Katastrophen - Feuerwehr probt in zugefrorenen Gewässern / Übungen haben Seltenheitswert Bei der Eisrettung zählt jede Sekunde

Von 
Eva Krafczyk
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Frankfurt. Jochen Schneider hat gerade seinen ersten Tauchgang unter Eis hinter sich, da mimt der Frankfurter Feuerwehrmann auch schon ein Unglücksopfer, das im Eis des zugefrorenen Teichs im Frankfurter Ostpark eingebrochen ist. Die Rettung naht in diesem Fall ganz besonders schnell, denn Schneiders Kollegen von der Wasserrettung der Frankfurter Feuerwehr stehen am Ufer schon in ihren orangenfarbenen Überlebensanzügen bereit, haken ihre Rettungsleinen ein, ehe sie sich mit einer Trage aufs Eis und Richtung „Unglücksstelle“ bewegen.

Schwierige Übung: Feuerwehrmann Jochen Schneider (links) von der Wasserrettung der Feuerwehr Frankfurt am Main taucht in einem Eisloch. © dpa
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In seinem Taucheranzug ist Schneider gut gegen die Kälte des Wassers isoliert, doch im Ernstfall kommt es auf jede Sekunde an – im eiskalten Wasser kühlt der Körper schnell aus. Sven Zimmermann, Einsatzberater für Wasserrettungseinsätze, lässt den Blick zwischen seinem Clipboard und der gefrorenen Wasseroberfläche schweifen, auf der schon erste Taupfützen sichtbar geworden sind.

Spezielle Erfahrung im Wasser

Dass die Eisfläche dennoch sicher ist für die Eisrettungsübung, wurde am Morgen noch einmal mit Hilfe einer Motorsäge überprüft. Doch mit einer Dicke von zehn Zentimetern stand der praktischen Übung nichts im Weg – und Zimmermann ist darüber froh. „Das Hauptaugenmerk liegt heute auf dem Tauchen unter Eis – das ist heute wohl zum letzten Mal in diesem Jahr möglich.“

Denn auch wenn die Feuerwehrtaucher alle drei Wochen eine Tauchübung absolvieren und Rettungseinsätze proben – einen richtig kalten Winter mit ausreichend gefrorenen Seen und Teichen hat es in Frankfurt einige Jahre lang nicht gegeben. „Viele der jüngeren Kollegen konnten mit Tauchen unter Eis noch gar keine Erfahrungen machen - und bei den älteren ist es jetzt auch schon eine Weile her“, sagt er.

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Als wirklich nachteilig hat sich dieser Übungsmangel in den vergangenen Jahren nicht erwiesen, wo kein Eis ist, kann schließlich niemand einbrechen. Das Betreten zugefrorener Gewässer sei in Frankfurt obendrein grundsätzlich verboten, betont Marcus Brinkmann. Der Brandamtmann gehört nicht nur zum Team der Pressesprecher der Frankfurter Feuerwehr, sondern ist als Wachleiter der Feuer- und Rettungswache 40 im Frankfurter Osthafen auch Leiter des Tauchwesens der Branddirektion Frankfurt. In den vergangenen Tagen gab es aus mehreren Orten Hessens immer wieder Polizeimeldungen über Menschen, die sich auf das trügerisch sicher wirkende Eis von Seen und Teichen begeben hatten und zum Verlassen der Eisfläche aufgefordert werden mussten. „Aber die Frankfurter waren in der Hinsicht wirklich diszipliniert“, sagt Brinkmann.

Rund 50 Kilo wiegt die Ausrüstung, die die Taucher mit sich herumschleppen, im Überlebensanzug, wie er auch von Arbeitern auf Ölplattformen in der Nordsee getragen wird, ist zudem die Beweglichkeit eingeschränkt. Damit im Ernstfall trotzdem jeder Handgriff sitzt, wird nun ein paar Stunden geübt – sowohl das Tauchen unter Eis als auch die Rettung von Verunglückten. Schneider, der sich nach seiner Eis-Premiere aus dem Taucheranzug schält, war vor dem Tauchgang schon ein wenig nervös, räumt er ein. „Es war ja das erste Mal. Aber es ist auch spannend, von unten durch das Eis zu sehen. Und man weiß ja, dass man an der Leine hängt und sich notfalls rausziehen lassen kann.“

In der Nähe des Bootes

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Für die Sicherheit der Retter gibt es nicht nur das Tauchertelefon für die Verbindung mit den Kollegen im Schlauchboot, sondern auch die Rettungsleine, über die dem „Leinenmann“ ebenfalls durch Ziehen Signale gegeben werden können. Als Orientierungshilfe sind zudem rote Feuerwehrschläuche auf dem Eis ausgelegt worden. Weiter als 25 Meter dürfen sich die Taucher ohnehin nicht vom Boot entfernen. Doch wer noch nie unter Eis getaucht ist, kann vorher nicht wissen, ob das dicke Eis über dem Kopf jenseits des Einstiegslochs nicht zu Problemen mit der Orientierung führt oder man sich plötzlich verunsichert fühlt. lhe