Maskenpflicht - Kontrollen bergen auch Konfliktpotenzial / Polizei setzt auf gezieltes Ansprechen, um Verständnis und Einsicht zu erreichen Wer trägt wann und wo Maske?

Von 
Lea Seethaler
Lesedauer: 
An Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel und in dessen Fahrzeugen gilt Maskenpflicht. © Christian Schall

Mannheim. Ärger bei einer Maskenpflicht-Kontrolle hatte vergangene Woche eine Leserin dieser Zeitung. Sie wollte in Feudenheim beim Straßenverkauf eines Cafés Kuchen kaufen. Vor ihr wartete eine Person an der Ausgabe auf Bedienung – und damit gilt laut Verordnung der Stadt Mannheim die Maskenpflicht in Warteschlangen. Wie die Leserin berichtete, sei eine Polizeistreife herangefahren und habe sie und ihre Begleitung in schroffem Tonfall belehrt, ihre Masken aufzuziehen. Die Leserin schildert, dass es sie wütend gemacht habe, von einem Polizisten, der keine Maske trägt, belehrt zu werden. Sie selbst findet, die Polizei solle Masken tragen, um die Akzeptanz der Maßnahme zu erhöhen – und so Vorbild zu sein.

Schützende Mund-Nasen-Bedeckungen und ein Sonderfall

  • Die Stadt Mannheim gibt auf ihrer Internetseite an, dass bei Gesichtsvisieren aus Plastik, die nach unten offen sind, eine ausreichende Fremd- sowie Eigenschutzwirkung nicht gegeben ist. Dies gilt insbesondere bezüglich Tröpfchenaustritt beim Husten, Niesen oder Sprechen.
  • Nach Richtlinien des RKI wie auch BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) werden zum Schutz vor Sars-Covid-19 derzeit lediglich drei Arten von Masken empfohlen:
  • Selbstgemachte Masken aus textilem Material (sogenannte „Community-Masken“).
  • Medizinischer Mund-Nasen-Schutz, der dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben sollte.
  • Filtrierende Halbmasken FFP2 und FFP3 (Verwendung üblicherweise im Arbeitsschutz/ Partikelschutz). see
AdUnit urban-intext1

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mannheim kann den Vorfall weder bestätigen noch dementieren. Grundsätzlich würden protokollarisch nur die Verstöße gegen die zur Zeit geltende Corona-Verordnung des Landes-Baden Württemberg erfasst, welche auch zur Anzeige gebracht werden, erklärt er. In erster Linie sollen die Menschen hinsichtlich vermeintlicher Verstöße oder Bestimmungen sensibilisiert werden, weshalb der Ansatz des Polizeipräsidiums Mannheim darin besteht, die betroffenen Personen gezielt anzusprechen, um so für Verständnis und Einsicht zu sorgen. „Bei wiederholten Verstößen wird die Person allerdings konsequent zur Anzeige gebracht“, macht er deutlich.

Trageempfehlung für Streifen

Zu der Aussage der Leserin, Streifenbeamte sollten auch Masken tragen, führt der Polizeisprecher aus: Uniformierte oder zivile Polizeibeamte tragen eine Mund-Nasen-Maske, soweit ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen nicht eingehalten werden kann und „einsatztaktische Erfordernisse nicht entgegenstehen“. Er betont, dass das insbesondere bei Tätigkeiten außerhalb von Dienstfahrzeugen in innerstädtischen oder vergleichbaren verdichteten Bereichen und Situationen gelte.

Wegen der Abstandsregelungen der Corona-Verordnung gilt diese Trageempfehlung für die Beamten auch in Fahrzeugen, soweit die Situation es zulasse. Hiervon kann aber abgewichen werden, wenn zum Beispiel „die Streifenpartner ihre Streifentätigkeit in aller Regel gemeinsam wahrnehmen“. Gleiches gilt für Beamte, die regelmäßig zusammen den Dienst in ihrer Einheit verrichten. „Zudem sind weitere Ausnahmen im Einzelfall möglich“, so der Sprecher.

Regeln auf einen Blick

AdUnit urban-intext2

Da durch die mehrfachen Aktualisierungen der Verordnungen bei manchen Bürgern nun vielleicht doch noch Verunsicherung über das wann und wo beim Maskentragen herrscht, bietet diese Zeitung nachfolgend einen Kurzüberblick zu den wichtigsten Vorgaben zum Thema Maskenpflicht:

Auch in Mannheim „müssen Personen nach ihrem sechsten Geburtstag“, so heißt es von der Stadt, im öffentlichen Personenverkehr, also zum Beispiel in Zügen der Deutschen Bahn, Straßenbahnen und Bussen sowie an Bahn- und Bussteigen und in Flughafengebäuden eine Alltagsmaske oder andere Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Zudem muss eine solche in Läden und Einkaufszentren aufgesetzt werden. Gemäß der Allgemeinverfügung vom 5. Mai muss sie zudem in Warteschlangen (mehr als eine wartende Person) vor Verkaufsstellen des Einzelhandels, vor Gaststätten, Cafés, Eisdielen, vor sonstigen Verkaufsstellen und in Warteschlangen vor Poststellen, Abholdiensten und Ausgabestellen der Tafeln getragen werden. Für Warteschlangen (auch hier: mehr als eine wartende Person) vor Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben, vor Verwaltungsgebäuden und auf Wochenmärkten gilt das gleiche. Die Pflicht gilt nicht, wenn dies aus medizinischen oder sonstigen zwingenden Gründen unzumutbar ist. Etwa bei Asthma oder wenn es behinderungsbedingt nicht möglich ist, teilt die Stadt auf ihrer Internetseite mit. Sie gilt auch nicht, wenn es einen anderen mindestens gleichwertigen baulichen Schutz gibt etwa für Kassierer, die hinter einer Plexiglasscheibe arbeiten.

Mehr zum Thema

Einzelhandel und RNV Mannheim: Kritik an Umsetzung der Maskenpflicht

Veröffentlicht
Von
Christian Schall
Mehr erfahren

Das Wichtigste auf einen Blick Die aktuelle Corona-Lage im Liveblog

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Karte und Grafiken Coronavirus: Fallzahlen aus Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und Rhein-Neckar

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Service Täglicher Themen-Newsletter "Coronavirus"

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Redaktion Redakteurin und Online-Koordinatorin der Mannheimer Lokalredaktion

Thema : Coronavirus

  • Pandemie Gärtnereien, Gartenmärkte und Blumenläden dürfen ab 1. März öffnen

    Baden-Württemberg will ab nächsten Monat einige Geschäfte wieder öffnen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kann sich auch vorstellen, dass sich wieder zwei Haushalte privat treffen dürfen.

    Mehr erfahren
  • Baden-Württemberg Erzieher und Lehrerinnen können sich ab sofort impfen lassen

    Es sollte für Kita-Beschäftigte und Lehrer eine frohe Botschaft sein: Baden-Württemberg macht für sie eine Impfung gegen das Coronavirus ab sofort möglich - früher als gedacht. Doch dann ruckelt es am Anfang - mal wieder.

    Mehr erfahren
  • Corona-Maßnahmen im Überblick Die neuen Bund-Länder-Beschlüsse vom 10. Februar

    Bund und Länder sehen in deutlich gesunkenen Ansteckungsraten viel erreicht im Kampf gegen Corona - aber noch keinen Anlass für Entwarnung. Denn neue Mutanten breiten sich aus. Die neuen Beschlüsse im Detail.

    Mehr erfahren