Schriesheim - Zum 70. Geburtstag von Wolfgang Metzger / Schulleiter, Altstadtrat und Ehrenvorsitzender des Turnvereins Bildung und Sport bleiben seine Passion

Von 
Konstantin Groß
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Seinen Jubeltag verbringt er geschäftsmäßig – mit Digitalunterricht im Leistungskurs Englisch. Denn auch im Alter, in dem die meisten seiner Zeitgenossen seit langem im Ruhestand sind, bleibt er beruflich aktiv: An diesem Freitag feiert Wolfgang Metzger, Chef des Heinrich-Sigmund-Gymnasiums in Schriesheim, zudem Ehrenvorsitzender des Turnvereins und 25 Jahre lang Stadtrat, seinen 70. Geburtstag.

Wolfgang Metzger feiert am Freitag den 70. Geburtstag. © Marcus Schwetasch
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Wie er diesen verbringt, ist durchaus symbolisch für sein Leben, das privat und beruflich geprägt ist von dieser renommierten Privatschule, die seine Vorfahren vor fast 127 Jahren noch in Mannheim gründen und die seine Familie seither leitet. So ist auch für ihn früh klar, dass er nach Abitur, Studium und Promotion diese Familientradition fortsetzt. 1982 wird er Konrektor, 1989 Direktor.

Seit mehr als drei Jahrzehnten leitet Metzger nun schon diese Einrichtung mit mehr als 300 Schülern und 30 Lehrkräften, was nicht nur pädagogisches, sondern auch viel betriebswirtschaftliches Können verlangt – und auch praktisches Anpacken: Nicht selten ist es der Schulleiter selbst, der am frühen Morgen den Schulbus steuert, um dieses attraktive Angebot der Schule umzusetzen.

Ohnehin ist er kein der Welt Abgewandter aus dem Elfenbeinturm. Für Bodenhaftung sorgt sein Engagement in der Kommunalpolitik. Für die Freien Wähler, bei denen der nachdenkliche Schöngeist zuweilen aber schon etwas wie ein Exot wirkt, sitzt er 25 Jahre im Gemeinderat.

Bei seinen Reden horcht man auf

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Dabei ist der Jubilar kein „Senfgeber“, keiner, der zu allem eben diesen dazugibt. Zumeist schmunzelt er lieber in sich hinein. Doch wenn er das Wort ergreift, dann horcht man auf. So im Dezember 2010, als die Verlegung von „Stolpersteinen“ diskutiert wird, und er eindringlich, weil sehr persönlich, die Erlebnisse seiner Studienzeit an der Universität Wien schildert, vor deren Haupteingang ein Gedenkstein für einen von den Nazis ermordeten Studenten verlegt ist. Oder im Juli 2015, als es um die Flüchtlingsunterbringung geht, und er plädiert, „sich der historischen Verantwortung Deutschlands zu stellen“. In diesen Momenten könnte man im Ratssaal eine Stecknadel fallen hören.

Nach exakt 25 Jahren Mitgliedschaft scheidet er 2018 aus dem Gemeinderat aus – aus völlig freien Stücken und allseits hoch geachtet. Auch wenn er das in Schriesheim schnell übliche „Du“ sparsam pflegt.

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Dabei ist er ein geselliger Typ, von Jugend an im ehrwürdigen Turnverein 1883 aktiv und dabei sportlich sehr erfolgreich, 1967 etwa als Badischer Vizemeister über 800 Meter. 1987 wird er Vorsitzender und soll es 25 Jahre lang bleiben, bis er 2012 die Verantwortung für Schriesheims zweitgrößten Verein an seinen Vize Jürgen Busch weitergibt. Wenn es richtig ist, dass sich die Qualität eines Vorsitzenden darin zeigt, wie ihm die Amtsübergabe an die Nachfolger gelingt, dann hat Metzger dieses Kriterium blendend erfüllt.

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Auch in der Schulleitung hat er den Generationswechsel eingeleitet, die Zukunft seines Lebenswerkes gesichert; denn auch wenn der Jubilar noch im Amt ist, so übergibt er immer mehr Verantwortung für die Schulleitung unter anderem an seinen Sohn Daniel. Unterrichten will er jedoch, wie er schmunzelnd sagt, „solange mir die Schüler gerne zuhören und bei mir etwas lernen“.

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