Schriesheim - Diskussion um neuen Standort für Feuerwehr Altenbach – jetzt liegt ein Vorschlag der Freien Wähler auf dem Tisch Eine „zündende Idee“?

Von 
Konstantin Groß
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Die Freiwillige Feuerwehr in Altenbach braucht mehr Platz. Die Suche nach einer Lösung bewegt seit Jahren die Kommunalpolitik in dem im Odenwald gelegenen Schriesheimer Stadtteil. Am Montag berät der Ortschaftsrat erneut darüber. Im Vorfeld machen die Freien Wähler einen neuen Vorschlag: die freiwerdende Fahrzeughalle einer Baufirma.

Die Alternativen: Halle der Firma Bernd (l.) und Grundstück in der Hauptstraße 28. © Marcus Schwetasch
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Die Zeit drängt, denn die Platznot der Wehr hat sich nach Inbetriebnahme des Branich-Tunnels verschärft. Als Abteilung, die dem östlichen Tunnelausgang am nächsten liegt, wurde auch sie in die Planung für Rettungseinsätze einbezogen, ihr zu diesem Zweck zusätzliches Gerät zugeteilt. Das muss derzeit in zwei separaten Garagen lagern.

Kompletter Neubau unrealistisch

Eine Erweiterung des Gerätehauses am bisherigen Standort neben der Mehrzweckhalle mitten im Ort ist nicht möglich. Und so waren in den zurückliegenden sechs Jahren viele Standorte im Gespräch, die jedoch allesamt ausschieden: Die Alte Wäscherei wegen unzureichender Zufahrt, der Buswendeplatz, weil das Gelände nicht verfügbar ist, die Talwiese wegen ihrer Lage im Landschaftsschutzgebiet. Fazit: Es gibt keinen Standort für den kompletten Neubau eines Feuerwehrhauses – ganz abgesehen davon, ob sich die Stadt derzeit solch ein Projekt im Umfang von mindestens 2,5 Millionen Euro überhaupt leisten könnte.

So werden andere Lösungen gesucht. 2019 schlugen die Grünen die Brachfläche direkt gegenüber der jetzigen Feuerwehrhalle auf der anderen Seite der Hauptstraße vor. Das Areal gehört der Stadt, muss also von ihr nicht erst gekauft werden – in Altenbach oft ein Problem. Die Feuerwehr zeigte sich nicht abgeneigt, trotz einiger Nachteile: Es wäre eine Erweiterung über die Straße hinweg.

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Das größte Problem jedoch ist juristischer Natur: Das Grundstück reicht gerade für eine Halle mit zwei Fahrzeugen und Material, wenn es bis an die Ränder bebaut wird. Dagegen aber gibt es Widerstand in der Nachbarschaft. Trotzdem brachte der Ortschaftsrat im Juni mit knapper Mehrheit die notwendige Bebauungsplanänderung auf den Weg. Die Planungskosten von 50 000 Euro sind im Etatentwurf enthalten.

Um dennoch eine Alternative zu haben, beantragen die Freien Wähler um Ortsvorsteher Herbert Kraus jetzt, eine andere Variante zumindest zu prüfen: die Halle des Bauunternehmens Bernd in der Hauptstraße schräg gegenüber dem Buswendeplatz. Die Halle würde frei, weil Bernd mit dem Gedanken spielt, seinen Fuhrpark ins Gewerbegebiet in der Kernstadt zu verlegen. Dann wäre hier Platz, vier Feuerwehrfahrzeuge zu parken – logistisch sinnvoll nebeneinander und nicht, wie in der jetzigen Halle, hintereinander.

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Vorteil dieser Lösung: Die Ausrüstung wäre untergebracht, ohne dass ein Gebäude neu errichtet werden müsste. Also die „zündende Idee?“, fragt die Redaktion. „Zumindest eine Idee“, antwortet Kraus.

Unterschiedliche Reaktionen

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Allerdings ist der neue Standort 400 Meter vom Ortskern entfernt. Bei der Feuerwehr stieß die Idee bereits im Sommer auf wenig Gegenliebe. Nicht geeignet, lautete das Fazit ihrer damaligen Stellungnahme, erinnert Grünen-Fraktionschef Christian Wolf in seiner Reaktion auf die jüngste Entwicklung: „Warum jetzt die Freien Wähler den Standort als ganz neuen Vorschlag bringen, ist für uns völlig unverständlich“, sagt er. „Die Grüne Liste würde sich mit einem von der Feuerwehr abgelehnten Standort nicht weiter beschäftigen“, betont Wolf: „Denn wer sollte den Bedarf der Feuerwehr besser kennen und beurteilen können als die Feuerwehr selbst?“

Bürgermeister Höfer lehnt ab

„Das ist eine mögliche Variante, die überlegenswert ist“, meint dagegen Karl Reidinger, der Stadt- und Ortschaftsrat der CDU: „Ob dieser Stützpunkt geeignet ist, muss allerdings durch die Beurteilung eines Fachbüros geprüft werden.“ Und natürlich müsse auch die Feuerwehr mit einbezogen werden: „Unter diesen Voraussetzungen sollte der Vorschlag weiter verfolgt werden.“

Altenbachs SPD-Stadträtin Renate Hörisch-Helligrath erkennt ebenfalls manchen Vorteil, vor allem die schnellere Realisierbarkeit und die niedrigeren Kosten. Und die Skepsis der Feuerwehr? „Das war beim Standort Hauptstraße zunächst auch der Fall“, erinnert sie und schließt: „Die Räumlichkeiten der Firma Bernd sollten als weitere Möglichkeit von einem unabhängigen Fachmann untersucht werden.“

Bürgermeister Hansjörg Höfer sieht die Variante dagegen kritisch: „Die Kommandanten der Feuerwehr haben die Gegebenheiten des Bernd-Gebäudes unvoreingenommen geprüft“, erklärt er auf Anfrage: „Die Feuerwehr kam nach der umfassenden Untersuchung zu dem eindeutigen Ergebnis, dass dieses Gelände aus unterschiedlichsten Gründen als Standort ungeeignet ist. Ich vertraue der Einschätzung der Feuerwehr in vollem Umfang und stehe hinter der Stellungnahme.“

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