Verbraucher - Vortrag wider die Wegwerfmentalität Enkeltauglich wirtschaften oberstes Ziel

Von 
Othmar Pietsch
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In diesen Häuschen können ausgediente Waren deponiert werden. © pietsch

Viernheim. Der Naturheilverein Viernheim und Umgebung hat sich auf die Fahne geschrieben, den Mitmenschen Alternativen zur Wegwerfmentalität aufzuzeigen. Hierzu war am Samstag im Bürgerhaus eigentlich ein Warentauschtag geplant, bei dem man nicht mehr benötigte, aber noch gut erhaltene, gebrauchsfähige Gegenstände unentgeltlich abgeben oder haben konnte. Die Corona-Vorschriften machten den Verantwortlichen aber einen Strich durch die Rechnung. Immerhin konnte Ulrike Häußler ihren Vortrag „Enkeltauglich leben – gemeinwohldienlich wirtschaften“ halten, allerdings in digitaler Form.

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Ingelore Bonfert vom Naturheilverein war erfreut, dass die vor gut einem Jahr gestartete Vortragsreihe fortgesetzt werden konnte. „Die Corona-Krise bietet uns die Gelegenheit, das eigene Verhalten zu überprüfen und unser Umfeld zu durchforsten und zu entrümpeln, ohne gleich alles wegzuwerfen. Es gilt, den Konsum zu reduzieren und die natürlichen Ressourcen zu schonen“, so die Gesundheitspraktikerin. Ziel und Zweck sei die Wiederverwendung von Gebrauchtwaren sowie die Vermeidung von Abfall und die Reduzierung der Müllmenge.

Für die Unternehmensberaterin Ulrike Häußler gibt es gleich mehrere Ansätze, wie die Gemeinwohl-Ökonomie aussehen kann. „Der Bedarf ist sichtbar. Angefangen von der Armutskrise nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt, der Hungersnot in vielen Ländern bis hin zum Verbrauch von Rohstoffen. Eine Statistik sagt aus, dass rein rechnerisch jeder Deutsche bereits am 6. Mai seine Ressourcen für das ganze Jahr aufgebraucht hat. Der wirtschaftliche Erfolg steht viel zu sehr im Mittelpunkt. Deshalb gilt, es Alternativen zu finden und zu nutzen. Es kann nicht sein, dass weltweit agierende Konzerne mit Nahrungsmitteln spekulieren.“

Erfolge dürften nicht nur am verdienten Geld gemessen werden, Zufriedenheit und das Engagement der Mitarbeiter seien deutlich wertvoller. Die Stadt Wuppertal führe sogar eine regelmäßige Glücks-Index-Erhebung durch, bei der die Mitbürger ihre Befindlichkeiten angeben könnten.

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Ulrike Häußler stellte die Gemeinwohl-Matrix 5.0 vor, in der Berührungsgruppen wie Lieferanten, Industrie und Handel, Mitarbeitende, Kundschaft sowie gesellschaftliches Umfeld Werten wie Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, ökologisch Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitwirkung gegenüber gestellt werden. „Dabei geht es um Lieferketten, Umgang mit Geldmitteln, Arbeitsbedingungen und Ausgestaltung der Arbeitsverträge, Transparenz bei Unternehmerentscheidungen, der Sinn und die gesellschaftliche Wirkung der Produkte und Dienstleistungen sowie die Auswirkungen auf die Umwelt, aber auch der Beitrag zum Gemeinwesen, den die Unternehmen leisten“, so die Referentin weiter.

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