Serie "Mein Laden um die Ecke" (Teil 45) - Galerie Artec No. 1 von Horst Nico Kress auf dem Lindenhof „Kunst findet hier und jetzt statt“

Von 
Christine Maisch
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Kaum betritt man den Raum hinter dem großen Schaufenster, so fällt der Blick auf einen großen runden Tisch, der von geselligen Tafeln und Gastlichkeit erzählt. Vor den Gemälden laden gemütliche Sofaecken und Sitzgruppen zum Verweilen und genüsslichen Vertiefen in die Kunstobjekte ringsherum ein. Und der zentrale Platz des Klaviers lässt bereits Erahnen, dass hier auch häufig musiziert wird. Schließlich ist der Hausherr und Inhaber der Galerie Artec No. 1 nicht nur ein Kenner der Szene, sondern verfügt auch selbst über eine ausgebildete Gesangsstimme. Die Kunstszene in Mannheim und der Region ist es, die er lebendig halten will. Und zu der zählt natürlich auch Dietmar Brixy, einer ihrer erfolgreichsten Vertreter, der jetzt mit einer Werkschau seiner explosiven Farbenrausch-Gemälde nicht nur im Europäischen Parlament vertreten ist (wir berichteten). Vielmehr macht der Mannheimer Künstler auch einen nicht unwesentlichen Teil der mehr als 300 Arbeiten umfassenden Sammlung von Horst Nico Kress aus. Kein Wunder: „Ich war damals der erste Galerist, der ihn in Mannheim ausgestellt hat. Das war am 21. September 1985, und zwar genau hier, in diesen Räumen.“ Es sollten noch viele große Namen folgen, nicht nur aus der Kurpfalz, von Manfred Kisselbach bis Theo Schneikert, von Walter Stallwitz bis zum Lindenhöfer Maler Günther Oehlbach, von Wolf Magin bis Filip Jankovic. „Zu Jankovics Ausstellung 1998 kam sogar der jugoslawische Botschafter aus Frankfurt auf den Lindenhof“, erzählt der 75-jährige Galerist und Mäzen lachend: „Da hat dann die Polizei die Gontardstraße eine Stunde lang abgesperrt.“ 

Horst Nico Kress zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Keramikerin Brigitte Beer.

© Thomas Rittelmann
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Heldentenöre und große Namen

Galerie Artec No. 1

  • Anschrift: Gontardstraße 5, 68163 Mannheim, Telefon: 0621/ 81 87 70.
  • Angebot: Kunstsammlung, Begegnungsstätte mit Kunst und Künstlern aus der Region.
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr, sowie von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.
  • Inhaber: Horst Nico Kress

Meist ließ der Hausherr bei solchen Gelegenheiten auch seine Stimme erklingen. Schon als Lessing-Gymnasiast zählte er zum Ensemble des Schulchors. Geboren wurde er – wie damals so viele Mannheimer – in der Hedwigsklinik. Nach der Mittleren Reife und einer kaufmännischen Lehre bei Siemens studierte er Gesang und machte seine Abschlussprüfung 1971 in Karlsruhe – zusammen mit keinem Geringeren als dem Helden-Tenor und Siegfried-Interpreten Peter Hofmann. Hätte es nicht auch den Lindenhöfer auf große Bühnen in Bayreuth, Paris oder New York gezogen? Da lacht der Mannheimer und schüttelt den Kopf. Die sichere Arbeit gegen eine ungewisse Gesangskarriere eintauschen? „Als mein zweiter Sohn zur Welt kam, habe ich als Generalvertreter der Allianz doch schon so viel Geld verdient.“ Die Entscheidung für die Musik und gegen den Lohnjob, das wäre aus seiner Sicht unverantwortlich gewesen. Doch ob Gemälde, Zeichnungen oder Skulpturen: Sammler, vor allem von Malerei, war und ist Horst-Nico Kress seit 1970. Und da die Räumlichkeiten in der Gontardstraße zwar schön und nahe am Wohnort gelegen, aber für seine Agentur eigentlich zu groß waren, beschloss er die hinteren Räumen für eine Galerie umzugestalten. Nein, das große Geld könne man damit nicht verdienen. Aber ein Sprungbrett für Künstler schaffen, sich mit Kunst befassen und darüber ins Gespräch kommen, das mache ihm große Freude. Vor allem auch als Berater: „Ich erkenne schnell, was gelungen und was schlecht ist. Kunst muss durch den Kopf gehen, dann ist sie auch gut.“ Gar nicht begreifen könne er, dass so viele Leute auf Fälscher hereinfallen. Picasso oder Beltracchi? „Mit ein bisschen Übung sieht man es doch, am Strich und an den Übergängen, was Original und was eine Kopie ist.“ Zu den Menschen, die ihm in puncto Malerei absolut vertrauen, zählen auch der ehemalige Pressesprecher des Technoseums, Wolf-Dieter Burak und seine Frau Sabine. „Wir sind seit 25 Jahren Stammkunden und haben hier immer mal wieder was gekauft. Und fühlen uns immer sehr gut beraten.“ Schließlich sei der Chef der Galerie Artec vielseitig interessiert und habe immer ein sehr breites Kaleidoskop an interessanten Künstlern präsentiert – nicht nur aus der Region, sondern beispielsweise auch aus dem Ostblock – er habe sie oft auch erst in unserer Gegend bekannt gemacht: „ Horst Nico hat hier wirklich eine Art Anlaufpunkt für Kunstliebhaber geschaffen.“

Podium für Begegnungen

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Es sind keine großen, teuren Events nötig, um zu erreichen, was dem Sammler und Förderer am Herzen liegt: „Ein Podium für Begegnungen schaffen.“ Zwischen Malern und Laien, zwischen Sängern und Musikliebhabern, zwischen Künstlern und Lindenhöfer Bürgern: „Ich will die Kunst unters Volk bringen.“ In der kleinen Galerie mitten im wilden Süden unserer Stadt, umgeben von Wohnhäusern und Geschäften. „Denn Kunst findet genau hier statt, hier und jetzt.“ Und sie lebt von den Menschen, die für sie eine Leidenschaft entwickeln, die sie lieben. Genau wie Horst Nico Kress.

Fotostrecke "Mein Laden um die Ecke": Galerie Artec No. 1

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Thomas Rittelmann
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