Rauschgift: Zahl der Opfer von sieben auf elf gestiegen / Gleichzeitiger Konsum verschiedener Substanzen nimmt zu Wieder mehr Drogentote

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Timo Schmidhuber

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Der Mannheimer Drogenverein schlägt Alarm. "Die Bereitschaft, sich exzessiv zuzudröhnen, ist wieder auf dem Vormarsch", sagt Gerhard Eckert, Geschäftsführer des Vereins, im Gespräch mit dem "MM". Gleichzeitig ist auch die Zahl der Drogentoten im Jahr 2008 wie in der ganzen Republik wieder gestiegen - vom historischen Tiefstand mit sieben Opfern auf jetzt elf.

Die meisten der Toten seien nach dem Konsum von Heroin gestorben, berichtet Reiner Lange, Leiter des Rauschgiftdezernats bei der Polizei. Zum einen handelte es sich um langjährige Schwerst-Abhängige, deren Körper die starken Belastungen nicht mehr verkraftete. Zum anderen waren unter den Opfern aber auch Personen, die nach einer Haftstrafe oder einer Therapie plötzlich wieder Heroin nahmen - und die Dosierung nicht vertrugen.

Generell sehen Eckert und Lange einen Trend zum gleichzeitigen Konsum verschiedener Drogen wie zum Beispiel Heroin kombiniert mit starken Beruhigungsmitteln und einer Flasche Wodka. Auch wenn durch solche Kombinationen 2008 keiner umkam - "die Zahl der Misch-Intoxikationen nimmt zu", so Lange. Und Drogenverein-Geschäftsführer Eckert beobachtet, dass sich der vom "Komasaufen" bekannte exzessive Konsum auf die harten Drogen ausweitet.

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Auch in Mannheim zeigt sich der bundesweite Trend, dass Drogen immer weniger in der Öffentlichkeit konsumiert werden. Alle elf Drogen-Opfer starben in einer Wohnung, so Lange. "Das Problem ist in so einem Fall, dass keiner Hilfe holen kann."

Heroin billig und leicht zu haben

Die Kriminalstatistik der Polizei verzeichnet beim Drogenkonsum für 2008 einen Rückgang um rund 30 Prozent - von 1230 auf 858 Fälle. Das Minus ist aber unter anderem mit einem anderen Erfassungsmodus zu erklären. Und die Statistik führt natürlich auch nur die Fälle von Drogenkonsum auf, die Polizisten entdeckt haben. Einen Rückgang sieht der Drogenverein nämlich nicht. Im Auftrag und mit dem Geld der Stadt macht der 1972 gegründete Verein Präventionsarbeit und bietet Beratungs- und Hilfsangebote. Beim Konsum von Cannabis, Ecstasy und Amphetamin verzeichnet er schon seit 2007 eine deutliche Zunahme - ein Plus, das auch nach wie vor anhält, wie Geschäftsführer Eckert erklärt, der genaue Zahlen erst im Jahresbericht im Sommer vorlegen kann. Der Konsum von Heroin dagegen war zuletzt stark rückläufig, doch auch hier ist laut Eckert in den vergangenen Monaten - anders als im Bundestrend - wieder ein deutlicher Zuwachs zu beobachten.

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Ein Grund dafür könnte sein, dass der "Stoff" hier wieder leichter und billiger zu haben ist, wie Rauschgiftdezernats-Chef Lange erklärt: Seit einiger Zeit sei im Großraum Frankfurt hochwertiges Heroin zu äußerst günstigen Preisen auf dem Markt. Nach Erkenntnissen der Polizei bietet dort eine Händlergruppe das Rauschgift zu Spottpreisen an, um einen Fuß in den Verkauf zu bekommen. Hier, so Lange, hätten sich auch Mannheimer Dealer eingedeckt, den Stoff gestreckt und weiterverkauft.

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Die sieben Drogentoten im Jahr 2007 in Mannheim waren vergleichsweise wenige - der Höchststand 1998 lag bei 36 Opfern. "Es war klar, dass wir das auf Dauer nicht halten können, wenn der Heroinkonsum generell nicht deutlich zurückgeht", erklärt Eckert. In Mannheim gibt es seinen Angaben zufolge zwischen 1200 und 1400 Heroinabhängige, 500 davon sind in einem Substitutionsprogramm. Trotz der Zunahme bei den Drogentoten gibt es für den Verein aber keinen Grund, am bislang erfolgreichen Mannheimer Konzept aus Hilfsangeboten und Repression zu zweifeln.

In anderen baden-württembergischen Städten entwickelten sich die Zahl der Drogenopfer unterschiedlich. In Karlsruhe zum Beispiel ging sie von zehn im Jahr 2007 auf sechs Tote 2008 zurück. In Stuttgart waren es in den beiden vergangenen Jahren jeweils zwölf.