hochschwangere Jugendliche aus Kamerun ist bis kurz vor der Entbindung in der Flüchtlingsunterkunft des Frankfurter Flughafens festgehalten worden. Die Beamten hätten die wegen Vergewaltigung traumatisierte Minderjährige noch am Dienstag, dem errechneten Tag der Geburt, zu den Gründen ihrer Flucht verhören wollen, berichtete die "Frankfurter Rundschau". Eine angemessene Betreuung der Frau hätten sie trotz Protesten von Anwälten und Jugendamt abgelehnt. Das Bundesamt für Migration in Nürnberg wies die Vorwürfe gestern zurück.

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In dem Zeitungsbericht würden zwei Verfahren vermengt: Ein abgelehnter Erstantrag der Jugendlichen vom März vergangenen Jahres und der Folgeantrag vom März dieses Jahres. Das Bundesamt habe "unter Berücksichtigung der besonderen Umstände dieses Einzelfalles - im Einvernehmen mit der Rechtsanwältin auf eine Anhörung der Frau verzichtet", teilte die Behörde mit. "Die Anhörung wird zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen." Am Dienstag seien während eines halbstündigen Termins mit der Asylbewerberin lediglich die Personaldaten erfasst worden. "Die informierte Rechtsanwältin hat auf eine eigene Teilnahme an diesem Termin verzichtet. Danach erfolgte die Einreise." Medizinische Betreuung sei in der Flughafenunterkunft gewährleistet.

Kritik an Bundesbehörde

Die Hilfsorganisation Pro Asyl, mehrere Anwälte, die hessischen Landtagsfraktionen der Grünen und der Linken, das Diakonische Werk und das Jugendamt kritisierten das Vorgehen der Bundesbehörde. Abgesehen von rechtlichen Gründen sei es auch menschlich selbstverständlich, eine Minderjährige, die unmittelbar vor der Geburt eines Kindes stehe, einreisen zu lassen, kritisierte Bernd Mesovic von Pro Asyl in Frankfurt.

Die Frau habe bereits rund 14 Tage am Flughafen festgesessen und dort Asyl beantragt. Das Bundesamt hätte die Kamerunerin für das normale Asylverfahren einreisen lassen müssen, kritisierte Mesovic. Das Mädchen wurde schließlich in ein Krankenhaus gebracht. Das Jugendamt bestellte eine vormundschaftliche Vertretung und bemühte sich um eine Unterbringung. lhe