Schriesheim - Initiatoren unterschreiben gemeinsame Erklärung / Zu wenige Spendengelder, Rückzug von Sponsoren Das Projekt Bürgersaal ist gestorben

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Stephanie Kuntermann
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Aus dem Plan, Geld für einen Bürgersaal im Kurpfalz-Schulzentrum zu sammeln, wird nichts. Das teilen die Initiatoren jetzt mit. © Bernhard Zinke

Im Februar starteten sie voller Enthusiasmus – und mit einem ehrgeizigen Plan. Eine Gruppe Schriesheimer Stadträte fast aller Fraktionen sowie Patrick Schmidt-Kühnle vom Elternbeirat planten, Geld zu sammeln für den Bau eines Veranstaltungsraums, der im Zuge der Kurpfalz- Schulsanierung mit entstehen könnte.

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Mit veranschlagten 375 000 Euro war der Bürgersaal ein ehrgeiziges Projekt, das aus Sicht der Initiatoren aber durch Benefizkonzerte oder einen Spendenlauf hätte finanziert werden können. Der Schwung wurde weitergetragen, die Musikschule und der Partnerschaftsverein kündigten ihre Unterstützung an, ebenso Spenderin Stefanie Plattner und die ansässigen Schulen.

„Und dann kam Corona“

Doch das alles nützte letztlich nichts. Die Gruppe um CDU-Stadträtin Christiane Haase gibt jetzt in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, dass sie die Sache aufgibt. Unterzeichnet ist das Schrieben von Liselore Breitenreicher (BgS), Haase, Bernd Hegmann (FW), Renate Hörisch-Helligrath (SPD), Schmidt-Kühnle, Fadime Tuncer (GL) und Ulrike von Eicke (FDP).

„Und dann kam Corona“, beschreibt Haase die Misere, die das Projekt letztlich zum Einsturz bringt. Denn Geschäfte mussten schließen, Veranstaltungen abgesagt werden, Sponsoren zogen sich zurück. „Einige Großspender haben ihre Gelder eingefroren“, erklärt die Stadträtin und kann das auch bis zu einem gewissen Grad verstehen: „In der aktuellen Situation müssen alle ihr Geld zusammenhalten.“

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Dazu kam, dass manche Stiftungen nur sportliche Projekte fördern und andere ihr Engagement an eine bestimmte, schon erreichte Spendensumme knüpften. Doch auch damit sah es schlecht aus, bedauert Haase: „Einige Spenden waren zwischenzeitlich auch eingegangen, aber mit 2725 Euro vernichtend gering. Wir hätten gedacht, dass mehr Interesse unter den Bürgerinnen und Bürgern besteht.“

Immerhin gebe es für Veranstaltungen nur den Zehntkeller, der auf 200 Personen begrenzt sei, außerdem die Mehrzweckhalle, „aber die besticht nicht gerade durch Sex-Appeal“. Einen Bedarf hat die Gruppe also durchaus gesehen, gerade angesichts des Terminkalenders, der unter normalen Umständen oft sehr voll ist: „Die Termine liegen normalerweise dicht an dicht, sodass es mitunter schwierig ist, überhaupt Räumlichkeiten zu finden.“

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Doch angesichts der aktuellen Misere gesteht sie unumwunden zu, dass man „den Mut verloren“ habe. Denn die Organisatoren hätten nicht nur eine große Geldsumme einwerben, sondern obendrein auch einen strikten Zeitplan einhalten müssen. Schließlich war vorgesehen, bis zum Herbst 100 000 Euro zusammenzubringen: „Das wäre eine realistische Zahl gewesen, um auch auf die restliche Summe zu kommen.“ Doch weil die Gruppe von diesem Betrag so weit entfernt war, habe die Skepsis vorgeherrscht. Selbst hätte sie noch daran festgehalten, überlegt Haase.

Summe fließt Sozialfonds zu

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Doch bei einer internen Beratung hätte die negative Stimmung überwogen. Enttäuscht sind nun alle. „Ich hätte es super gefunden, aber es bringt ja nichts, gegen Windmühlen zu kämpfen“, sagt die Stadträtin, die vermutet: „Die Menschen spenden eher für karitative Zwecke als für einen Bürgersaal.“

Und letztlich tun das nun auch diejenigen, die bereits gespendet haben. Denn wie ursprünglich vereinbart, kommen die Spenden im Fall des Abbruchs dem Sozialfonds der Stadt zugute. Zum überwiegenden Teil setze sich die bereits erzielte Summe aus Kleinspenden zusammen, nur ein Großspender sei dabei: „Und der ist mit diesem Vorgehen einverstanden.“ Nun soll im Nachgang noch der übrige Gemeinderat informiert werden.