Interview - Doppelspitze mit Melis Sekmen, Klimaoffensive, Digitalisierung in den Schulen, sozialpolitische Aufgaben, die trotz Corona-Krise drängen - darüber spricht Mannheims Grünen-Fraktionsvorsitzende Stefanie Heß „Wir haben extremen Nachholbedarf“

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Thorsten Langscheid
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Fraktionschefin Stefanie Heß am Freitag am Neumarkt. Sie will die Klimaoffensive der Grünen genauso wie die Digitalisierung weiter vorantreiben © Stefanie Heß / Privat

Über ihre Rolle in der Doppelspitze mit Melis Sekmen, über die Klimaoffensive, die Digitalisierung in den Schulen und sozialpolitischen Aufgaben, die trotz der Corona-Pandemie gelöst werden müssen, spricht Stefanie Heß im Interview.

Stefanie Heß

Stefanie Heß, Jahrgang 1980, stammt aus Lahr im Schwarzwald. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Sie wurde 2019 in den Gemeinderat gewählt und folgte Dirk Grunert als Fraktionsvorsitzende nach. Grunert wurde Bürgermeister im Sozialdezernat der Stadt.

Zuvor war sie Bezirksbeirätin und Vorsitzende des grünen Ortsvereins Neckarstadt.

2013 begann sie als Mitarbeiterin des mittlerweile verstorbenen Landtagsabgeordneten Wolfgang Raufelder.

Heute leitet sie das Büro seiner Nachfolgerin Elke Zimmer, die als Stadträtin auch Mitglied ihrer Fraktion ist.

Stefanie Heß hat zuvor als Sozialpädagogin in der Kinder- und Jugendarbeit unter anderem in Seckenheim und Ludwigshafen gearbeitet.

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Sie sind gemeinsam mit Melis Sekmen Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Gemeinderat. Sind Sie die heimliche Herrscherin? Sind Sie die Einpeitscherin?

Stefanie Heß: (lacht) Eine Einpeitscherin wäre in der Grünen-Fraktion völlig fehl am Platz. Wir sind eine sehr diskussionsfreudige Partei und Fraktion, und das macht uns auch aus, dass viel diskutiert wird. Die Doppelspitze finde ich extrem sinnvoll. Diese Konstruktion ist für uns Grüne nicht neu, auch wenn sie im Gemeinderat zumindest noch nicht üblich ist. Wir haben in Ortsverbänden und Arbeitskreisen eigentlich immer Doppelspitzen. Es lassen sich einfach Aufgaben besser und anders verteilen, zudem fühlen sich mehr Menschen besser abgebildet in einem Gremium mit Doppelspitze.

Melis Sekmen ist jedenfalls für die Vertretung nach außen zuständig.

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Heß: Sie ist mehr nach außen sichtbar, ich bin diejenige, die nach innen wirkt und arbeitet. Wir teilen uns die Aufgaben aber immer so auf, dass diejenige, die sie am besten bearbeiten kann, auch übernimmt. Wir sprechen uns sehr gut ab, ich glaube, wir können ganz gut unsere jeweiligen Kompetenzen einbringen.

Es wahrscheinlich auch ein Glücksfall, dass Sie beide gut miteinander können?

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Heß: Stimmt. Melis Sekmen und ich ergänzen uns aber auch gut als Persönlichkeiten. Sie ist viel jünger als ich, ist angehende Volkswirtin, sie bringt andere Schwerpunkte und Kompetenzen mit als ich. Ich bin Sozialpädagogin und Sozialwirtin, zweifache Mutter - wir sind auf ganz unterschiedliche Weise über die „grüne Blase“ hinaus in unserer Stadt verbunden.

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Wie geht’s weiter, wenn Frau Sekmen im September in den Bundestag gewählt wird?

Heß: Dass die Doppelspitze eine gute Lösung ist, das gilt unabhängig von Personen. Ich verlasse mich da auch auf die Kompetenz unserer Fraktion, zu schauen, wer kann gut zusammenarbeiten. Ich spreche mich definitiv für eine Doppelspitze aus - auch unabhängig von meiner Person. Im Übrigen ist das auch in der Geschäftsordnung unserer Fraktion so vorgesehen.

