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Bildung - Land will Studierende aller Fachrichtungen sowie Pädagoginnen und Pädagogen einsetzen, um Lernlücken zu schließen

30 000 externe Helfer an Schulen

Von 
Bärbel Krauß
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Sowohl Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf als auch vierte, neunte und zehnte Klassen sollen auf Wunsch des Landes externe Hilfe bekommen. © Marijan Murat/ dpa

Stuttgart. Ein forscher Personalchef in einem Start-up-Unternehmen würde vielleicht wie in einem Steckbrief „Wanted“ über seine Stellenanzeige schreiben. So offensiv wird das baden-württembergische Kultusministerium die Werbung um externe Helfer für den schulischen Corona-Einsatz sicher nicht formulieren.

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Aber der Personalbedarf ist enorm, wenn alle Angebote, die das Land zum Aufholen von versäumtem Stoff schaffen will, von den 4500 Schulen mit 1,5 Millionen Schülerinnen und Schülern im Südwesten auch angenommen werden. Fragen und Antworten.

Was ist konkret geplant?

Bis zu 30 000 externe Helfer will die grün-schwarze Landesregierung im nächsten Schuljahr zum Corona-Einsatz an die 4500 Schulen in Baden-Württemberg holen, um die während der Pandemie entstandenen Lernlücken bei Schülern zu schließen. Das hat Staatssekretärin Sandra Boser im Bildungsausschuss des Landtags in Vertretung von Kultusministerin Theresa Schopper (beide Grüne) mitgeteilt. Dabei sollen nach dem Willen der Landesregierung nicht nur Lehramtsstudenten herangezogen werden, wie beim laufenden Modellprojekt. Zum Zuge kommen sollen auch Studierende aller Fachrichtungen und Hochschularten, pädagogische Assistenten, Referendare, pensionierte Lehrkräfte, Lehrer im Erziehungsurlaub und Mitarbeiter von Nachhilfeinstituten und Berufsbildungswerken.

Wie läuft die Personalsuche?

Um möglichst rasch das Personal zu gewinnen für die Aktion „Lernen mit Rückenwind“ – so der baden-württembergische Name des von Bund und Land finanzierten Förderprogramms zum Aufholen von Lernlücken, die während des Lockdowns und überhaupt wegen Corona entstanden sind – soll demnächst ein Internetportal freigeschaltet werden, auf dem die Schulen sich informieren und Bewerber sich melden können.

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Wie viel Geld gibt es dafür?

Neben dem Wissensrückstand sollen im Rahmen des Förderprogramms auch sozial-emotionale Folgen der lang andauernden Kontaktbeschränkungen für Kinder und Jugendliche durch sozialpädagogische Unterstützungsangebote möglichst gemildert werden. Die Bundesregierung hat dafür insgesamt zwei Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Auf Baden-Württemberg entfallen einschließlich der Co-Finanzierung aus der Landeskasse 130 Millionen Euro.

Was heißt das für die Schulen nach den Ferien?

Das Hilfsprogramm soll laut Boser während des ganzen nächsten Schuljahres laufen und direkt nach dem Ende der Sommerferien im September mit sogenannten Lernstandserhebungen starten. Dabei soll festgestellt werden, wo genau es Wissenslücken bei Kindern und Jugendlichen gibt, und wie groß sie sind. In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch hat das landeseigene Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) bereits Diagnoseinstrumente dafür entwickelt. Das Förderangebot im Kampf gegen Wissenslücken soll laut Informationen des Kultusministeriums teilweise in Zusatzkursen außerhalb des normalen Stundenplans stattfinden und teilweise in den regulären Unterricht integriert werden.

Erhalten alle Schüler Förderung?

Es zeichnen sich zwei Schwerpunkte des Förderprogramms ab. Zum einen wendet es sich an alle Schüler mit besonderem Förderbedarf. Zum anderen sollen die sogenannten „Gelenkklassen“ – das sind die vierte, neunte und zehnte Klassenstufe – im Fokus stehen, in denen die Weichen für die weitere Schullaufbahn der Kinder und Jugendlichen gestellt werden. Beim Pilotprojekt hat die Landesregierung offenbar ausreichend positive Erfahrungen gewonnen, dass sie sich die Ausdehnung des Freiwilligen-Einsatzes in die Fläche und das Management von Tausenden Corona-Helfern an den Schulen zutraut.

Werden Stützkurse Pflicht?

Sandra Boser bezeichnete es als Herausforderung, die Kinder für die Förderstunden zu gewinnen, die Unterstützung dringend benötigen, etwa weil sie versetzungsgefährdet sind oder die Klasse wiederholen müssen. „Lehrer müssen möglichst gegenüber den betroffenen Eltern deutlich machen, dass zum Beispiel die Lernbrücken in den Sommerferien eine gute Grundlage schaffen, um das nächste Schuljahr gut zu bestehen.“ Die Zusatzstunden zum Nachlernen sollen, so der Stand der Überlegungen im Kultusministerium, nicht der Schulpflicht unterliegen; die Teilnahme sei freiwillig.

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Was sagen Experten dazu?

Jürgen Keßler, Professor an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg und Koordinator beim Pilotprojekt „Bridge the Gap“, freut sich, dass der Einsatz der Studierenden fortgesetzt wird. Dass das Land den Teilnehmerkreis auf alle Studenten ausgeweitet hat, sähen er und seine Kollegen jedoch „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Allen Hochschulen, die Lehrer ausbildeten „ist natürlich wichtig, dass Pädagoginnen und Pädagogen eine fundierte didaktische Hochschulbildung erhalten“. Das Nachlernprogramm „darf nicht der Beginn eines Seiteneinsteigerprogramms werden, um möglichst schnell möglichst viele Junglehrer mit Qualitätsabstrichen bei der Ausbildung an die Schulen des Landes zu bekommen“.

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