Technoseum - Künftiger Liegeplatz des Museumsschiffs unklar / Schließung ab 1. Dezember für mehr als ein halbes Jahr Wohin geht es nach der Werft?

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Peter W. Ragge
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„Sehr unglücklich“ sei er, seufzt Thomas Hartmann, der Vorsitzende des Mannheimer Schiffahrtsvereins. „Wir wissen nichts, bekommen ausweichende Antworten“, bedauert er. Mit ihm rätseln viele dort engagierte Ehrenamtliche, was aus dem Museumsschiff des Technoseums wird. Ab 1. Dezember muss es geschlossen und im nächsten Jahr turnusgemäß auf die Werft gebracht werden. Doch ob, wann und wohin es zurückkehrt – das kann derzeit niemand sagen.

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Erst Mitte September haben sie geschrubbt und gestrichen, Rost geklopft und das Achterdeck mit Hochdruckreiniger bearbeitet: 20 Ehrenamtliche des Schiffahrtsvereins. Mehrmals im Jahr treffen sie sich unter Leitung von zwei pensionierten Binnenschiffern zu Ausbesserungsarbeiten. Auch an Kasse und Einlass sitzen stets ehrenamtliche Helfer.

Raddampfer „Mainz“

  • Der Raddampfer „Mainz“ ist 1929 als der tausendste Neubau der Mainzer Werft Christoph Ruthof vom Stapel gelaufen.
  • Bis zum Zweiten Weltkrieg fährt er im Auftrag der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt, in der Nazi-Zeit für die NS-Organisation „Kraft durch Freude“. Er ist eines der schnellsten Schiffe, die den Rhein befahren.
  • Die „Mainz“ übersteht als eines der wenigen Passagierschiffe unbeschadet Bomben- und Tiefflieger, umgeht den Befehl zur Selbstversenkung und wird bald wieder im Ausflugsverkehr eingesetzt.
  • 1956 kollidiert sie am Deutschen Eck bei Koblenz mit einem Motorschiff. Sie sinkt, wird aber gehoben und grundlegend modernisiert.
  • Nach der letzten fahrplanmäßigen Fahrt 1980 finanziert die „Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschifffahrtsmuseums in Mannheim“ eine grundlegende Überholung. Am 17. Oktober 1986 wird sie als Museumsschiff „Mannheim“ in Betrieb genommen. pwr

„Aber die ganz großen Dinge können wir natürlich nicht leisten“, sagt Hartmann. Und die stehen jetzt an: Wie ein Auto regelmäßig zum TÜV muss, müssen Wasserfahrzeuge zur Schiffsuntersuchungskommission. Dazu wird der fast 100 Jahre alte Schaufelraddampfer mit Hilfe eines Frachters auf dem Rhein nach Speyer in die Werft Josef Braun geschleppt – wie zuletzt im Jahr 2007.

„Wir haben den Termin schon rausgezögert, doch jetzt ist es definitiv fällig“, so Thomas Herzig, Leiter Abteilung Ausstellungen vom Technoseum. Das ist für Februar geplant. Doch schon ab Dezember räumen die Museums-Mitarbeiter die Objekte und Mitmach-Stationen aus den Ausstellungsräumen.

Leitungen marode

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Die Adventsfahrten mit dem Polizeiboot, das am Museumsschiff vertäut ist, finden daher nicht statt. Ab dem 1. Januar schließt zunächst auch „Müller’s Restaurant & Café Lounge“ – obwohl Pächter Ali Müller noch einen Vertrag für sechs Jahre hat. Welche Arbeiten auf der Werft genau anstehen, ist noch offen. „Eigentlich ist der Zustand gut, der Rumpf wurde vor etwa 20 Jahren gedoppelt“, sagt Herzig: „Eher Sorgen macht uns das Dach, es regnet immer irgendwo ’rein“, klagt er. Zudem seien Strom- und Wasserleitungen „völlig marode“. Laut Herzig liegt noch kein Kostenvoranschlag vor, laut „MM“-Informationen geht man aber von mehreren hunderttausend Euro aus. Zudem dauert der Werftaufenthalt nicht, wie früher, ein paar Wochen, sondern wohl über ein halbes Jahr. „Ob das Museumsschiff danach wieder an seinen derzeitigen Standort oder an einen anderen Liegeplatz kommt, ist noch unklar“, heißt es offiziell vom Technoseum.

Herzig spricht von einer „schwierigen Gemengelage“ wegen der „immensen Kosten, weil die Vorschriften strenger geworden sind“. Der Schiffs-TÜV sei künftig alle fünf statt alle zehn Jahre vorgeschrieben, und trotz unbefristeter Liegegenehmigung am jetzigen Standort durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt steht zumindest die Forderung im Raum, vor dem Museumsschiff Dalben zu verankern – als Anprallschutz gegen Schiffe, die verunglücken könnten.

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„Bei uns sagt aber niemand: Das Museumsschiff muss weg“, versichert Herzig gegenüber dem „MM“. Dennoch ist „die Abgabe an andere Museen“ angedacht, gab es eine offizielle Anfrage beim Technik-Museum Speyer, ob sie es kaufen wollen. Das lehnte aber ab – das 83 Meter lange, 16 Meter breite und über 500 Tonnen schwere Exponat ist viel zu groß, um an Land dorthin transportiert zu werden.

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Diskutiert werden zudem neue Liegeplätze. Doch der vorgeschlagene Standort am Verbindungskanal wäre im Sicherheitsradius einer Industriegase-Firma, das Neckarufer vor dem Bootshaus zu nah am Naturschutzgebiet Maulbeerinsel. Industriehafen, Waldhofbecken, Neckarufer vor dem Marchivum werden derzeit geprüft – würden aber hohe Kosten für neue Wege verursachen. Derzeit werden Varianten für den Stiftungsrat des Technoseums erarbeitet, dort soll eine Entscheidung am 21. November fallen.

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