Sie sind recht schnell aus dem Abgeordnetenbüro ins Mandat gewechselt. Wie fühlt sich das an, wie kommen Sie mit den Kollegen auch aus den anderen Fraktionen zurecht?

Heß: Dass man mit den Kolleginnen und Kollegen aus der eigenen Fraktion klarkommt, das ist nicht so unwahrscheinlich. Und nun bekommen wir mit Chris Rihm eine weitere Stimme in unsere Diskussion. Darüber freue ich mich. Ich erlebe aber auch insgesamt im Gemeinderat die Diskussionen meistens als sehr sachlich und wertschätzend - öffentlich und auch hinter verschlossenen Türen. Es macht uns als Stadt stärker, dass wir über Fraktionsgrenzen und auch über die Grenzen des jeweils eigenen Lagers hinaus zusammenarbeiten können und das auch immer wieder tun..

Eigentlich ein Kontrastprogramm zu dem, was man auf der weltweiten politischen Bühne beobachten muss.

Heß: Wir arbeiten auf der kommunalen Ebene anders und intensiver mit allen zusammen, auch über die grün-rot-rote Mehrheit hinaus. Ich habe außerdem schon bevor ich Bezirksbeirätin wurde, in verschiedenen grünen Kontexten mitgearbeitet, deswegen habe ich gar nicht so den Eindruck, dass der Wechsel so rasant ging. Ich finde es bei den Grünen auf der anderen Seite aber auch sehr angenehm, dass man nicht erst eine jahrelange Parteikarierre hinlegen muss, sondern dass es tatsächlich darum geht, wer die notwendigen Kompetenzen hat und sich für die gemeinsamen Ziele einsetzt.

Gab es bei Ihrer Person im Kreisverband und in der Fraktion Widerstände?

Heß: Ich habe sehr viel Unterstützung von sehr vielen Leuten erfahren. Viele in der Partei kannten mich schon seit Jahren, man konnte mich einschätzen. Auf der anderen Seite war da sicher auch ein großer Vertrauensvorschuss, den ich hoffentlich erfülle. Zudem konnte ich zu Beginn als stellvertretende Fraktionsvorsitzende schon zeigen, welche Kompetenzen ich mitbringe und dass ich eine Teamplayerin bin.

Sie kamen über ihren Beruf als Sozialpädagogin und über Elterninitiative mit der Kommunalpolitik in Berührung. Die Themen beschäftigen Sie bis heute . . .

Heß: Ich habe damals schon erlebt, welche Auswirkung die Kommunalpolitik auf das Leben gerade von Kindern und Jugendlichen hat. Wir haben als Kommune eine große Steuerungskraft. Die Belange von jungen Menschen, älteren Menschen und ganz klar auch von Frauen sind bei städtebaulichen Entscheidungen immer noch nicht ausreichend berücksichtigt und das wirkt sich ganz konkret auf das alltägliche Leben aus.

Ein ganz anderes Thema ist das 40-jährige, bzw. inzwischen ja 41-jährige Jubiläum der Grünen im Mannheimer Gemeinderat - wird die Feier nachgeholt?

Heß: Na klar - man kann auch den 41. Jahrestag feiern. Ich will auch meinen 40. Geburtstag nachholen, der vergangenes Jahr ausgefallen ist und ich hoffe für uns alle, dass die Zeit für große Feiern und echte Begegnungen bald wieder kommt.

Wie fühlt ich das an? Die Grünen sind 40 geworden, und Sie sind ebenfalls 40 geworden?

Heß: Ich empfinde es als große Verantwortung, das fortzuführen, was ein Einzelstadtrat vor 40 Jahren begonnen hat und was viele Menschen in den vier Jahrzehnten mit viel Engagement und Kraft aufgebaut haben. Es ist aber nicht nur ein Fortführen, wir müssen immer wieder reflektieren und Veränderungen vornehmen. Über die ursprünglichen Grünen Themen rund um den Umweltschutz bearbeiten wir mittlerweile sehr viel mehr Themen - zum Beispiel die Fragen, wie leben und wirtschaften wir nachhaltig und gerecht?

Haben Sie Kontakte zu den Grünen aus den Anfangsjahren?

