Deutsch-französische Anekdoten - Zwei weitere kleine Geschichten unserer Leser anlässlich des Deutsch-Französischen Tages / Hilfsbereitschaft auf der Urlaubsreise Zu sechst im kleinen Peugeot, zu zweit im Campingzelt

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Der Zeltplatz der Nägers auf einer Wiese in Südfrankreich. © Lorenz Näger

Daniela Kraus, Mannheim

Faschingswoche 1987, wir fuhren Richtung Stubaital in die Skiferien. Unser Sohn war zwei Jahre alt. Ab Ulm ging es bei leichtem Schneefall nur schleichend voran. Wir brauchten für die Strecke sehr viel länger als sonst. Am Fernpass blieb unser Auto am Straßenrand stehen und gab keinen Mucks mehr von sich. Was nun? Es war dunkel, und der Schneefall wurde immer heftiger. Im Auto wurde es schnell kalt, und wir machten uns Sorgen wegen unseres kleinen Sohnes. Ich packte schnell eine Tasche mit Windeln und Dingen für eine Übernachtung. Mein Mann stieg aus, um uns per Anhalter in den nächsten Ort zu bringen. Doch niemand hielt an. Bis auf einen kleinen Peugeot aus Straßburg. Darin saß ein Ehepaar mit Tochter. Es war bereit, uns drei mitzunehmen. Wir quetschten uns ins Wageninnere. Ich hauchte nur ein kurzes „Bon soir et un grand merci“. Wir schafften es zusammen nach Reutte zu einem Hotel und bekamen die letzten zwei Zimmer. Das Abendessen nahmen wir gemeinsam ein und unterhielten uns mit Händen und Füßen. In der Not versteht man sich ja fast in allen Sprachen. Aus Dankbarkeit luden wir die drei Straßburger zum Essen ein. Am nächsten Morgen herrschte strahlender Sonnenschein, und der ADAC brachte unser Auto auf Vordermann, so dass wir die letzten Kilometer fortsetzen konnten.

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Was aus dieser wunderbaren Erfahrung resultierte: Zehn Jahre lang nahm ich bei der Abendakademie am Französischkurs teil, um das savoir vivre unserer Nachbarn besser verstehen zu können.

Lorenz u. Diane Näger, Mannheim

Meine Frau und ich machten in den 80er-Jahren, damals noch unverheiratet, eine Fahrradtour durch Frankreich: von Avignon durch die provenzalischen Berge zum damaligen Sehnsuchtsort Saint-Tropez und zurück. Eines Abends kamen wir in einem kleinen Bergdorf an. Am Rand des Dorfplatzes fragten wir einen typischen, knorrigen Südfranzosen, ob er uns einen Tipp geben könnte, um unser kleines Zelt für die Nacht aufzuschlagen. Er merkte bald, wo wir herkamen, und begann, ganz fürchterlich auf die Deutschen zu schimpfen – auf den Krieg, die Nazis und die Deutschen überhaupt. Wir bekamen einen tüchtigen Schreck. Dann hielt er kurz inne, sein Gesichtsausdruck veränderte sich, er drehte sich zu seinen Boule-Freunden und rief laut über den Platz: „Mais maintenant c’est l’Europe!“ („Aber heute ist es Europa!“). Dann wies er uns freundlich den Weg zum Zelten auf einer wunderschönen Wiese seines Bauernhofes. Wir lieben die Provence, ihre Landschaften und ihre Bewohner bis heute.