Neckar-Bergstraße - Traditioneller Neujahrsempfang der Grünen diesmal digital / Redner verteidigen offensiv aktuelle Corona-Politik „Es gibt kein Impfchaos“

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Konstantin Groß
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Wohnzimmer-Atmosphäre für digitale Übertragung (v. l.): Kreisvorsitzende Fadime Tuncer, Landtagsabgeordneter Uli Sckerl, Bürgermeister Hansjörg Höfer. © Konstantin Groß

Der Ort ist wie immer der Schriesheimer Zehntkeller, doch die Kulisse ungewohnt: Die Redner sitzen in Lehnstühlen und auf einem Sofa. Doch irgendwie passt das. Denn auch viele ihrer Zuhörer werden es sich diesmal wohl auf ähnlichen Möbelstücken bequem machen, im heimischen Wohnzimmer. Denn der traditionelle Neujahrsempfang der Grünen Neckar-Bergstraße findet diesmal oneline statt. Nur online.

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Mit Mobiliar aus Schriesheimer Geschäften und dank des Knowhow des als Veranstaltungstechniker tätigen Stadtrats Bernd Molitor ist es der Partei gelungen, auch in Corona-Zeiten einzuladen. Über deren Website ist man live dabei. Einige Redner sind vor Ort im Zehntkeller, andere werden zugeschaltet. So gehen politische Veranstaltungen anno 2021.

Alte Werte neu entdeckt

„Corona ist ein Stresstest für unsere Gesellschaft“, spürt Hausherr Hansjörg Höfer. Und wie es seine Art ist, macht der Schriesheimer Bürgermeister dies in seinem Grußwort gekonnt durch ein sehr persönliches Beispiel anschaulich: „Wir müssen jetzt um 20 Uhr zu Hause sein. Das musste ich das letzte Mal, als ich 14 war. Das war vor 50 Jahren.“

Doch der Rathaus-Chef sieht auch Positives: „Uns wird bewusst, wie wertvoll Gemeinschaft ist“, hofft er: „Wenn man heute auf der Straße jemanden trifft, dann freut man sich wirklich darüber. Der Gruß ist keine Floskel mehr“, glaubt Höfer: „Das ist ein Wert, den wir in die Zukunft mitnehmen sollten.“ In eine Zukunft, in der ein Neujahrsempfang bei einem Glas Wein wieder möglich sein wird.

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„Demut und Geduld“ – das sind die beiden Eigenschaften, die Torsten Fetzner in den zurückliegenden Monaten für sich erfährt – und die der Erste Bürgermeister der Stadt Weinheim auch der Gesellschaft als Ganzes empfiehlt. „Es dauert eben seine Zeit, 83 Millionen Menschen in Deutschland zu impfen“, nennt er ein Beispiel und macht eindeutig klar: „Es gibt kein Impfchaos. Das ist für mich das Unwort des Jahres.“

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Und der Verwaltungsmann verweist auf die langfristigen Folgen: „Wenn Einnahmen in großem Umfang wegbrechen, dann werden wir auch nicht darum herumkommen, Ausgaben einzuschränken.“ Eine Möglichkeit sei, endlich die interkommunale Zusammenarbeit auszubauen. Fetzner nennt konkrete Beispiele: die Bauhöfe und die Feuerwehren, aber auch das Rechnungs- und Ordnungsamtswesen.

Franziska Brantner stärkt den Verantwortlichen in Kommunen, Land und Bund den Rücken: „Wir sind in elf Landesregierungen und gestalten die aktuelle Corona-Politik maßgeblich mit“, erinnert die Bundestagsabgeordnete: „Wir leisten uns daher keine wohlfeile Kritik und produzieren uns nicht als Besserwisser.“ Wo Kritik notwendig ist, werde sie von den Grünen aber geübt, versichert sie. So gegen die anfänglich unzureichende Einbeziehung des Parlaments („Ist durch uns besser geworden“) und für den Schutz von Kindern und Familien in der Krise: „Die dürfen nicht durchrutschen.“

Kein legitimer Ansatzpunkt für Kritik ist nach Ansicht Brantners jedoch die Impfpolitik der EU-Kommission. „Wir verfallen nicht in plumpen Populismus“, versichert sie: „Wir stehen in der Impffrage solidarisch zu Europa, denn die Pandemie ist auch bei uns erst bekämpft, wenn sie überall bekämpft ist.“

„Die Menschen fragen sich: Bleibe ich gesund und behalte ich meinen Arbeitsplatz? Gibt es eine verlorene Generation? Wie bewältigen wir die Schuldenberge?“, weiß Uli Sckerl und versichert: „Wir müssen Antworten geben. Und wir arbeiten daran – seit Monaten, aber sicher auch noch in den kommenden Monaten.“

Als stärkste politische Kraft sieht der Landtagsabgeordnete die Grünen „in der Hauptverantwortung, dieses Land aus der Krise herauszuführen.“ Doch er macht auch klar: „Wir wollen Corona nicht zum Thema des Wahlkampfes machen. Es ist die gemeinsame Aufgabe der demokratischen Gesellschaft.“

Klimaschutz nicht vergessen

Zu streiten gibt es nach Meinung Sckerls ohnehin genug: „Wir sehen die Probleme hinter der Pandemie“ sagt er, nennt Klima- und Artenschutz. Das gelte auch vor Ort, und er verweist dabei auf den „maßlosen Flächenfraß“ in der Region.

In die gleiche Kerbe schlägt André Baumann, seit einem Jahr Bevollmächtigter des Landes beim Bund in Berlin. „Wir dürfen die Krisen hinter der Krise nicht vergessen“, mahnt er und nennt ebenfalls Klima- und Artenschutz. Dies müsse aber mit den Landwirten erfolgen, die ja auch kein Interesse am bisherigen System haben könnten, das ihnen zu niedrige Preise für ihre Produkte zumutet. „Jede Zeit hat ihre Farbe“, so Baumann: „Die Farbe für jetzt ist grün.“

Nach einem Grußwort der Weinheimer Ortsvorsitzenden Letizia Stalf und einem Video der Band „Britkrauts“ formuliert die Kreisvorsitzende Fadime Tuncer die Ziele für das Superwahljahr: „Stärkste Kraft im Land, Mitregieren im Bund sowie bei beiden Wahlen im hiesigen Wahlkreis das Direktmandat.“

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