Heß: Ich kenne zum Beispiel Hartmut Söhle, der ganz am Anfang im Gemeinderat war, und auch zu René Leicht, der als Bezirksbeirat heute wieder politisch aktiv ist, habe ich Kontakt und finde den Austausch sehr spannend. Es ist eine Bereicherung, wenn man über die Generationen hinweg zusammenarbeiten kann. Das sehen wir auch in unserer Fraktion mit einer Altersspanne von Anfang 20 bis über 60.

Dass die Corona-Pandemie alles überlagert, ist klar. Aber was ist mit allen anderen Themen, an denen Sie arbeiten?

Heß: Das alltägliche Geschäft geht weiter, aber die Corona-Krise hat die Lupe auf die Themen gerichtet, die wir noch viel stärker bearbeiten müssen. Ganz wichtig dabei: der lokale Handel in Konkurrenz zum Internet-Handel. Hier habe große Sorgen wie es weitergeht in der Krise. Ich glaube, dass wir sehr genau schauen müssen, wie wir unsere Innenstadt attraktiv gestalten können. Hier kommt auch der bunten Kunst- und Kulturszene eine große Bedeutung zu. Ein anderes wichtiges Thema ist die Digitalisierung. Im Bildungsbereich haben wir da extrem Nachholbedarf. Und die soziale Ungleichheit ist durch die Corona-Krise noch einmal verstärkt worden. Deswegen müssen wir daran in und nach der Krise noch intensiver weiterarbeiten. Wir brauchen mehr Bildungsgerechtigkeit und eine krisenfeste Stadtgesellschaft.

Worin genau besteht der Nachholbedarf bei der Digitalisierung? Tabletcomputer für alle?

Heß: Die Ausstattung mit Geräten ist die eine Sache, die möglicherweise schnell verbessert werden könnte. Schwieriger wird es, wenn wir über digitale Kompetenzen sprechen, oder wenn wir schauen, ob ein Kind nicht nur ein Smartphone hat, sondern auch einen eigenen Arbeitsplatz für die Hausaufgaben, an dem das Kind in Ruhe lernen kann. Auch die Rede von den sogenannten Digital Natives führt oft in die Irre. Es geht eben nicht nur darum, ein Smartphone bedienen zu können, sondern um die Kompetenz, aus der Flut an Informationen die für mich wichtigen aus verlässlichen Quellen herausfiltern zu können. Beim Umgang mit dem Internet kommt der kinder- und Jugendarbeit eine ganz wichtige Aufgabe zu neben den Schulen zu.

Dafür braucht man aber Menschen, die entsprechend qualifiziert werden müssen.

Heß: Ich hoffe, dass die Dringlichkeit der notwendigen Verbesserungen durch Corona deutlich wurde und die Umsetzung beschleunigt wird. Aber es ist klar, Personalausgaben sind wohl sehr viel schwerer durchzusetzen als Investitionen in Endgeräte.

Sie sind in der Fraktion auch für das Thema städtisches Personal zuständig. Hier gibt’s auch Nachholbedarf - wo kommen fehlende Fachkräfte her?

Heß: Den Fachkräftemangel spüren wir überall, auch in der Stadtverwaltung. Wir müssen sehen, wie wir neue Mitarbeiter gewinnen können, aber auch, wie wir die, die schon da sind, halten und weiterbilden können. Als Arbeitgeber hat die Stadtverwaltung viel Potenzial. Beispiel Erzieherinnen: Wir wollen einen runden Tisch einrichten, um dort zu überlegen, wie wir diese Fachkräfte zu uns locken und hier halten können.

Und wie soll das gehen?

Heß: Zum Beispiel, in dem wir Unterstützung bei der Wohnungssuche geben, Unterstützung bei der Suche nach einem Kita-Platz. Jede Erzieherin mit einem Kita-Platz bringt uns mehr, als der eine Platz, der dadurch besetzt wird. Ich weiß, so etwas ist ein heißes Eisen, weil Kita-Plätze generell Mangelware sind. Man könnte beispielsweise auch Fachkräften Vorrang bei der Vergabe von stätischen Wohnungen einräumen. Da müssen wir kreativ werden.

Aber Mannheim hat doch ein gutes Image - auch wenn das vielleicht nicht immer so war?

