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Umwelt

Spatschlucht in Schriesheim ist „Geotop des Jahres 2022“

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde hier Bergbau betrieben, heute gilt die Spatschlucht bei Schriesheim als "besonderes Fenster der Erdgeschichte". Jetzt hat sie dafür einen offiziellen Titel erhalten.

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Dirk Timmermann
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Nahm die Geotop-Urkunde für die Schriesheimer Spatschlucht entgegen: Bürgermeister Christoph Oeldorf (4. v.l.). © Dirk Timmermann

Von Dirk Timmermann

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Geotop des Jahres

Der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald zeichnet jedes Jahr ein besonderes Fenster der Erdgeschichte aus. Ziele sind der Schutz des geologischen Erbes, sanfter Tourismus und Umweltbildung.

Zu den bisher 20 prämierten Geotopen gehören die Böllsteiner Gneise (2021), der Heidelberger Schlossgraben (2016) und das UNESCO-Welterbe Grube Messel (2010).

Der Geo-Naturpark erstreckt sich zwischen den Flüssen Rhein, Main und Neckar von Heidelberg im Südwesten über Darmstadt im Norden bis Mosbach im Südosten. dtim

Das Weite Tal oberhalb von Schriesheim hat eine facettenreiche Vergangenheit. Als Naherholungsgebiet bei Wanderfreunden beliebt, wurde hier zwischen 1809 und 1839 Bergbau betrieben. Die Schwerspat-Vorkommen dienten in Form von Bariumsulfat als Rohstoffe für die chemische Industrie, die Papiererzeugung und die Farbherstellung. Aufgrund seiner geologischen Bedeutung als „besonderes Fenster der Erdgeschichte“ wurde die Spatschlucht nun als „Geotop des Jahres 2022“ ausgezeichnet – eine Ehrung, die bereits so bekannten Orte wie dem Felsenmeer von Lautertal, dem Schlossgraben in Heidelberg und dem UNESCO-Welterbe Grubel Messel zuteil wurde.

„Das Kristallingestein ist mehr als 300 Millionen Jahre alt, die zehn Meter tiefe Schlucht bildete erst der Bergbau“, erklärte Jutta Weber, Geschäftsführerin beim Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald anlässlich des „Tags des Geotops“. Seit 2015 als UNESCO Global Geopark geführt, misst das Gebiet zwischen den Flüssen Rhein, Main und Neckar eine Fläche von 3800 Quadratkilometern. Geotope von besonderem Interesse gibt es darin zuhauf. „Der Abbau des Spats fand über und unter Tage statt“, erläuterte die promovierte Geologin, zu deren 18-köpfigem Team Geographen, Biologen und Forstwissenschaftler gehören.

Zwar kann man die einstigen Stollen bei Schriesheim nicht mehr betreten, begehbar ist dafür der Dehnungsbruch, der vor 110 Millionen Jahren mehrere hundert Meter unter der Erdoberfläche entstand. Vorausgegangen war das Aufeinandertreffen zweier tektonischer Platten. Interessierten Teilnehmern ermöglichte Projektleiter Jochen Babist einen Rundgang entlang der erdgeschichtlich reizvollen Stelle.

Geschichte erlebbar machen

Doch nicht nur geologische Aspekte stehen bei der Auswahl des „Geotops des Jahres“ im Mittelpunkt. „Wie attraktiv ist der Ort für Laien?“, „Wie gut ist er erreichbar?“, „Inwiefern kann er zur Umweltbildung beitragen?“ sind typische Fragen, die sich die Verantwortlichen des Geoparks vor jeder Prämierung stellen.

Kernanliegen ist die Bewahrung von Naturlandschaften. Zunehmend gehe es aber auch um nachhaltige Entwicklung, für die man die Bevölkerung sensibilisieren wolle, so Marlen Meißner, Abteilungsleiterin Erbe, Natur und Gesellschaft bei der Deutschen UNESCO-Kommission. Gerade die Verbindung von Erdgeschichte, Natur und Kulturgeschichte soll an den Geotopen des Jahres erlebbar werden. Christian Engelhardt, Erster Landrat und Vorsitzender des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald, hob die enge Verknüpfung von Natur- und Kulturraum in der Region hervor. Für ihn ist es spannend zu betrachten, was Menschen „aus der Natur gemacht“ haben – etwa die Entwicklung von Wein- und in diesem Fall Bergbau.

Daran, dass mit der Erschließung der Spatschlucht vor allem Wohlstand einherging, erinnerte Bürgermeister Christoph Oeldorf. Auch deswegen habe sich der „kleine Schatz in unserem Wald“ ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Zahlen und Fakten rund um die Schriesheimer Spatschlucht bietet nun eine Infotafel unweit des Geotops.

Viele Spuren hinterlassen

Wie spannend Erdgeschichte sein kann und wie stark sie die menschliche Zivilisation beeinflusst, veranschaulichte Jutta Weber in einem Kurzvortrag: Nachdem es anfangs nur zwei Urkontinente gab, die vor 360 Millionen Jahren kollidierten, zeigten sich die Folgen bis heute. Besonders beeindruckend sei dies am Goethe-Felsen am Herrgottsberg bei Darmstadt zu erkennen, wo der Dichter seinen „Fels-Weihegesang an Psyche“ verfasst haben soll.

Im Erdmittelalter brachten Halbwüsten dann den Sandstein hervor, sichtbar an der Zittenfelder Quelle, dem Geotop des Jahres 2015. Später stattfindende Überschwemmungen ließen die Tropfsteinhöhle in Buchen entstehen, die 2010 prämiert wurde. Die Grube Messel wiederum geht auf Vulkanismus in der Erdneuzeit zurück. Spuren der Eiszeiten finden sich in den Dünen bei Viernheim, die jüngste Erdgeschichte hat Spuren in der verlandeten Neckarschlinge am Mittelberg hinterlassen.

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