Bildung - Nach dem zweiten Lockdown starten die Grundschulen in den teilweisen Präsenzbetrieb / Schnelltests beginnen Zwischen Angst und Freude

Von 
Bertram Bähr
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Die Reaktionen sind gemischt: „Ich finde es toll, wieder hier zu sein“, sagt ein Schüler der 4a an der Waldhof-Grundschule (WHGS) – und erhält Zustimmung. Ein Drittklässler dagegen, der im Süden Mannheims die Schulbank drückt, stöhnt: „Die ganze Zeit konnte ich ausschlafen, jetzt muss ich wieder so früh aufstehen.“ Und dann gibt es noch die, die aufgrund einer Vorerkrankung mit ganz schlechtem Gefühl in den Präsenzunterricht starten – wie eine Viertklässlerin im Norden der Stadt: „Ich möchte schon gerne in die Schule gehen“, sagt sie: „Aber ich habe Angst, dass ich sterben muss.“

Nach wie vor gelten die Regeln vom vergangenen Frühjahr – als die Kinder nach dem ersten Lockdown in den Präsenzunterricht zurückkehrten. Das Foto entstand an der Waldhof-Grundschule. © Bertram Bähr
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Die Aussagen der Kinder spiegeln wider, wie es den Erwachsenen mit dem Neustart nach der sehr langen Winterpause geht. Zwischen Freude und Furcht schwanken ebenfalls viele Erwachsene, sowohl Eltern als auch Lehrkräfte. Seit Mitte Dezember hatten die Schulen geschlossen – jetzt, nach den Fasnachtsferien, geht es zumindest für Erst- bis Viertklässler mit Präsenz- und Fernunterricht im wöchentlichen Wechsel weiter.

Schnelltests für Lehrkräfte und Betreuungspersonal

Anlass- und kostenlos können sich Lehrkräfte und das Betreuungspersonal an Kitas zwei Mal wöchentlich auf Corona testen. Das Ergebnis liegt in 15 bis 30 Minuten vor.

Am Donnerstag und Freitag hatte die Stadt mehr als 700 Vertreter aus allen Einrichtungen geschult, sie geben jetzt ihr Wissen an die Kolleginnen und Kollegen weiter.

Getestet wird auf Veranlassung der Stadt Mannheim vor Ort, das Personal spart sich dadurch den Gang zu einem Arzt oder Apotheker.

Das Stäbchen des Antigen-Schnelltests wird tief in die Nase eingeführt, bis es die Oberfläche des hinteren Nasen-Rachen-Raums erreicht. In unserem Bericht am Freitag hatten wir irrtümlich geschrieben, der Abstrich werde im vorderen Teil der Nase entnommen.

Die Tests sind freiwillig. Wie sich am Montag zeigte, möchte nicht jeder die Möglichkeit nutzen. bhr

Dabei lehnen sich die Regelungen zwar an den Wechselunterricht vom Frühjahr 2020 an. Aber aus organisatorischen und personellen Gründen sind sie durchaus unterschiedlich. Waldhof- oder Gerhart-Hauptmann-Grundschule Rheinau zum Beispiel holen in der ersten Woche Erst- und Viertklässler in die Präsenz. In der Johannes-Kepler-Grundschule in K 5 wechseln sich 1a,b,c und die dritte Jahrgangsstufe mit 1d, Zweit- und Viertklässlern ab. Almenhof- oder Hans-Christian-Andersen-Schule Schönau bitten zunächst erste und zweite, später dritte und vierte Klassen zu sich.

Für Eltern und Kinder „nicht befriedigend“ findet Nadine Sabra die unterschiedlichen Vorgehensweisen. Sie ist im Mannheimer Gesamtelternbeirat (GEB) stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Grundschulen. Was die Eltern aber noch mehr störe, sei der vergleichsweise geringe Unterrichtsumfang, in der Regel nicht mehr als zwei Stunden am Tag. Das Betreuungsproblem werde damit nicht gelöst. Kinder hinbringen und abholen für diese kurze Zeit, „schafft eher noch mehr Stress“, meint Sabra.

Dreifache Belastung

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Besser wäre ihrer Meinung nach ein echter Hybridunterricht: Alle Klassen den ganzen Vormittag zur Hälfte in der Schule, die andere Hälfte zuhause – und das im Wechsel: „Dann würden die Eltern wenigstens jede zweite Woche entlastet.“ Auch seien die zwei Stunden täglich nicht geeignet, die Lernrückstände der Kinder aufzuholen: „Sie haben so viel versäumt und sind total hintendran.“

Dass eine Klasse in der Schule in zwei Gruppen aufgeteilt wird, andere Klassen im Fernunterricht zu begleiten sind und zusätzlich eine Notbetreuung zu stemmen ist, findet WHGS-Rektorin Monika Walz-Kurz grenzwertig. „Das trifft uns schwer“, sagt sie. Diese Dreifachbelastung der Lehrkräfte prangert denn auch die Bildungsgewerkschaft GEW an. „Für ein möglichst sicheres zweites Schulhalbjahr fehlt immer noch mehr Personal wie Pädagogische Assistenzen und Lehramtsstudierende, die zur Verstärkung und zur Teilung von Klassen eingesetzt werden könnten“, schreibt die Landesvorsitzende Monika Stein. Auch die Schulleitungen bräuchten „mehr Zeit, um die vielen offenen Fragen bis zum Beginn der Sommerferien am 29. Juli bearbeiten zu können“.

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In einem sind sich alle Betroffenen einig: Das vom Land angekündigte Vorziehen der Impfungen für Kita- und Schulpersonal ist sehr zu begrüßen. „Die Kolleginnen befürworten das“, sagt Monika Walz-Kurz. Man würde sich dann „schon sicherer fühlen“, auf der anderen Seite „will sich aber auch niemand vordrängeln“. Gerade in Grundschulen und noch mehr in Kitas sei der Abstand zu den Kindern oft kaum einzuhalten. Deshalb, so Nadine Sabra, sei es absolut notwendig, dem Personal beim Impfen Priorität einzuräumen.

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Viele Eltern, so die Beirätin, seien auch „erfreut, dass Lehrer jetzt verstärkt getestet werden“. Es bringe schon etwas, wenn so „der eine oder andere Infektionsfall rausgeholt“ werden könne. Allerdings, so Rektorin Walz-Kurz, falle so manchem der Selbsttest schwer. Mit dem Stäbchen tief in die Nase, das schrecke ab. Eine Lehrerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat den Test bereits hinter sich. „Das war schon sehr unangenehm“. Auf der anderen Seite freut sie sich: „Es ist alles gut, das Ergebnis war negativ.“

Keine Maskenpflicht

Anders als seit Anfang dieser Woche etwa in Hessen sind in Baden-Württemberg im Grundschul-Unterricht Masken nicht vorgeschrieben. Außerhalb der Klassenräume, so Rektorin Walz-Kurz, empfehle man den Kindern aber dringend einen Mund-Nasen-Schutz. Und die Lehrerinnen trügen grundsätzlich FFP2-Masken. Nadine Sabra hätte das gerne auch bei Schülern. Sie kennt viele Eltern, die darauf bestehen, dass ihre Kinder im Unterricht Masken aufsetzen. Und die Kinder selbst? „Die möchten das auch, sie sind da teilweise vernünftiger als Erwachsene.“

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