Fußball - Fans müssen bei der Euro 2020 weitgehend auf Public Viewing verzichten / Experten sehen Frankreich als Favoriten

Vorfreude, aber keine Euphorie

Von 
Othmar Pietsch
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Torjubel von Fanmassen – wie bei der Europameisterschaft 2016 – wird es in der Viernheimer Innenstadt diesmal Corona-bedingt nicht geben. © Othmar Pietsch

Viernheim. Am heutigen Freitag beginnt in Rom mit der Partie Italien gegen Türkei die Fußball-Europameisterschaft 2020. Wegen der Pandemie erfolgt der Anpfiff ein Jahr später als geplant. Erstmals finden die Spiele der Euro in mehreren Ländern statt. So richtig in Fahrt kommt die Euphorie in Deutschland bislang nicht, da macht auch Viernheim keine Ausnahme. Grund ist vermutlich auch, dass die Fans vor Ort auf das beliebte Public Viewing weitgehend verzichten müssen.

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Am Bistro Maximum, auf dem Stadtplatz vor dem Kinopolis und vor dem Diaz des Rhein-Neckar-Zentrums wurden Jogis Jungs zuletzt lautstark bejubelt, bevor es im Autokorso durch die Stadt ging. Eine Ausnahme bildete lediglich die WM 2018. Das Vorrunden-Aus bei dieser Weltmeisterschaft scheint noch nachzuwirken, denn „Die Mannschaft“ hat zuletzt deutlich an Zuspruch eingebüßt. Immerhin können die Gäste beim Bar und Grill Townhall vor dem Rathaus die Spiele verfolgen. Neben den Monitoren im Gastraum sollen zur Terrasse hin weitere Bildschirme aufgestellt werden. Auch im Hof der Pizzeria Salerno können die „Tifosi“ und andere Gäste die Begegnungen verfolgen.

Viele Viernheimer Fußball-Experten fiebern hingegen der Europameisterschaft entgegen. Patrick Marschlich, Trainer des Kreisligisten TSV Amicitia, freut sich immer auf solche Turniere, wie er im Gespräch mit dieser Redaktion betont. „Getrübt wird das allerdings durch die Einschränkungen beim Public Viewing. Ich schaue mir die Spiele aber ohnehin lieber mit Kumpels in kleiner Runde an, kann dabei sehr gut fachsimpeln.“ Dem deutschen Team bescheinigt Marschlich eine hohe Qualität und hofft darauf, dass es sich zu einer Turniermannschaft entwickeln wird. Als den großen Favoriten sieht der Trainer Frankreich an. „Wegen Corona kann es aber sein, dass der eine oder andere Star ausfällt wie gerade Busquets bei Spanien. Da wird so ein Turnier schnell zu einer Glückslotterie.“

Daumen drücken für Neuer und Co.

Bei Denis Treichel, Zweiter Vorsitzender der SG Viernheim, steht Frankreich ebenfalls ganz oben auf dem Tippzettel. „Da im Amateurbereich aber schon seit Monaten nichts geht, ist die Nähe zum Fußball für mich etwas verloren gegangen und die Euphorie fast dahin. Dass die EM unter allen Umständen stattfindet, zeigt, dass es hier nur um Rechte, Verträge und Geld geht“, sagt der Funktionär. Trotzdem will er sich Spiele im Fernsehen ansehen. Dann drückt er Deutschland die Daumen. „Müller, Neuer und Co. sind nicht zu unterschätzen und als Turniermannschaft gefürchtet. In einem Finale ist alles möglich.“ Große Vorfreude herrscht bei SG-Jugendleiter Francesco Ferraraccio, der den amtierenden Weltmeister Frankreich in der Favoritenrolle sieht. Seinem Heimatland Italien traut er nach dessen bislang einzigem Erfolg im Jahr 1968 eine Überraschung zu. „Als Fußballer ist man verpflichtet, alle Spiele anzuschauen. Deutschland muss die schwere Vorrunde überstehen, dann ist alles möglich.“

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Ralf Dalmus, neuer Trainer des A-Ligisten SG Viernheim, macht es kurz und bündig, als die Frage auf den Europameister kommt. „Deutschland“ kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Unentschieden gegen Frankreich, Siege gegen Portugal und Ungarn“, lautet seine Prognose für die Gruppenphase, auch wenn die Leistungen des Teams zuletzt eher bescheiden gewesen seien. „Ich bin fußballverrückt und werde immer schauen, wenn es meine Zeit zulässt.“

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