Schriesheim - Glasfaseranschluss für Altenbach ist roter Faden in der Ortschaftsratssitzung / Hoch emotionale Debatte „Das ist völliger Unsinn“

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Stephanie Kuntermann
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Die Altenbacher Ortschaftsratssitzungen sind bekannt dafür, dass man dort Auseinandersetzungen nicht unbedingt aus dem Weg geht, um es diplomatisch zu formulieren. Am Dienstag setzte das Gremium diese Tradition in temperamentvollster Weise fort: Es wurde immer wieder laut, Wortmeldungen schwankten zwischen bösem Vorwurf oder Anklage, und immer wieder schrammte Grünen-Fraktionssprecher Christian Wolf hart am Entzug seines Rederechts vorbei.

Breitbandausbau in Altenbach

Der Zweckverband Fibernet ist für Verlegung und Hausanschluss zuständig, so das Unternehmen. Ist er aktiviert, dann ist der Anschluss betriebsbereit. Weitere Kosten für Router und Anschlussgebühren entstehen dem Verbraucher, wenn er einen Vertrag abschließt.

Im kommunalen Netz, so Fibernet weiter, sind die Anbieter NetCom BW und Overturn Technologies vertreten.

Wer von der technischen Aufrüstung des Netzes profitieren wolle, müsse den Anbieter wechseln und einen Vertrag mit einem der Unternehmen abschließen, so Fibernet.

Die Glasfaseranschlüsse seien gigabitfähig, die Geschwindigkeit abhängig vom gebuchten Tarif. stk

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Los ging es schon in der Bürgerfragestunde, als einer der sechs Zuschauer das Thema ansprach, das mitverantwortlich war für die Aufregung: die Breitbandversorgung. Warum, wollte der Mann wissen, werde jetzt im kleineren Ortsteil Ursenbach Glasfaserkabel für alle Einwohner verlegt, während das in Altenbach Zukunftsmusik sei: „Gleiches Recht für alle, oder sind wir hier jetzt Bürger dritter Klasse?“

Haushalte entlang der Trasse

Er leitete eine längere Fragerunde ein, an der sich auch die anderen Einwohner beteiligten und wissen wollten, wie viel die Verlegung koste, welche Kabel verlegt werden, ob man den Anbieter wechseln müsse, und ob man Leerrohre legen lassen könne, wenn die Straße aufgerissen wird. In der Ratsfragestunde legten die Grünen nach: Suzanne Epp wollte wissen, was aus dem Fragenkatalog ihrer Fraktion geworden sei, der an die Verwaltung ging.

Ortsvorsteher Herbert Kraus arbeitete die Fragen nacheinander ab, immer wieder unterbrochen von Ortschaftsräten, denen er, zunehmend ungeduldig geworden, mit Verweis auf die Geschäftsordnung auch mal das Wort abschnitt. Er kündigte an, eine schematische Darstellung des Trassenverlaufs und der Anschlusspunkte zu veröffentlichen, inklusive der Beantwortung aller Fragen – das schon deshalb, weil die Corona-Regeln die ursprünglich zugesagte Bürger-Information unmöglich machten.

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Diese Anschlüsse gehen von sieben im Ort verteilten Kästen aus. „Die Glasfaserkabel werden an sie herangeführt“, so Kraus. Im November dieses Jahres würden die Haushalte von insgesamt 70 bis 80 Personen angeschlossen, die direkt an dieser Trasse liegen, kündigte er weiter an: „Die übrigen werden erstmal mit Kupferkabeln versorgt.“ Denn die komplette Abdeckung könne sich über Jahre hinziehen.

Gleichwohl bedeute schon das Kupferkabel eine Verbesserung der Übertragungsraten: Während sie gegenwärtig zwischen drei und fünf MBit liegen, so bringe diese Technik eine Verbesserung auf 13 bis 15 MBit: „Damit ist ein Arbeiten von Zuhause ohne weiteres möglich.“ Was die Kosten anging, so bezifferte Kraus sie in Ursenbach auf 349 Euro für Leerrohre und weitere 649 Euro für die Kabel und nannte damit eine Untergrenze. In Altenbach würden die Kosten bei 550 Euro für die Rohre und 625 Euro für die Kabel liegen, erklärte er und antwortete auf eine Nachfrage: „Ja, es können durchaus noch weitere Kosten hinzukommen.“ Die unterschiedlichen Preisniveaus würden auf den Angeboten verschiedener Baufirmen und Auftragsgrößen beruhen.

„Nie so undiszipliniert erlebt“

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Irgendwann wurde Wolf sauer: Die Behauptung, ganz Altenbach könne mit Glasfaser versorgt werden, sei eine Ente; schon die Leitungsführung zwischen Wilhelmsfeld und der Gemeinde habe zwischen 500 000 und 600 000 Euro gekostet, darin seien nur drei Verteilerkästen enthalten, die übrigen würden weitere 160 000 Euro kosten, möglicherweise mehr. Den ganzen Ort abzudecken, könne 1,5 Millionen Euro kosten: „Und das wird die Stadt niemals zahlen.“ Er könne sich eine Glasfaser-Versorgung nur vorstellen, wenn wie in Ursenbach Dachständer entfernt und Leerrohre verlegt würden: „Dann werden wir uns das leisten können, sonst ist es völlig utopisch.“

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„Was Sie da reden, ist völliger Unsinn“, konterte Kraus. Im Dezember 2019 sei bekannt gegeben worden, dass alle Kästen freigegeben seien. Zudem, machte er seinem Unmut in Richtung Wolf Luft, „habe ich Sie noch nie so undiszipliniert erlebt.“

Hans Beckenbach (FW) verwies auf die Situation im Birkenweg: Hier seien Leerrohre verlegt worden, als die Straße aufgerissen wurde, und und Karl Reidinger (CDU) betonte: „Jetzt haben wir endlich die Grundversorgung, die wir doch wollten.“ Ganz zufrieden war am Ende niemand: Kraus monierte den Tonfall den gerade die Grünen anschlagen würden, und Wolf wurde noch einmal laut: „Ich möchte, dass das ehrlich kommuniziert wird.“ Was vielleicht in einer „Nachsitzung“ hätte geklärt werden können – doch die fiel wegen Corona flach, und das Gremium trennte sich wenig später.