Schriesheim - Entscheidung über 3,2 Millionen teuren Kindergarten-Neubau am Mittwoch im Gemeinderat / Knackpunkt des Standortes: steigende Verkehrsbelastung „Helikopter-Eltern“ sorgen für Staus

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Konstantin Groß
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Der jetzige Kindergarten „Kunterbunt“ in der Mannheimer Straße. © Marcus Schwetasch

In Sachen Kinderbetreuung gilt die Weinstadt als gut aufgestellt. Nun will Schriesheim noch eine Schippe drauflegen: In den nächsten Jahren sollen rund 7,5 Millionen Euro investiert werden – für die Sanierung dreier Einrichtungen und den Bau von zwei neuen. Für den ersten soll in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch die Grundsatzentscheidung fallen.

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In Schriesheim ist alles anders als in der übrigen Region – zumindest, was die Trägerschaft für die Kinderbetreuung angeht. Denn man kennt hier keine kirchlichen Kindergärten. Alle sechs werden – abgesehen von wenigen privaten Plätzen – von der Stadt betrieben. Die Kommune kann alleine entscheiden und organisieren, muss aber auch selbst zahlen.

Und dazu gibt es reichlich Gelegenheit. „In allen Gebäuden wurden in der Vergangenheit nur wenige Sanierungsarbeiten durchgeführt“, beklagt Hauptamtsleiter Dominik Morast in seiner Vorlage für den Gemeinderat. Ein Kindergarten – jener in der Hirschberger Straße – musste 2019 für etwa fünf Millionen Euro durch einen Neubau ersetzt werden. Das gleiche droht nun der Einrichtung „Kunterbunt“ um die Ecke in der Mannheimer Straße. „Eine Sanierung des Gebäudes ist ausgeschlossen“, schreibt Morast.

Gelände am Schulzentrum

Als Standort für den Neubau ist ein 0,22 Hektar großes Grundstück in der Conradstraße vorgesehen – auf der Wiese am früheren Spielplatz direkt neben dem Schulzentrum.

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Für das Gelände sprechen gleich mehrere Aspekte: Es befindet sich bereits im Eigentum der Stadt, ist erschlossen und verfügt über eine als Außengelände nutzbare Freifläche. Dadurch ergeben sich vergleichsweise ausgesprochen günstige Kosten – 3,2 Millionen Euro für einen fünfgruppigen Kindergarten, das ist ein wahres Schnäppchen in der Region. Weiterer positiver Effekt: die kurze Bauzeit. Stadt-Sprecherin Larissa Wagner nennt die Termine: Baubeginn im Frühjahr 2022, Bezug des Gebäudes im September 2023.

Dann seien Synergieeffekte der 110 Plätze bietenden Einrichtung mit dem Bildungszentrum sowie dem Kindergarten in der Hirschberger Straße möglich, schwärmt die Verwaltungsvorlage. Diese Gemengelage jedoch ist zugleich der größte Haken an diesem Standort: In dem Quartier Max-Planck-/ Conrad-/Kurpfalz-/ Hirschberger Straße wäre dies die vierte publikumsintensive Einrichtung – neben dem Bildungszentrum sowie den beiden Kindergärten in der Hirschberger Straße und in den Containern an der Conradstraße. Selbst „Helikopter-Eltern“ kommen nicht durch die Luft, sondern mit den Auto, um ihre Kleinen direkt vor den Einrichtungen abzuliefern – „unkoordiert haltende oder parkende Fahrzeuge“, wie die Vorlage formuliert. „Die Straßen im Bereich des Bildungszentrums sind stark frequentiert“, heißt es: „Die Zu- und Abfahrtssituation zum geplanten Neubau ist nicht optimal.“

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Ein Zuwachs hier hätte Folgen: „Der Stadtverwaltung ist durchaus bewusst, dass der geplante Neubau für die Anwohner eine zusätzliche Lärmbelastung mit sich bringen wird“, heißt es in ihrer Vorlage. Das sei aber „gewissenhaft abgewogen worden“, versichert die Verwaltung.

Intensive Bürgerbeteiligung

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So soll mit dem Standortbeschluss ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben werden, das noch im zweiten Halbjahr 2021 zu erarbeiten wäre. In der Planung muss diese Problematik auch bei der Ausrichtung der Gebäude und der Außenanlage berücksichtigt werden. Zudem sollen die Anwohner bei jedem Schritt mit einbezogen werden. Schon jetzt können sich Bürger mit ihren Fragen per Mail an das Bauamt wenden.

Allerdings sieht die Verwaltung langfristig unter dem Strich keine zusätzliche Belastung, da einer der Nutzer verschwindet: Die Kinderbetreuung in den Containern wird nämlich wegfallen, denn auch diese 20 Jahre alten Räumlichkeiten müssen mittelfristig abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Wo der entstehen soll? „Es wäre verfrüht, sich bereits jetzt über potenzielle Standorte offensiv zu äußern“, heißt es in der Vorlage. Doch die Meinungsunterschiede liegen offen. Bürgermeister Hansjörg Höfer präferiert einen Standort westlich der B 3. Dies entspreche der aktuellen Bebauung auf dem ehemaligen Adler-Gelände, in der Ladenburger Straße und in dem anvisierten Neubaugebiet Süd. Die Grünen wünschen sich etwas Anderes; sie argumentieren, es gebe zu wenige Kindergärten östlich der B 3, obgleich auch dort Bürger hinzukommen, etwa beim früheren Kreisaltenheim.

Für die beiden Kindergarten-Neubauten sind 6,5 Millionen Euro veranschlagt. Weitere 960 000 Euro betragen die Kosten für die Sanierung dreier weiterer Einrichtungen.

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