Großbrand - Familie Horst sucht nach Feuer im Jakob-Kaufmann-Weg weiterhin nach langfristiger Bleibe / Große Welle der Hilfsbereitschaft erreicht Betroffene „Mussten zuschauen, wie es abbrennt“

Von 
Sophia Gehr
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Mirjam Zanko (links hinten) hat ihre drei jüngsten Geschwister (vorne links) nach dem Unglück bei sich aufgenommen. Ihr Zuhause ist nicht mehr bewohnbar. Ihre Mutter (vorne rechts) lebt derzeit bei einer Freundin. © Mirjam Zanko/martin schulte

Viernheim. Mirjam Zanko erhielt am Abend des Großbrandes in Viernheim einen Anruf von einem ihrer beiden älteren Brüder. Sie selbst wohnt ganz in der Nähe – „quasi im selben Stadtgebiet“ des Bannholzgrabens, wie sie im Gespräch mit dieser Redaktion sagt. „Er klang am Telefon nicht panisch, eher verwirrt“, so Zanko. Zu diesem Zeitpunkt habe die 22-Jährige auch noch keine Sirenen gehört. Gemeinsam mit ihrem Mann fuhr sie zum Reihenhaus im Jakob-Kaufmann-Weg, in dem neben ihrer Mutter auch ihre 15-jährige Schwester sowie ihre beiden jüngsten Brüder (zehn und zwölf Jahre alt) leben. Schon von weitem habe sie gesehen, wie die Flammen aus den Fenstern schlugen, berichtet Zanko.

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Rund 18 Jahre hat Familie Horst in diesem Reihenhaus gewohnt, Zanko – die älteste Tochter der achtköpfigen Familie – ist die Eigentümerin des Hauses. Das Feuer war am vergangenen Montag, 15. Februar, im Obergeschoss ausgebrochen und griff auf die unmittelbar links und rechts angrenzenden Gebäude über (wir berichteten). Die Löscharbeiten der Feuerwehren aus Viernheim, Lampertheim und Weinheim dauerten bis 3 Uhr nachts, schwer verletzt wurde glücklicherweise niemand. Den Sachschaden schätzt das Polizeipräsidium Südhessen jedoch auf mehrere Hunderttausend Euro.

Ursache weiterhin unklar

Das Haus von Familie Horst gilt seitens der Feuerwehr als nicht mehr bewohnbar. Und auch die beiden angrenzenden Reihenhäuser wurden stark beschädigt: „Der Rußaufschlag hat die Inneneinrichtungen der Wohnungen ruiniert“, sagte Einsatzleiter und Stadtbrandinspektor Michael Ahnert bereits vergangene Woche. Betroffen sind insgesamt vier Familien, darunter 15 Kinder.

„Wir konnten nichts retten“, erzählt Zanko. „Wir standen da und mussten zuschauen, wie unser Zuhause abbrennt.“ Die Brandursache ist bislang noch unklar. Wie eine Sprecherin der Polizei erklärte, werden Gutachter und Kriminalpolizei am Dienstagvormittag die Gebäude zum ersten Mal betreten. Angaben zur Dauer dieser Untersuchung könne sie nicht machen. Auch Familie Horst habe am Dienstag einen Termin mit den Ermittlern, berichtet Zanko. Seit dem Feuer hätten auch sie das Haus nicht mehr von innen gesehen. Das Technische Hilfswerk hatte die Wohnungen am Morgen nach dem Großbrand gesichert und für Unbefugte gesperrt, damit keine Spuren verwischt werden.

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Am 15. Februar, gegen 19.20 Uhr, hatte eine Nachbarin aus dem vierten, zumindest äußerlich unversehrt wirkenden Reihenhaus den Notruf gewählt. Zankos Mutter sowie die beiden Jüngsten der Familie seien zu diesem Zeitpunkt unterwegs gewesen. „Meine Schwester war also mit unserer Cousine alleine im Erdgeschoss“, erzählt Zanko. Die beiden Mädchen, 15 und 16 Jahre alt, hätten die Flammen zunächst gar nicht bemerkt. „Dann hörten sie ein Poltern und es folgte ein Stromausfall“, so die älteste Tochter. „Ein Nachbar hat dann bei meiner Schwester geklingelt und gemeint: Bei euch brennt es!“ Zanko selbst kam gleichzeitig mit den Einsatzkräften am Brandort an. Am Morgen danach startete die 22-Jährige für ihre Familie einen Spendenaufruf auf der Plattform „GoFundMe“.

Knapp 500 Nutzerinnen und Nutzer spendeten seitdem insgesamt fast 40 000 Euro. Dieses Geld brauche Familie Horst für eine neue Wohnung, so Zanko. Momentan seien sie noch auf der Suche. Die drei Kinder wohnen derzeit bei ihr und ihrem Mann. Die Mutter sei bei einer Freundin untergekommen. „Eine Wohnung in Viernheim haben wir uns bereits angeschaut und einige andere angefragt“, erzählt Zanko. „Leider haben wir aber bis jetzt nur Absagen bekommen.“ Bürgermeister Matthias Baaß hatte Eigentümer, die über freie Wohnungen verfügen, Anfang vergangener Woche dazu aufgerufen, diese an die Betroffenen zu vermieten.

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Die gesamte Familie sei sehr dankbar und überwältigt von der Hilfsbereitschaft, die sie nach dem Brand erfahren habe, sagt Zanko. „Die Spenden kommen nicht nur aus Viernheim, sondern auch von Menschen aus ganz Deutschland, die davon erfahren haben“, berichtet sie. Außerdem hätten ihnen viele neben dem Geld auch Kleidung und Möbel angeboten. „Für uns alle ist es immer noch ein Rätsel, wie es zu dem Feuer gekommen ist“, sagt Zanko. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei in Heppenheim dauern derweil an.

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