Heß: Mannheim hat einen enormen Imagewandel durchgemacht. Trotzdem müssen wir mehr tun, um den Fachkräftebedarf zu decken. Da haben wir ganz viel Potenzial in der eigenen Stadt. Denn wenn wir dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche in Mannheim beste Startbedingungen haben und wenn wir diese jungen Menschen, die hier leben und ausgebildet werden, anschließend hier halten, dann haben wir das Fachkräfteproblem gelöst. Wir dürfen da keine Talente verschenken, wir müssen Kinder und Jugendliche richtig fördern. Das ist eine langfristige Aufgabe, die ein gut strukturiertes Vorgehen verlangt und nicht nur einzelne Leuchttürme. Mit Dirk Grunert im zuständigen Dezernat 3 sind auf einem guten Weg.

Bei der Müllabfuhr kann man ja die Folgen dieser Personalengpässe sehen. Wie kam man da schnell zu Verbesserungen kommen.

Heß: Wenn jemand eine Idee für eine schnelle Lösung hat . . . - ich bin aber ehrlich gesagt immer etwas skeptisch, wenn schnelle Lösungen angeboten werden. Es braucht auch hier tragfähige Lösungen. Wenn Mülltonnen nicht abgeholt werden, fällt das sofort jedem auf. Aber wir haben vergleichbare Personalprobleme auch an anderen Stellen, wo es möglicherweise nicht so eklatant sichtbar ist. Es ist auch nicht so, dass die Stadt in diesen Bereichen nichts tut. Aber man kann da noch kreativer ran gehen, wie mit dem Runden Tisch auch versucht werden soll.

Liegt es auch daran, dass die Selbst- und Außendarstellung bestimmter städtischer Arbeitsbereiche vernachlässigt worden ist - das Image der Müllabfuhr zum Beispiel einfach nicht mehr so gut ist?

Heß: Vernachlässigt - das sehe ich eher nicht. Wir haben beispielsweise eine Plakatkampagne für diese Arbeitsbereiche. Und - Corona spielt eben überall mit hinein - gerade jetzt in der Krise ist doch deutlich geworden, auf wen es besonders ankommt und wie sehr wir alle von diesen Berufsgruppen auch abhängen. Ich glaube, das trägt auch zur positiveren Wahrnehmung dieser Berufsgruppen und ihrer tagtäglichen Leistung bei. Wir haben kurz vor Weihnachten die Entscheidung für den neuen zentralen Betriebshof im Gemeinderat getroffen. Das war aus grüner Sicht auch besonders eine Entscheidung für die städtischen Mitarbeiter. Wir setzen uns seit Jahren dafür ein, dass eine Lösung gefunden wird, die Zustände in den jetzigen Unterkünften sind einfach schon lange nicht mehr tragbar.

Sie haben als Grüne nicht nur Lob für diese Entscheidung bekommen.

Heß: Stimmt, aber es ist auch in diesem Fall eine Entscheidung, über die wir lange diskutiert haben, genauer gesagt, wurde über Jahre diskutiert. Die Wahrnehmung, dass hier eine Entscheidung übers Knie gebrochen wurde, ist einfach nicht richtig. Es ist auch extrem wichtig ganz, ganz wichtig für das städtische Personal, das der Gemeinderat sieht, was die Mitarbeiter der Stadtverwaltung brauchen. Die Kritik entzündete sich vor allem am Standort - niemand will den Betriebshof vor der eigenen Tür haben. Der neue Standort ist aber aus vielerlei Gründen der Beste.

Der Aus- und Neubau von Kinderkrippen und -Tagesstätten kostet nicht nur Geld und erfordert Fachkräfte - mitunter stoßen Sie auch auf klimabedingte Hindernisse, wie zum Beispiel auf dem Lindenhof.

Heß: Der Kita-Ausbau muss weitergehen, wir haben zu wenig Plätze, und die brauchen wir natürlich da, wo die Familien mit Kindern wohnen. Das gilt auch für Schulen und perspektivisch vielleicht auch für die weiterführenden Schulen. Derzeit gibt es zwei Gemeinschaftsschulen. Eine dritte Gemeinschaftsschule im Mannheimer Süden wäre eine tolle Ergänzung unserer Bildungslandschaft und ein weiterer Schritt in Richtung Bildungsgerechtigkeit. Und ja, wenn wir Krippen, Kitas und Schulen bauen, dann hängen die ja nicht in der Luft, die stehen dann irgendwo.

Wenn’s schlecht läuft, in der Frischluftschneise eines Wohngebiets.

