Bauen und Wohnen - Mit dem symbolischen ersten Spatenstich beginnt an der Bundesstraße 3/Ecke Talstraße der Neubau für das Acht-Millionen-Euro-Projekt „Adlerhof“ Schriesheim: "Adlerhof" soll im Juni 2022 bezugsfertig sein

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Konstantin Groß
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Spatenstich auf der Baustelle (v. l.): Architekt Jakob Spenst, Finanzierungsberater Armin Weller, Investor Peter Ujjobbagy und Projektleiter Thorsten Wettermann. In der Computeranimation ist das Projekt „Adlerhof“ schon fertig (r. o.). Das Weinfass, das jahrzehntelang die Fassade des Gasthauses „Adler“ geprägt hat, liegt derzeit auf der Baustelle, soll aber erhalten bleiben. © Konstantin groß (2)/Volksbank Kraichgau

Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, eisiger Wind, Schneegestöber – die Rahmenbedingungen beim Spatenstich für das Wohnquartier „Adlerhof“ an der B 3/Ecke Talstraße sind am Montagvormittag wenig erfreulich. Das Projekt selbst jedoch ist es schon: 17 Wohneinheiten entstehen, die nächstes Jahr bezugsfertig sein sollen. Damit kommt neues Leben an diese für das Stadtbild so wichtige Stelle Schriesheims.

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Zur Erinnerung: Seit Ende der 1880er Jahre steht hier der Gasthof „Schwarzer Adler“, der Ende 2009 seine Tore schließt. Ein weiterer Betrieb scheitert an dem Sanierungsbedarf in Millionenhöhe. Bleibt die Nutzung als Baugrundstück.

In der Immobilienbranche gilt ja die Vorgabe „Lage, Lage, Lage“, und die ist an der Kreuzung von B 3 und Talstraße ideal. Ein halbes Dutzend Investoren interessieren sich, springen aber wieder ab. Die Stadt hat hohe Ansprüche an die Gestaltung dieser stadtbildprägenden Stelle.

Zehn Jahre steht der „Adler“ leer und verfällt sichtlich. Erst 2019 ergibt sich eine Lösung. Peter Ujjobbagy, Speditionsunternehmer aus dem Kreis Recklinghausen und mit zweitem Standbein in der Immobilienbranche tätig, wird auf das Grundstück aufmerksam – dank seines Mitarbeiters Thorsten Wettermann, der in Heidelberg studierte. Mit den Eigentümern wird er handelseinig.

Schwierige Verhandlungen

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Mit der Stadt ist das schwieriger. „Ich habe mich mehrmals um ein persönliches Gespräch mit dem Bürgermeister bemüht“, berichtet Ujjobbagy. „Aber es kam leider nicht zustande. Es kamen nur Mitteilungen nach dem Motto ‘Gefällt uns nicht‘“. Und dennoch: „Aufgeben ist für uns im Ruhrgebiet keine Option“, lacht Ujjobbagy: „Ich denke nicht in Problemen, sondern in Lösungen.“ Und die sind denn auch nun gefunden.

Der Erhalt der Fassade übrigens, von manchem Schriesheimer gerne gesehen, ist jedoch zu keinem Zeitpunkt eine Variante: „Das wäre ein Mehraufwand, der nicht zu finanzieren wäre“, sagt der Bauherr. Ganz abgesehen vom Zustand der Bausubstanz, die ja auch gar nicht unter Denkmalschutz stand. Übrig geblieben ist jedoch das Fass, das jahrzehntelang die Fassade des „Adler“ prägt. Laut Bauherr es soll auf eine noch zu bestimmende Weise auf dem Grundstück integriert werden.

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Auch das charakteristische Tor zur Ladenburger Straße hin bleibt erhalten. Gerne will der Investor auch die Idee aufgreifen, an dem Gebäude mit einer Info-Tafel daran zu erinnern, dass hier 130 Jahre lang ein Gasthof bestand, der dem Projekt „Adlerhof“ ja seinen Namen gibt.

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Mit dem Fortgang seines ersten Projektes in dieser Region ist der Investor aus dem Ruhrgebiet sehr zufrieden. Partner bei der Abwicklung ist die Volksbank Kraichgau, mit der er bei seinen Projekten in deren Gebiet bereits gut zusammenarbeitet.

Fast alles schon verkauft

Und die Vermarktung zum Quadratmeterpreis von etwa 4500 Euro läuft optimal. „Bis auf drei Wohneinheiten sind alle verkauft“, sagt Armin Weller von der Volksbank Kraichgau. „Wo wir herkommen, sind wir ein solches Tempo nicht gewohnt“, schmunzelt er: „Doch je näher man an Heidelberg heranrückt, desto besser läuft der Absatz.“

Konkret: Zu haben sind nur noch eine kleinere Wohneinheit mit 87 Quadratmetern sowie zwei große zwischen 120 und 160 Quadratmetern. Von denen ist allerdings eine auch schon reserviert. „Einen solch hohen Anteil an verkauften Flächen zum jetzigen Stadium eines Projektes habe ich selten erlebt“, so Weller. Denn: Die Bauarbeiten beginnen ja jetzt erst. Das kleine Nachbargebäude, das – von der B 3 aus gesehen – links vom „Adler“ steht und Teil des Projektes ist, muss noch abgebrochen werden. Bislang ist darin das Verkaufsbüro untergebracht. Doch das wird ja bald kaum mehr nötig.

Gebaut werden alle Gebäudetrakte gleichzeitig, Stockwerk für Stockwerk. Beim Richtfest soll dann das Feiern nachgeholt werden, das beim Spatenstich Corona-bedingt ausfallen muss – mit Ausnahme der kleinen Fläschchen „Jägermeister“, die Ujjobbagy den wenigen Gästen überreicht. Und im Sommer 2022 soll dann alles bezugsfertig sein.

Die künftigen Bewohner fiebern diesem Augenblick bereits entgegen. So etwa Dr. Samina Shazi-König, die mit ihrem Mann in der Hübsch’schen Mühle in der Talstraße eine private ZNS-Praxis betreibt. Künftig haben sie nur wenige Schritte zum Arbeitsplatz: „Wir freuen uns schon sehr“, bekennt sie und zeigt das auch: Zum Spatenstich bringt sie den Beteiligten eine Präsenttüte mit Motivtasse und Süßigkeiten mit.

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