Schriesheim - Soll die Amtszeit der Weinhoheiten sogar in eine dritte Runde gehen ? / 1991 gab es gar keine Verlängerung Höfer sieht das „eher kritisch“

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Konstantin Groß
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Derzeit die einzige Möglichkeit, die Schriesheimer Weinhoheiten zu sehen: im Bild auf den Ortseingangsschildern der Stadt wie hier im Norden der B 3. © Konstantin Groß

Wer nach Schriesheim fährt, den begrüßen am Ortseingang seit kurzem die drei Weinhoheiten: Das von „MM“-Fotograf Marcus Schwetasch geschossene Gruppenbild schmückt die Ständer, die dort vor kurzem aufgestellt wurden. „Wenigstens kann man uns jetzt auf den Schildern im Bild sehen“, formuliert Weinkönigin Sofia Hartmann in einem leichten Anflug von Galgenhumor. Denn ansonsten haben sie und ihre beiden Prinzessinnen bislang und in absehbarer Zeit keine Gelegenheit sich zu zeigen. Insofern kommt eine Diskussion in Gang, ob ihre Amtszeit ein weiteres Mal verlängert werden soll.

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Rückblick: Am 6. März vergangenen Jahres werden Sofia Hartmann als Weinkönigin sowie Fabienne Röger und Lena Meyer als ihre Prinzessinnen gekrönt. Noch ist alles wie immer, gut gefülltes Festzelt, Küssen auf der Bühne – im Rückblick muss man sich die Augen reiben. Auch der Festzug am 8. März und die Mittelstandskundgebung im Festzelt am 9. März finden wie gewohnt statt.

Doch die Realität lässt sich auch in Schriesheim nicht auf Dauer ausblenden: Am 11. März wird die zweite Hälfte des Festes abgesagt. Sie bleibt nicht das Einzige: Das gesamte Jahr 2020 über gibt es kaum Feste, daher auch kaum Auftritte für die Weinhoheiten. Am 16. Juli gibt die Winzergenossenschaft (WG) daher bekannt, dass die Amtszeit verlängert wird. Eigentlich hätte sie zum Start des Mathaisemarktes 2021 am 5. März geendet, nun läuft sie bis März 2022. Doch das hilft nicht viel. „Unser Kalender ist noch genauso leer wie im letzten Jahr“, sagt Sofia.

Im Januar wird der Mathaisemarkt erneut abgesagt. Auch in den nächsten Monaten sind zunächst keine Feste zu erwarten. So entsteht die Frage, ob es eine weitere Verlängerung geben soll. Wären die Hoheiten bereit? „Prinzipiell schon, natürlich“, sagt Sofia: „Doch das liegt nicht in unserem Ermessen, sondern in dem der Winzergenossenschaft.“

Winzergenossenschaft am Zug

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Dort hält man sich bedeckt: „Ehrlich gesagt“, antwortet Vorstandschef Karlheinz Spieß, „wir haben derzeit andere Sorgen“, meint er unter Hinweis auf die wirtschaftliche Situation. „Entschieden wird das in dem dafür zuständigen Gremium“, betont Spieß, verhehlt aber nicht, dass er selbst eher skeptisch ist: „Man kann nicht endlos verlängern.“

Doch die Weinhoheiten repräsentieren auch die Stadt, begleiten oft den Bürgermeister, der damit nicht außen vor ist. Und Hansjörg Höfer meint: „Eine dritte Amtszeit der amtierenden Hoheiten betrachte ich ehrlich gesagt eher kritisch“, sagt er auf Anfrage – und das zum Wohle der Hoheiten: „Daher müssen wir zunächst sehen, ob ein weiteres Jahr im Amt der Weinhoheiten überhaupt mit der Planung der jungen Frauen einhergehen würde.“

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Der Vorgänger von Spieß, Friedrich Ewald, hat Ähnliches schon einmal durchgemacht. Der heutige Ehrenvorsitzende der WG erinnert sich an den Mathaisemarkt vor genau 30 Jahren, der wegen des Golfkrieges ausfiel. Die scheidende Weinkönigin Diana Sandel meinte Anfang 1991: „Wir können doch nicht feiern, während da unten Leute sterben.“ Am 8. Februar 1991 beschloss der Gemeinderat mit knapper Mehrheit die Absage. Doch eine wichtige Frage blieb: Was geschieht mit den designierten neuen Weinhoheiten? Diese waren wie üblich zu diesem Zeitpunkt bereits gewählt: als Weinkönigin die 18-jährige Heike Höfer, als ihre Prinzessinnen Martina Eichhorn (20) und Sigrid Moos (19).

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Am 11. Februar 1991 beschlossen Stadt und Winzer, dass die drei ihre Amtszeit antreten können und sogar eine Krönungsfeier erhalten sollen. „Aber nur ein Abend und nicht mehr“, so Bürgermeister Peter Riehl. Am 2. März war es so weit: Die Krönung erfolgte zum ursprünglich vorgesehenen Zeitpunkt, aber in kleinerem Rahmen an ungewohntem Ort – im Zehntkeller statt im Festzelt.

1991 noch Weinfeste

Einen Mathaisemarkt hatten die Drei also nicht, aber – im Unterschied zu den jetzigen Hoheiten – Termine den Rest des Jahres über; denn bald darauf, am 12. April, endete der Golfkrieg, Weinfeste und andere Termine fanden wieder statt.

Eine Verlängerung ihrer Amtszeit, um ihnen einen Mathaisemarkt zu ermöglichen, lehnten die Verantwortlichen damals ab. Heike Höfer ging als „Weinkönigin ohne Mathaisemarkt“ in die Stadtgeschichte ein. Egal wie es weitergeht: Sofia Hartmann ist als „Corona-Königin“ in den Annalen verewigt. Doch darauf, so meint sie mit traurigem Lächeln, „hätte ich gerne verzichten können“.

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