Neckar-Bergstraße - Entwicklung der Stimmergebnisse im Wahlkreis Weinheim zeugt von dramatischem Wandel des Parteiensystems CDU und SPD erleben Niedergang

Von 
Konstantin Groß
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Bei der Landtagswahl im Jahre 1984 vereinigen CDU und SPD im Wahlkreis Weinheim mehr als 85 Prozent der Stimmen auf sich. Bei der letzten Landtagswahl 2016, drei Jahrzehnte später, sind es nurmehr etwas mehr als 41 Prozent – nicht einmal die Hälfte. Der Wahlkreis Weinheim ist ein Paradebeispiel für die dramatische Veränderung des Parteiensystems im Land und auch im Bund.

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Seit vielen Jahren nur in Nuancen verändert, umfasst der Wahlkreis 39 die Kommunen Dossenheim, Edingen-Neckarhausen, Heddesheim, Hemsbach, Hirschberg, Ilvesheim, Ladenburg, Laudenbach, Schriesheim sowie die Große Kreisstadt Weinheim, nach der er benannt ist.

Mit Beginn des demokratischen Lebens in den Jahren nach Kriegsende gilt der hiesige Landtagswahlkreis viele Jahrzehnte als schwarze Hochburg. Noch 1976 holt CDU-Kandidat Gerhart Scheuer (Schriesheim) den Wahlkreis mit mehr als 51 Prozent der Stimmen. Seine Nachfolger – Hans Lorenz (Dossenheim) und Georg Wacker (Schriesheim) – können es ihm zwar gleichtun, jedoch mit sinkenden Prozentanteilen.

Die SPD ist stets Zweiter, aber nicht ganz unglücklich, da ihre Kandidaten – Wolfgang Daffinger, Hans-Georg Junginger und Gerhard Kleinböck – über die Zweitauszählung in den Landtag ziehen. Ähnliches gilt in guten Jahren auch für die FDP mit Bernhard Scharf und Birgit Arnold.

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All das ändert sich gerade an der Bergstraße, als mit den Grünen in den 1980er Jahren ein neuer Mitspieler auftaucht. Mit acht Prozent 1984 beginnend, meistern sie einen kontinuierlichen Aufstieg, unterbrochen nur im Jahre 2001, als sie den Unmut der Wähler über die miserable Performance der rot-grünen Koalition unter Kanzler Gerhard Schröder in Berlin abbekommen.

Doch das ist nur ein Zwischentief. 2011 lösen sie die SPD als zweitstärkste Kraft im Wahlkreis ab, 2016 sogar die CDU als stärkste. Der Grüne Uli Sckerl ist nun direkt gewählter Vertreter dieser Region in Stuttgart.

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Doch auch dieses Tableau bleibt nicht von Dauer. Neue Akteure erscheinen auf der Bildfläche. Zuerst die Linke, mit drei bis vier Prozenten allerdings von begrenzter Resonanz. Ganz anders dagegen die neue Partei am anderen Ende des politischen Spektrums: Die AfD holt 2016 aus dem Stand mehr als 15 Prozent und übertrifft damit das bereits hohe Ergebnis der Republikaner von mehr als acht Prozent im Jahre 1992.

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Das alles bleibt nicht ohne Folgen: Die CDU hat 2016 20 Prozent weniger als 1984, die SPD nicht mal die Hälfte ihres Wertes von 1984.

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