Corona - Baden-Württemberg Stiftung gibt 1,3 Millionen Euro für mobiles Testlabor in einem Lastwagen / Angesiedelt ist das „CoVLAB“ am Mannheimer Uniklinikum Zwei Stunden von Abstrich bis Ergebnis

Von 
Waltraud Kirsch-Mayer
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Rollt bald, um Menschen vor Ort auf Covid-19 zu testen: das „CoVLAB“. © Getty Images/iStockphoto

„Extrem clever“ findet Michael Neumaier, Direktor des Klinikum-Instituts für Klinische Chemie, das Konzept des mobilen Covid-19-Testlabors. In dessen Aufbau und Betrieb investiert die Baden-Württemberg Stiftung 1,3 Millionen Euro. Der Truck mit Hightech-Innenleben soll auch und gerade zu jenen Menschen rollen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht zu stationären Testzentren kommen können – ob Pflegebedürftige in Heimen, Häftlinge in Justizvollzugsanstalten oder Flüchtlinge in Einrichtungen.

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Ende April, als die Corona-Pandemie ihren Höhepunkt erreichte, reifte in Stuttgart die Idee, kurzfristig ein mobiles Virus-Testlabor zu entwickeln: Und das sollte auch Brennpunkte anfahren können, wie es in einer Mitteilung heißt. Bei dem Projekt arbeitete Michael Neumaier von der Mannheimer Universitätsmedizin (UMM) zunächst als fachlicher Berater mit, inzwischen ist er medizinischer Leiter. „Durch die Anbindung an die akkreditierte medizinische Labordiagnostik sowie die Wissenschaft und Technik der Universitätsmedizin Mannheim ist höchste Qualität beim Betrieb der Testplattform gewährleistet“, betont die Baden-Württemberg Stiftung.

Truck bald einsatzbereit

Da bereits entschieden ist, mit welchen Geräten und welcher EDV-Technik der Truck ausgestattet werden soll, geht Neumaier davon aus, dass der etwas andere 40-Tonner schon bald voll funktionsfähig dorthin rollen wird, wo es potenziell infizierte Menschen in größeren Gruppen zu testen gilt. Die Corona-Diagnostik soll zeitnah vor Ort erfolgen. Experte Neumaier hält für realistisch, dass zwei Stunden nach Rachenabstrich das jeweilige Ergebnis vorliegt – so dass im Falle eines Infektionsfalles umgehend weitere Testungen von Kontaktpersonen aus dem Umfeld vorgenommen werden könnten.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist überzeugt, dass das mobile Covid-19-Testlabor, kurz „CoVLAB“ genannt, künftig „Maßstäbe setzt“ – und das auch jenseits der Corona-Pandemie. Die Baden-Württemberg Stiftung kann sich den mit modernster Labordiagnostik bestückten Truck auch für Impfkampagnen im ländlichen Raum vorstellen – beispielsweise in Zusammenhang mit der Virusgrippe Influenza, ergänzt Neumaier.

Vorteil Flexibilität

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Aber vorerst dürften Corona-Abstriche und deren Befunde im Mittelpunkt stehen. Michael Neumaier erzählt von einem Mannheimer Großunternehmen, das seinem gesamten Personal vor Ort einen solchen Test anbieten möchte, um auch pendelnde Mitarbeiter aus dem Umland erfassen zu können. „Es werden Tests für Menschen möglich sein, die in Schicht arbeiten“, betont der UMM-Professor die Flexibilität der rollen Einrichtung. Bekanntlich bietet das Ergebnis eines Virus-Tests immer nur eine Momentaufnahme. „Für Langzeitaufnahmen sorgt unsere Immunitor-Studie“, erläutert Neumaier als Chef des Klinikum-Instituts für Klinische Chemie: Dafür wird in Blut „gefahndet“, ob jemand eine Infektion mit Sars-CoV-2 bereits hinter sich hat. Allerdings sei es schwierig, unterschiedlich ausfallende Antikörperantworten richtig zu interpretieren. Die Studie will dazu beitragen, zuverlässige Tests zu entwickeln. Üblicherweise haben Projekte wie das rollende Diagnostiklabor eine deutlich längere Vorlaufzeit. Möglich geworden ist die schnelle Finanzierung, weil die Baden-Württemberg Stiftung andere, bereits beschlossene Vorhaben auf Eis gelegt und frei werdende Gelder – insgesamt 3,6 Millionen Euro – für Corona-Soforthilfen umgewidmet hat. Die Stiftung fördert Spitzenmedizin, aber auch Bildung und Kultur.

Dem Gesundheitsamt Mannheim wurde bis Donnerstagnachmittag ein weiterer Fall von nachgewiesener Coronavirus-Infektion gemeldet. Damit erhöhe sich die Zahl der bestätigten Fälle in Mannheim auf insgesamt 495, so die Stadt.

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