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Fußball - Europameisterschaft geht in die heiße Phase / Zweifel an Bundestrainer Jogi Löw

Viernheimer sind sich uneins

Von 
JR
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Auch in Viernheim sind Deutschlandfahnen an Häusern und an Autos deutlich seltener zu sehen als bei zurückliegenden Welt- und Europameisterschaften. © Pietsch

Viernheim. Dreierkette, Viererkette, Doppelsechs, das sind Begriffe, die gerade während der Fußball-Europameisterschaft in aller Munde sind, na ja, in fast aller. Bei den Leistungen und der Taktik der deutschen Nationalmannschaft scheiden sich im ganzen Land die Geister, auch in Viernheim. Dabei steht meist Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw im Mittelpunkt der Kritik, dessen Entscheidungen nicht jeder nachvollziehen kann. Aber auch der eine oder andere gut bezahlte Kicker kommt bei den Fans in der Brundtlandstadt nicht gut weg.

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Heute Abend steht die Achtelfinalbegegnung gegen den alten Rivalen England an, gegen den es in der Vergangenheit schon zahlreiche rasante Spiele gegeben hat. So ist das WM-Finale 1966 im Wembley-Stadion ebenso in Erinnerung wie es die Erfolge im Elfmeterschießen sind. Wenn Deutschland heute gewinnt, dann ist nach Auffassung der Experten der restliche Weg ins Endspiel geebnet. Erst recht, nachdem die Niederlande ausgeschieden sind.

Rudi Müller (Bild: Pietsch), ehemaliger Stürmer und Fußballtrainer der Spvgg. Amicitia, hat die bisherigen Spiele eher am Rand verfolgt. „Früher habe ich mir fast alles angesehen. Aber das Niveau ist allgemein nicht gut und selbst bei unserer Mannschaft habe ich schon mal abgeschaltet“, so der 82-Jährige. Als Favoriten hat er Italien und Frankreich ausgemacht. „Deutschland hat nur eine Chance, wenn man die Leistung vom Spiel gegen Portugal abrufen kann. Mit Gündogan und Kroos im Mittelfeld dürfte das allerdings schwer werden. Da muss sich Löw etwas anderes einfallen lassen“, so der einstige Linksaußen. Den Bundestrainer wird er nicht in guter Erinnerung behalten, macht sich aber auch keine Sorgen um die Zukunft. „Wie man gesehen hat, gibt es in der U21 mehrere Talente, auf die Hansi Flick bauen kann.“

Team wird zu schlecht geredet

Nicht ganz so kritisch äußerte sich Laurenz Baaß (Bild: Nix), Spielführer des Kreisligisten TSV Amicitia, der fast alle Spiele verfolgt hat. „Die deutsche Mannschaft wird mir oft zu schlecht geredet. Es ist nicht einfach, gegen tief stehende Gegner Torchancen herauszuspielen“, spricht der Mittelfeldspieler aus eigener Erfahrung und outet sich als Freund der Viererkette. Angenehm überrascht ist er von den Italienern, „die hätte ich nicht so stark eingeschätzt. Aber auch den Dänen ist nach dem Vorfall im ersten Spiel etwas zuzutrauen“.

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Tipps für Jogi Löw hat er allerdings auch parat. „Dass Kimmich hinten rechts spielt, ist ok. Im Mittelfeld muss aber Leon Goretzka für Gündogan auflaufen und Müller sowieso.“ Und wer wird am Ende Europameister? „Wenn wir die Engländer schlagen, dann holen wir auch den Titel.“

Auch Ralf Schmitt (Bild: nix), Fußballchef des TSV Amicitia, traut Deutschland den Gewinn der Europameisterschaft zu. „Mich hat bisher Italien positiv überrascht, auch wenn es gegen Österreich knapp war. Die spielen einen tollen Fußball und treten als Mannschaft auf.“ Mit dem deutschen Team ist der Funktionär dagegen nicht zufrieden. „Die Mannschaft hat eine hohe Qualität, aber die Aufstellung und die Taktik ist nicht optimal. Wenn man dreimal in Rückstand gerät, dann muss das Abwehrverhalten geändert werden“, nimmt Schmitt den Bundestrainer in die Pflicht.

Ein Spiel gegen England im Wembley-Stadion sei immer etwas Besonderes. „Dazu muss Jogi Löw allerdings die Defensive stabilisieren, nur dann kommen wir weiter.“ Ungeachtet dessen tippt der Abteilungsleiter auf Deutschland als Europameister. Wenn nicht, dann räumt er Belgien oder Italien die größten Chancen ein.

Italien in der Favoritenrolle

Wenn es nach Stefan Ackermann (Bild: SBS 55+) geht, dann hat Frankreich oder Italien am Ende die Nase vorne, denn „die verfügen über ein tolles Ensemble“. Ansonsten fehle vielen Mannschaften die Stabilität, zu oft sei das Niveau zu unterschiedlich. „Unsere Mannschaft agiert ohne ersichtliches Konzept und vorne fehlt einfach der Durchbruch“, bemängelt der Kunst- und Literaturkenner. Goretzka und Musiala könnten für neue Elemente sorgen.

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Ein Lob habe er für Ronaldo, „der wurde seinem Ruf als Torjäger gerecht, Frankreichs Mbappé hat sich dagegen noch nicht hervorgetan“. Eine besondere Genugtuung war das Ausscheiden der Ungarn, „denn deren autokratischer Staatschef Viktor Orban hatte so einen Erfolg einfach nicht verdient“.

Karl-Heinz Kiß wurde anlässlich seines 80. Geburtstags am Montag natürlich auch nach dem künftigen Europameister gefragt. Der ehemalige Bundesligaspieler von Preußen Münster antwortete mit einem trockenen „wir jedenfalls nicht.“ JR

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