Neckarstadt - Ende Juni beginnen die Vorstellungen des grünen Projektes auf dem Turley-Exerzierplatz Bühne frei für das Gräsertheater

Von 
Bernhard Hass
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Gemeinsam graben und ernten: Dort, wo früher die amerikanischen Soldaten Baseball trainierten, werden entlang des noch vorhandenen Spielfeldzaunes auf Turley bald Pflanzen sprießen.

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Pflanzen werden zu Schauspielern und umgekehrt: Schauspieler stellen wachsende Pflanzen dar. Eine Verbindung zwischen szenischem Material-Theater und Neuer Musik will die freie Regisseurin Anna Peschke mit ihrem Theater-Gartenprojekt "Das Gräsertheater" schaffen.

Informationen rund um das Gräsertheater

Vorstellungstermine sind von 25. bis 28. Juni jeweils 20 Uhr und am 29. Juni um 12 Uhr auf der Bühne des Gräsertheaters auf dem ehemaligen Exerzierplatz auf dem Turley-Gelände.

An den Juni-Wochenenden finden Workshops zu den Themen Städtisches Gärtnern, Nachhaltigkeit und Umweltschutz sowie Theater und Neue Musik statt. Am Sonntag, 1. Juni, beschäftigt sich Tobias Rausch mit "Botanisches Theater". Am Sonntag, 15. Juni, hält Cornelis Hemmer einen Vortrag über "Wild- und Honigbienen im urbanen Garten".

Unterstützt wird das Projekt vom Fonds Darstellende Künste - Sonderprojekt Theater im öffentlichen Raum, Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg, und dem Bezirksbeirat Neckarstadt-Ost. Die Fläche stellt die MWS-Projektentwicklungsgesellschaft zur Verfügung. Tatkräftig unterstützen BVB-Teilnehmer von Biotopia und der Stadtteilservice Biotopia sowie Mitarbeiter der Tom Bock Group. Gesponsert haben die GBG-Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft und Paletten City Mannheim.

Gegärtnert wird an jedem Wochenende auf dem Exerzierplatz. Jeder darf dabei mitmachen. Meist ist am Sonntag, gegen 14 Uhr Treffpunkt. Nächster Termin ist Sonntag, 18. Mai. Gartenhelfer werden am Tor abgeholt, wenn Sie sich unter Telefon 0173/7 48 24 35 anmelden.

Genauere Informationen unter www.graesertheater.de has

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Dort, wo früher die amerikanischen Soldaten Baseball trainierten, wird entlang des noch vorhandenen Spielfeldzaunes Hopfen angebaut. "Diese wachsen in einem Jahr fast sechs Meter in die Höhe. Damit wird der unansehnliche Zaun in kurzer Zeit überwuchert", sieht Peschke ihr Gesamtkunstwerk schnell wachsen. Dabei kommt es der Regisseurin darauf an, dass für das Ambiente viele Menschen gemeinsam anpflanzen, umgraben und gießen. "Dadurch entsteht unser gemeinsamer Garten. Niemand kann sagen: Das ist mein Beet. Selbst ein Genießen durch Ernten" ist laut Peschke möglich, die ergänzt: "Dadurch entsteht eine Mischung aus Garten und Theater." Nach eigener Aussage arbeitet die Regisseurin mit wenig Sprache, die Pflanzen werden rund um die Bühne zu Hauptdarsteller werden. Die Musik für Flöte, Harfe und Klarinette hat Sarah Nemtov komponiert. "Sogar eine Weinbergschneckenrassel hat sie dazu komponiert", verrät Peschke.

Als Vorlagen dienen Gedichte von Emily Dickinson und wissenschaftliche Texte, die den Umgang des Menschen mit der Natur kritisch beleuchten. "Man muss nur einmal beobachten, mit welcher Eleganz sich eine Bohne nach dem Keimen erhebt", erläutert Peschke die Anlehnungen des Stückes an die Natur. Auf dem Exerzierplatz wird derweil schwer gearbeitet. Die Erde für die Beete ist angefahren, Menschen graben mit Schaufeln und Spaten und tragen Blumen und Gräser zu den Beeten. Einige Bauminseln aus Birken und Pappeln bleiben erhalten. "damit man sieht, was hier von allein wächst", begründet die Peschke.

Gepflanzt wird in so genannten Hochbeeten. Diese werden erst mit Folien ausgelegt. In die "Holzkisten" kommt eine Lage Baum- und Strauchabfall. "Der verrottet in zwei bis drei Jahren, dient aber bis dahin als Schicht, in der sich Wasser sammeln kann", erzählt Peschke. Das Material stammt übrigens von gestutzten Bäumen und ausgegrabenen Sträuchern rund um den Exerzierplatz. Darauf kommt eine Lage Erde, ehe Gartenerde den Abschluss bildet. Da hinein werden die Pflanzen gesetzt.

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"Dieser Garten kann wieder als Lebensmittel-Punkt dienen, so wie es früher bei kleinen Gärten üblich war", erzählt Peschke. Daher werden nicht nur Beete mit Gräsern und Blumen angelegt, sondern auch Erdbeeren, Artischocken oder Rhabarber gepflanzt. Oder eben mit Hopfen. Der dient auch als Sichtschutz.

Was passiert eigentlich mit den Pflanzen nach den Theateraufführungen im Juli? Diese Frage beschäftigte die Regisseurin schon von Beginn des Projektes an. Die Pflanzen werden alle in so genannte Hochbeete gepflanzt. Diese wiederum stehen auf Paletten. "Wir können uns einen Gabelstapler mieten und die Paletten einfach wegfahren und an einem anderen Ort aufstellen. Dort, wo es die Bewohner wollen", sagt Peschke.

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Das wird sicherlich notwendig werden, während unter dem Exerzierplatz die Tiefgarage gebaut wird. "Wir übergeben den gesamten Garten der Gemeinschaft der Bewohner. Die Blumen werden also weiter blühen", freut sich die Regisseurin, denn an dem Projekt hängt nach eigener Aussage "viel Herzblut."