Neckarstadt - Akustische und kulinarische Leckerbissen im Stadtteil Spaziergang durch die Orgellandschaft

Von 
Julia Werling
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Auf der Melanchthonwiese stärken sich die rund 70 Teilnehmer mit erfrischenden Getränken. Das Ereignis hat sich längst vom Geheimtipp zu einer echten Kultveranstaltung entwickelt. © Werling

Den Zauber dreier Neckarstädter Kirchen von innen erleben, dabei traumhafte Orgelmusik genießen und im Anschluss nach Herzenslust schlemmen – das ist das Konzept des Neckarstädter Orgelspaziergangs, der sich im Laufe der Zeit vom Geheimtipp zu einer echten Kultveranstaltung entwickelt hat und dieses Jahr bereits zum zehnten Mal stattfand.

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Teilnehmende Kirchen waren neben der evangelischen Melanchthonkirche die katholische Herz-Jesu-Kirche und die evangelische Diakoniekirche Luther. Ziel des musikalischen Rundgangs ist es, der breiten Öffentlichkeit die Gelegenheit zu geben, in kurzweiligen Mini-Konzerten Orgelmusik und die Mannheimer Orgellandschaft näher kennenzulernen: „Mit dem Orgelspaziergang schaffen wir einen geselligen und abwechslungsreichen Rahmen, innerhalb dessen Interessierte dem Instrument Orgel nahe kommen können“, erklärt Kirchenmusikdirektorin Christiane Brasse-Nothdurft, Kantorin der Melanchthongemeinde, die die Veranstaltung ins Leben rief. „Da die Konzerte jeweils nur rund 20 Minuten lang sind, ist die Veranstaltung auch für Kinder oder ungeübte Ohren hervorragend geeignet.“ Der diesjährige Orgelspaziergang fand im Rahmen des Mannheimer Orgeltages 2018 statt, bei dem in der Stadt ganze 21 Orgeln bespielt werden.

Französische Klänge

Die rund 70 Teilnehmer des Orgelspaziergangs genossen ein vielfältiges Orgelmusikprogramm, das dank der stimmungsvollen Kirchenräume seine volle akustische Wirkung entfalten konnte: Den Auftakt bildeten Christiane Brasse-Nothdurft und Ryoko Aoyagi, die langjährige Korrepetitorin der Melanchthonkantorei, die an der Georges-Heintz-Orgel, einer Orgel nach dem Vorbild alter, französischer Orgelbautradition aus dem Jahr 1986, musikalische Naturschilderungen von unter anderem Karl Kämpf und Guy Bovet vortrugen. Die vierhändige Präsentation von Gatty Sellars „Ein Meeressturm“ bildete den fulminanten Abschluss des Kurzkonzerts in der Melanchthonkirche und ließ das Publikum trotz der ehrwürdigen Räumlichkeiten in begeisterten Applaus und Bravorufe ausbrechen.

Nach einer Stärkung auf der Melanchthonwiese mit erfrischenden Säften ging es für die Besucher weiter zur Herz-Jesu-Kirche, wo sie Martin Geipel, Organist an St. Bonifatius, in Empfang nahm. Er brachte an der Woehl-Orgel eindrucksvoll französische Orgelmusik des 20. Jahrhunderts zu Gehör, darunter „Etoile du soir“ aus den Fantasiestücken von Louis Vierne. Im Anschluss konnten sich die Teilnehmer am Eisbuffet im Café Wissenbach laben, bevor es zur letzten Station des Spaziergangs, der Diakoniekirche Luther, ging, in der Alexander Niehues, katholischer Bezirkskantor, an der Voit-Orgel mit großem Können ausgewählte Stücke der Deutschen Romantik, wie Max Regers Dankpsalm op. 145/2, präsentierte. Das gemütliche Beisammensein mit gegrillten Köstlichkeiten von Metzgermeister Peter Sinn bildete den Endpunkt eines ebenso akustisch wie kulinarisch eindrucksvollen Abends.