„Wir machen wie vor Corona Unterricht nach Stundenplan“

Von 
Eva Baumgartner
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Fabian Bergwitz zeigte das Tablet einer Schülerin aus dem Unterricht: Hier lässt sich alles so einstellen, als sei die Mitschrift handschriftlich verfasst. © Eva Baumgartner

Mannheim. Das derzeitige Homeschooling belastet viele Eltern: Neben ihrer beruflichen Tätigkeit müssen sie dem Nachwuchs Schulaufgaben erklären, weil Videokonferenzen nur selten oder teilweise gar nicht stattfinden. Beim Medien-Elternabend der Mannheimer Stadtbibliothek bescheinigte der Medienexperte Fabian Bergwitz Deutschland anhand einer Studie vernichtende Ergebnisse, wenn es um das digitale Lernen geht: „Deutschland sticht stark negativ hervor, steht in der EU auf dem niedrigsten Rang“, sagte Bergwitz.

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Am Beispiel der Dietrich-Bonhoeffer-Schule Weinheim stellte der Lehrer den Teilnehmern des Elternabends vor, „wie mobile Endgeräte den Unterricht verändern“. An dem Gymnasium, an dem Bergwitz unterrichtet, habe jeder Schüler ab der achten Klasse ein iPad - teils spendenfinanziert, teils privat.

Rat und Hilfe für Schüler, Eltern und Lehrkräfte

  • Verschiedene Kooperationspartner stellten bei einem digitalen Themenbasar des Elternabends Projekte und Informationen zu Medienkompetenz und Suchtproblemen vor.
  • Die Bibliothekspädagogik der Stadtbibliothek zeigte empfehlenswerte E-Learning-Angebote für Jung und Alt (hier oder hier).
  • Der Chaos Computer Club Mannheim möchte Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen vermitteln sowie praktische Tipps zum Schutz der eigenen Privatsphäre und dem verantwortungsvollen Umgang in einer modernen Informationsgesellschaft geben. Informationen gibt es hier.
  • Die Fachstelle Medienbildung der Stadt Mannheim im Jugend- und Gesundheitsamt informiert unter www.majo.de (unter Medienbildung) über Tipps und Tricks zur Mediennutzung. Infos des Stadtmedienzentrums gibt es hier.
  • Zur exzessiven Mediennutzung und Suchtprävention bei Jugendlichen informiert die Suchtberatung von Caritasverband und Diakonischem Werk (www.bit.ly/3trWJMH). Infos der Stadt zu Suchtprävention (www.bit.ly/3jiNQAM) und Suchtkoordination (www.bit.ly/3jdF07e) gibt es ebenfalls im Internet.
  • Die medienpädagogische Initiative klicksafe bietet auch Flyer und Broschüren an.
  • Aktuelle Videos und Aktionen der Polizei, beispielsweise gegen die Verbreitung von Kinderpornografie finden Interessierte auf unter www.polizei-beratung.de.
  • Die Pädagogische Hochschule Heidelberg stellt ihr Projekt zu schulbasierter Prävention von Computer- und Internetsucht Protect vor (www.protect-mediensucht.de).
  • Die Beratungsstelle Pro Familia (www.profamilia.de) zeigte auch einen Blog für Fach- und Lehrkräfte in der sexuellen Bildung. baum

„Wir haben schon vor siebeneinhalb Jahren mit der Anschaffung begonnen, doch die Pandemie hat nun an vielen Schulen den Weg beschleunigt“, so Bergwitz. Der Weinheimer Schule mache der Lockdown deshalb kaum Probleme: „Wir machen wie vor Corona Unterricht nach Stundenplan. Jede Stunde findet bei uns als Videokonferenz statt. Wir sind fachlich überhaupt nicht hintendran“, erklärte Bergwitz, der mit zwei Kollegen die Geräte betreut.

Die Herausforderung bestehe darin, eine Mischung aus analogem und digitalem Unterricht zu finden. Dabei bringe es aber nichts, so der Medienexperte, Tablets nur auszuliefern: „Man muss früh anfangen, interne Fortbildungen dazu anzubieten.“ Die Zusammenarbeit mit Eltern und Schülern sei Voraussetzung für einen problemlosen Ablauf: „Die Kontrolle der Bildschirmzeit liegt bei den Eltern. Die Tabletklassen sind aber riesig motiviert, und unstrukturierte Schüler profitieren davon“, berichtete Bergwitz.

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Aus den Reihen der Teilnehmer kam die Frage auf, warum an der Weinheimer Schule ausschließlich iPads eingesetzt würden. Bergwitz erklärte, dass diese eine viel längere Lebensdauer als Android-Geräte hätten, zudem sei die Verwaltung viel einfacher: „Es gibt Schulen, die haben zunächst auf Android-Geräte gesetzt und dann gewechselt.“ Bergwitz empfiehlt den Einsatz von Tablets ab der achten Klasse. „Spätestens ab Klasse Sieben kann man deutlich digitaler gehen, früher ist projektbezogene Arbeit sinnvoll.“

Neben dem Vortrag von Bergwitz stand beim Elternabend ein digitaler Themenbasar auf dem Programm: Verschiedene Kooperationspartner informierten in separaten Video-Räumen über ihre Arbeit zum Thema Mediennutzung. Bettina Harling und Lina Seiß von der Bibliotheks-pädagogik der Stadtbibliothek stellten beispielsweise Angebote zum digitalen Lernen vor und informierten darüber, wie Nutzer gute Online-Angebote erkennen. „Kinder und Jugendliche nutzen Medien immer häufiger, und der intensive Konsum wirft die Frage auf, wie sie Medien sicher nutzen können“, sagte Bildungsbürgermeister Dirk Grunert in einer Videobotschaft.

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Dass im Internet stets auch Gefahren lauern, zeigten Knut Krakow und Reiner Greulich vom Mannheimer Polizeipräsidium: Krakow informierte beispielsweise über die Internet-Betrugsmasche „Sextortion“, bei der Kinder oder Jugendliche von vermeintlichen Freunden aufgefordert würden, sich vor laufender Kamera auszuziehen, um die Opfer später zu erpressen. Freundschaftsanfragen sollten kritisch geprüft werden. „In akuten Bedrohungslagen können Sie jederzeit die 110 anrufen“, so Krakow. Hilfreich sei, in solchen Fällen Daten zu sichern: „Fotografieren Sie mit dem Handy den Bildschirm, speichern Sie alles oder drucken Sie Chatverläufe aus.“

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Zu aktuellen Fällen in der Region, bei denen Fremde in Homeschoolling-Plattformen aufgetaucht waren, sagte Greulich: „Unser Dezernat Cybercrime ist dran, die Tatverdächtigen zu ermitteln. Wir gehen davon aus, dass die Einwahldaten weitergegeben wurden.“ Er stellte klar, dass in solchen Fällen wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt werde, wenn Kindern pornografisches Material gezeigt würde. „Auch dann, wenn die Täter noch keine 14 Jahre alt sind - es stehen ja eventuell Erwachsene dahinter."

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