Schriesheim - Mahnwache vor der evangelischen Kirche „Das wollen wir nicht mehr hinnehmen“

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stk
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Teilnehmer der Mahnwache am Platz vor der evangelischen Stadtkirche halten ein Banner mit der Aufschrift „Die Geschichte kennt kein letztes Wort“. © Kuntermann

Der Attentäter von Halle sei ein Einzeltäter gewesen, sagte Fadime Tuncer: „Aber die Gedanken, die seine Taten begleitet haben, sind nicht auf einen Einzeltäter zurückzuführen.“ Die Bürgermeister-Stellvertreterin rief unter dem Eindruck des Attentats von vergangener Woche kurzfristig auf zur Mahnwache gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.

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Etwa 100 Menschen kamen zum Platz vor der evangelischen Stadtkirche, darunter Vertreter von CDU, Grünen und SPD. Ihr Mitgefühl sei bei den Opfern und den jüdischen Gemeinden, denen der Anschlag gegolten habe, erklärte Tuncer und bezeichnete die Tat als „Angriff auf alles, was unser Land ausmacht: Freiheit, Vielfältigkeit der Religionen und Toleranz.“ Sie wolle der Fremdenfeindlichkeit mit aller Kraft entgegentreten, letztlich trage dafür jeder Einzelne die Verantwortung. „Am Anfang steht immer ein Wort“, bemerkte sie, und das passte perfekt zu dem Transparent mit dem Willy-Brandt-Zitat, das SPD-Fraktionssprecher Sebastian Cuny und einige Mitstreiter entrollten: „Die Geschichte kennt kein letztes Wort.“ Gerade Worte voller Menschenverachtung würden die Gesellschaft spalten, so Tuncer.

Auch Pfarrerin Suse Best schloss sich dem Protest an und sang mit den Anwesenden das jüdische Segenslied „Shalom Chaverim.“ In die anschließende Schweigeminute erklangen die Töne des Glockenspiels, und wie bestellt hörte auch der leichte Nieselregen wieder auf. Zum Schluss entzündeten die Teilnehmer noch Kerzen, die vor dem Kircheneingang stehen blieben. stk