Schriesheim - Gemeinderat debattiert über den Bericht zur Energieberatung / Grüne sprechen sich für Pellets aus Wärme mit Blockheizkraftwerk

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Stephanie Kuntermann
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Dachflächen am Kurpfalz-Schulzentrum sind bereits für Solaranlagen vermietet. Doch sieht das Gutachten von Physiker Walter Orlik auch die Möglichkeit, die Sheddächer zu nutzen. © Zinke

„Wir hatten nicht die Chance, das Gutachten im Vorfeld zu diskutieren“, moniert Christian Wolf. Weder im Ausschuss für Technik und Umwelt, noch in nicht-öffentlichem Rahmen habe der Gemeinderat zum Bericht über die Energieberatung bei der Schulsanierung Stellung beziehen können. Deshalb holt der GL-Fraktionssprecher das Versäumte nun in der Gemeinderatssitzung nach und steigt gleich ein in die technischen Details.

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Manchem im Zuschauerraum und auf den Fraktionsbänken mögen jetzt die Ohren schlackern angesichts einer Flut von Fachbegriffen. Doch zuvor hat Walter Orlik von der Klimaschutz- und Beratungsagentur dem Gremium einen Überblick verschafft über sein 114 Seiten starkes Zahlenwerk. Dessen Tenor: Die aktuelle Fachplanung für Kurpfalz-Gymnasium, Musikschule und Bibliothek erfüllt den Standard KfW 70; mit zusätzlichen Mitteln kann aber auch ein höherer, nämlich KfW 55, erreicht werden, der eine bessere Wärmedämmung und eine Photovoltaikanlage beinhaltet.

Fördermittel möglich

Zwar sind bereits Dachflächen im Schulzentrum für Solarpaneele vermietet, doch spricht sich Orlik aus für eine Platzierung weiterer Anlagen auf dem vorhandenen Sheddach. Der Physiker nennt Investitionskosten von 6,2 Millionen Euro für KfW 70, denen rund 225 000 Euro Mehrkosten für den höheren Standard gegenüberstehen. Er sei darüber hinaus auch wirtschaftlich interessant, könnten doch Fördermittel aus dem Landesprogramm Klimaschutz Plus beantragt werden. Die Wärmeversorgung werde bei dieser Variante von einem Blockheizkraftwerk und einem Gasbrennwertkessel gewährleistet.

Hier setzt Wolfs Kritik an: Die Möglichkeit einer Pelletsheizung werde hier gar nicht mehr erörtert, sei aber Teil des Gutachtens. Er ist skeptisch, was die Versorgung mit Erdgas angeht: „In den kommenden 25 Jahren wird Gas enorm teuer, schon wegen der CO2-Steuer. Das muss Teil der Wirtschaftlichkeitsberechnung sein.“ Orlik nickt: „Die Steuer könnte man in der Tat noch drauf rechnen.“

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Till Bethe vom Büro ist-Energieplan hält dagegen, dass die Lagerung von Pellets viel Platz brauche: Der sei im Gebäude jedoch nicht vorhanden, weil die Lüftungszentrale im Keller viel Platz einnehme: „Wir bräuchten also einen Platz außerhalb, maximal 20, 30 Meter entfernt.“ In Gebäudenähe seien die Fahrradständer und Trassen für die Versorgung der Container im Weg, außerdem gebe es einen umfangreichen Baumbestand am Schulzentrum. Weiteres Argument: Ein Pellets-Bunker bringe nicht nur Folgekosten, sondern auch mehr Schwerlastverkehr mit sich. „Diese Schwierigkeiten wären sicherlich von einem findigen Architekten lösbar“, kontert Wolf. Er bleibt allein mit seiner Meinung: Christiane Haase (CDU) freut sich über die Einsparmöglichkeiten von 53 Prozent ebenso wie Bernd Hegmann (FW), der die Pellet-Alternative zudem nicht für die umweltfreundlichste hält.

Auch Renate Hörisch-Helligrath (SPD) und Lissy Breitenreicher (BgS) halten die KfW 55-Variante für die „weitaus beste“, während Wolfgang Renkenberger (FDP) die angepeilten 80 Prozent Kapitalrückfluss lobt. Thomas Kröber (AfD) sieht das nicht ganz so positiv: „Es heißt doch, wir zahlen 20 Prozent drauf.“

Mittelstädt ist genervt

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Abgestimmt wird an dem Abend zwar nicht, denn es geht bei diesem Tagesordnungspunkt lediglich um die Kenntnisnahme des Gemeinderats. Doch bemerkt Bürgermeister Hansjörg Höfer: „Die Entscheidung ist gefallen, eine Mehrheit ist für KfW 55.“ Der Stadt stehe für dieses Projekt ein begrenztes finanzielles und zeitliches Budget zur Verfügung. Deshalb werde nun das Blockheizkraftwerk gebaut: „Da gibt es keine Abstimmung mehr.“ Wolf beschwichtigt: „Wir sperren uns ja jetzt nicht gegen KfW 55.“

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Aber CDU-Fraktionssprecher Michael Mittelstädt platzt der Kragen. Im November sei das Gutachten vorgestellt und besprochen worden, sagt er und wehrt sich gegen weitere Vertagungen des Themas. „Was mich aber noch mehr nervt: Erst argumentieren die Grünen mit den hohen Kosten gegen die Sanierung. Und dann schlagen sie jetzt eine kostenintensivere Variante vor.“