Heß: Man muss auch nicht immer neu bauen, man kann bestehende Gebäude umbauen, man kann ökologischer, nachhaltiger und mit weniger schädlichen Folgen fürs Klima bauen. Wir müssen unsere Stadt so gestalten, dass wir gut in ihr leben können. Das Dezernat 3 hat hier einen guten Prozess gestartet, in dem jeder Stadtteil genau untersucht wird. Welchen Bedarf gibt es, welches Potenzial gibt es an Bestandsgebäuden, welche Flächen kämen vorrangig bei einem Neubau in Frage? Hier schließt zum Beispiel die ökologische Aufwertung von Schulhöfen an. Kinder verbringen immer mehr Zeit in der Schule - deshalb müssen wir die Schulen und die Außengelände zu echten Lebens- und Lernorten machen. Geld für solche Projekte haben wir bewilligt, die Stelle im Rathaus konnte aber leider noch nicht besetzt werden wegen des Fachkräftemangels.

Die Klimaoffensive scheitert am Fachkräftemangel?

Heß: Nein, die Klimaoffensive geht weiter und es liegt an uns als Stadt, die richtigen Prioritäten zu setzen. Wir bekämpfen die Corona-Krise, und wir müssen gegen die Klimakrise genauso entschlossen vorgehen. Die grünen Themen haben sich nicht erledigt, sondern sie sind dringlicher, als sie jemals waren. Immer mehr Menschen erfahren inzwischen am eigenen Leib, dass es den menschengemachten Klimawandel tatsächlich gibt. Nehmen Sie nur die Hitzenächte im Sommer. Wie wird das in einigen Jahrzehnten für unsere Kinder sein? Deswegen haben wir unseren Wahlkampfslogan von 1983 leicht abgewandelt „Wir haben die Stadt von unseren Kindern nur geborgt“.

Apropos Kinder: Stichwort Fridays for Future, Stichwort Klimaliste - die Jugend wird ungeduldig, will grüne Ziel wie autofreie Innenstadt oder Klimaneutralität viel schneller erreichen. Da tut sich ein ganz neuer Konflikt für die Grünen auf.

Heß: Ja, ich glaube, diese Auseinandersetzung ist wichtig und gibt unseren Forderungen extremen Rückenwind, weil auch andere Parteien und Bewegungen sehen, dass sich was ändern muss, und zwar jetzt. Ich kann diese Ungeduld gut verstehen, mir geht’ auch of nicht schnell genug. Wir ringen um den besten Kompromiss, aber am Ende steht dann eben ein Kompromiss. Ich werbe deswegen dafür, sich selbst in die Politik einzubringen - deswegen sind wir auch dafür, das Wahlalter, wo immer es geht, zu senken . . .

Für die Landtagswahlen im März reicht das aber nicht mehr . . .

Heß: . . . leider nein, aber die jungen Menschen müssen mitentscheiden können, sie müssen schließlich am längsten mit den Konsequenzen leben. Darum ist es wichtig, dass sie sich auch für die politische Arbeit engagieren und in den Gremien mitarbeiten. Man muss sich einmischen und mit um den besten Kompromiss ringen. Da bringt uns Fridays for Future echt weiter. Vielleicht auch mehr Streit, aber es wird diskutiert, und das ist positiv. Viele Forderungen kann ich nur unterstützen, zum Beispiel die, mehr fachliche Expertise für politische Entscheidungen zur Verfügung zu stellen und zu nutzen.

Was wird besser nach der Corona-Krise?

Heß: Dass wir bei solchen Themen, bei denn man in der Krise deutlicher gesehen hat, wo die Probleme liegen, gemeinsam und schneller weiterkommen. Die Klimaoffensive, die wir Grünen losgetreten haben, wollen wir mit aller Kraft und Entschiedenheit weiterführen, und zwar, wie von Anfang an, in Verbindung mit der sozialen Verantwortung und mit der Schaffung von Chancen für Kinder und Jugendliche. Über die notwendigen Veränderungen zur Bekämpfung des Klimawandels dürfen wir keine Diskussionen führen, die weit weg sind von der Lebensrealität der Menschen. Es muss klar sein, wir alle haben es in der Hand, das Ruder jetzt herumzureißen.

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Redaktion schreibt als Reporter über Mannheimer Themen