Abstimmung - Der Naturschutzbund Deutschland ruft zur Wahl des „Vogel des Jahres 2021“ auf – wir geben Entscheidungshilfe Wer ist Ihr Favorit?

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Fabian Busch
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Von links oben nach rechts unten: Stadttaube, Blaumeise, Rotkehlchen, Eisvogel, Amsel, Haussperling, Feldlerche, Kiebitz, Goldregenpfeifer und Rauchschwalbe. © NABU/Tom Dove (2), Kathy Büscher (2), Marcus Bosch (3), Helge May, Dave Pressland, Horst Jegen

Dieses Mal ist das Volk gefragt. Jedes Jahr bestimmt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) einen Vogel des Jahres – und macht damit auf eine besonders interessante oder gefährdete Art aufmerksam. 2021 können statt einer Fachjury Vögelfreundinnen und -freunde unter www.vogeldesjahres.de online abstimmen. Zehn Kandidaten wurden zuvor ebenfalls demokratisch nominiert. Wir erklären, was sie titeltauglich macht – und wo sie in Mannheim zu finden sind.

Stadttaube

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Was sie auszeichnet: Viele Stadtbewohner sind genervt von ihrem Flattern und ihrem Kot. Aber dass die Stadttaube die meisten Nominierungsstimmen bekommen hat, beweist, dass die Menschen sie akzeptiert haben. Schließlich ist sie auch ein Meister der Anpassung: Ihre Vorfahren waren Felsentauben, die das Hochgebirge gegen die Steinberge der Städte tauschten.

Status in Mannheim: Unvermeidlich in der Innenstadt und angrenzenden Stadtteilen anzutreffen.

Rotkehlchen

Was es auszeichnet: Der kleine Singvogel mit der orangeroten Brust ist ein Sympathieträger. Rotkehlchen beobachten gerne im Garten arbeitende Menschen. Denn sie wissen: Wo ein Zweibeiner wühlt, fallen Insekten und Würmer ab.

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Status in Mannheim: Überall dort zu finden, wo Platz für Hecken und Gestrüpp ist. Das Rotkehlchen ist in der kalten Jahreszeit besonders gut zu beobachten. Denn im Gegensatz zu fast allen anderen Vögeln singt es auch im Winter – und zwar Weibchen wie Männchen.

Amsel

Was sie auszeichnet: Ehemals ein scheuer Waldvogel, hat sich die Drossel eingerichtet in der menschlichen Umgebung. Ihren melodiösen, flötenden Gesang vor allem zur Dämmerung gibt’s gratis dazu.

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Status in Mannheim: Von der Usutu-Virus-Epidemie hat sich die Amsel erholt und ist wie das Rotkehlchen ein häufiger Wald-, Park- und Gartenvogel.

Feldlerche

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Was sie auszeichnet: Als Frühaufsteherin hat die Lerche schon Shakespeare inspiriert. Ihren Namen kennt jeder. Doch weil die Kulturlandschaft immer aufgeräumter, Insekten immer rarer sind, hat sich ihr Bestand in Deutschland seit den 80er Jahren mehr als halbiert.

Status in Mannheim: „Sehr, sehr stark zurückgegangen“ sei die Zahl der im Flug singenden Feldlerche auch hier, sagt der Mannheimer NABU-Vorsitzende Paul Hennze. In der Feudenheimer Au sollen Felder in Zukunft so bestellt werden, dass die am Boden brütenden Lerchen dort leichter Einflugschneisen finden, erklärt der Naturschützer.

Goldregenpfeifer

Was ihn auszeichnet: Dieser Exot sieht mit seinem Federkleid wirklich aus, als sei er in einen goldenen Regen geraten. Dass er es auf die Liste der Nominierten geschafft hat, hat er wohl dem Schriftsteller Sasa Stanisic zu verdanken. Der hat in den sozialen Netzwerken eine Kampagne für seinen Lieblingsvogel geführt.

Status in Mannheim: Fehlanzeige. Der Goldregenpfeifer brütet in Skandinavien und verbringt die Winter an europäischen Küsten. Im Inland ist er höchstens auf dem Durchzug zu sehen.

Blaumeise

Was sie auszeichnet: Sie wirken immer etwas hyperaktiv und können untereinander ziemlich ruppig sein. Doch den Blaumeisen mit ihren leuchtenden Farben und ihrer pummeligen Gestalt kann das niemand übel nehmen.

Status in Mannheim: Dort zu finden, wo es Äste zum Turnen, flache Wasserstellen zum Baden, Futterhäuschen oder im Frühling Nistkästen gibt. Eine Bakterienerkrankung hat im Frühjahr leider zahlreiche Todesfälle verursacht.

Eisvogel

Was ihn auszeichnet: Mit der türkisblauen Oberseite und dem orangenen Bauch ist der „fliegende Edelstein“ ein Hingucker – und ein Botschafter für sauberes Wasser, in dem er Fische im Sturzflug erbeutet.

Status in Mannheim: Mit viel Glück ist der Eisvogel am Neckar im Osten Mannheims zu beobachten. Am liebsten lauert er auf tiefen, über das Wasser ragenden Ästen auf Beute.

Haussperling

Was ihn auszeichnet: Er tschilpt im Hof, brütet am Dach und frisst am Futterhaus. Der gesellige Spatz rückt dem Menschen gerne auf den Pelz – und zwar auf sehr charmante Weise.

Status in Mannheim: Auch bei diesem Stadtbewohner ist die Bestandsentwicklung negativ – weil Nistplätze fehlen und Flächen versiegelt werden. Trotzdem ist der Spatz noch überall dort ein häufiger Vogel, wo auch Menschen siedeln.

Kiebitz

Was ihn auszeichnet: Der Vogel mit der auffälligen „Holle“ auf dem Kopf braucht dringend Hilfe: Frühes Mähen und intensiver Maschineneinsatz haben dazu geführt, dass der Bestand des Wiesenbrüters seit 1980 um 93 Prozent eingebrochen ist.

Status in Mannheim: Leider sei der Kiebitz in Mannheim „erfolgreich ausgerottet“ worden, bedauert Paul Hennze vom NABU. Vor drei Jahren brütete ein Paar auf einer Feuchtwiese im Sandtorfer Bruch östlich der B 44. Seitdem hat sich der Kiebitz nicht wieder blicken lassen.

Rauchschwalbe

Was sie auszeichnet: Sie ist Frühlingsbotin, Freiheitssymbol und ein Familienvogel: Verwandte brüten und ziehen gemeinsam. Bei den Weibchen sind übrigens Männchen mit besonders langen Schwanzfedern am beliebtesten – weil sie sich als die eifrigsten Versorger des Nachwuchses erwiesen haben.

Status in Mannheim: Nach ihrer Rückkehr aus dem Süden nur dort zu finden, wo es noch bäuerliche Strukturen gibt – zum Beispiel in Kirschgartshausen oder Friedrichsfeld.

Info: Abstimmung bis zum 19. März: vogeldesjahres.de

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