Einzelhandel - Viele Schließungen auf Planken und Breiter Straße / Leerstände nehmen zu Weitere Geschäfte verlassen die Innenstadt

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Christian Schall
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In der Breiten Straße ist in Q 1 (links) die Accessoire-Kette Six schon weg, Douglas folgt Ende Juni. Gegenüber, in F 1, ist CCC ausgezogen. Dieser Leerstand soll im März enden. © Christian Schall

Mannheim. Als Einkaufsstadt wird Mannheim oft bezeichnet, doch seit Mitte Dezember ist davon nichts mehr zu sehen. Wegen des Corona-Lockdowns ist die große Mehrheit der Läden geschlossen, und die Planken sind nahezu ausgestorben. Wann immer der Lockdown endet, einige Läden werden dann nicht mehr zurückkehren und dauerhaft geschlossen bleiben – im Folgenden ein Überblick.

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In O 7, nahe dem Wasserturm, hat Alexander Seppel einen seiner „Gero“-Schuhläden aufgegeben. „Ich hätte ihn gerne weiterbetrieben, aber mit drei Geschäften wären wir in Mannheim völlig überbesetzt gewesen“, erklärt Seppel. Er sei traurig über die Entscheidung, da es ein schönes Geschäft gewesen sei. „Es muss aber wirtschaftlich bleiben.“ Dass es O 7 und nicht die Filialen P 3 oder P 7 getroffen hat, wo Seppel auch weiterhin vertreten ist, ist mit der Laufzeit des Mietvertrages begründet, den er in O 7 am einfachsten auflösen konnte.

Die Geschäftsaufgabe ist nicht alleine mit Corona begründet. Nach einem Umzug innerhalb des Quadrats war Seppel 13 Jahre an diesem Standort, doch schon die letzten Jahre dort waren nicht einfach: „Als Folge des Planken-Umbaus 2017 haben wir zwei Jahre gelitten, der Umsatz ging extrem zurück“, schildert Seppel. Nach dem Ende der Baustelle „hatten wir neun Monate regulären Verkauf“. Schon bald nach dem Jahreswechsel 2019/20 sei das Geschäft eingebrochen, das ganze Geschäftsjahr 2020 sei „eine Katastrophe“.

Filialist zieht sich zurück

Ein Schuhfilialist in der Breiten Straße hat dagegen den endgültigen Rückzug angetreten, und nicht nur dort. Am letzten Tag vor dem Lockdown Mitte Dezember war bei CCC in F 1 mit dem Räumungsverkauf Schluss. Für die deutsche Tochtergesellschaft CCC Germany des polnischen Unternehmens wurde Anfang Dezember das Insolvenzverfahren eröffnet. In dessen Folge wurden fast alle Filialen in Deutschland geschlossen. Das Unternehmen betrieb auch Läden im Viernheimer Rhein-Neckar-Zentrum und im Rathaus-Center in Ludwigshafen.

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In direkter Nachbarschaft, gegenüber in Q 1, zieht Ende Juni, wie berichtet, Douglas aus. Zwei Türen weiter hat sich die Accessoires-Kette Six zurückgezogen, in R 1 am Marktplatz ist der Telekom-Shop ausgezogen, eine weitere Ladenfläche steht ebenfalls leer. Das Quartier Q 6/Q 7 haben Schuh Dielmann und der Originals-Shop von Adidas verlassen.

Zurück auf die Planken: Dort stehen in prominenten Lagen in P 7 zwei Läden leer, obwohl die bisherigen Mieter dort schon vor Monaten ausgezogen sind. Aber solange ein Ende des Lockdowns nicht absehbar ist und die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen angespannt ist, wird sich kaum jemand in das Risiko einer Neueröffnung begeben.

Mietforderung zu hoch

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Zero in P 4 hat Mannheim verlassen und verweist mit einem Aushang auf die Filiale in Ludwigshafen. In O 7 hat, wie vor einiger Zeit angekündigt, Hombre aufgegeben. Ebenfalls in O 7 zieht sich der Camp David- und Soccx-Laden zurück. Die Entscheidung sei schon vor der Corona-Krise geplant gewesen, „aus wirtschaftlichen Gründen“, wie ein Sprecher der Clinton Großhandels-Gesellschaft auf Anfrage sagte. Die Miete habe leider nicht mehr dem Marktniveau entsprochen. Und der Sprecher wird noch deutlicher: „Die Corona-Krise hat diese Entwicklung sicher noch verschärft. Darüber hinaus war eine Einigung mit dem Vermieter auf einen marktgerechten Mietpreis nicht möglich.“

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Für Anfang dieses Jahres war die Schließung geplant, abhängig von der Corona-Situation. „Grundsätzlich wollen wir in Mannheim bleiben und sind derzeit in Gesprächen zu alternativen Flächen“, ergänzte der Sprecher. Ob und wo die Marken künftig zu finden seien, könne er derzeit noch nicht sagen.

Ganz andere Gründe geben bei Computer Arlt den Ausschlag für einen Rückzug aus P 7 am Plankenkopf: „Wir wollen uns verkleinern“, sagt Sprecher Adrian Moro. Seit 24 Jahren ist das Unternehmen in Mannheim – und möchte gerne hierbleiben. „Voraussichtlich im Herbst werden wir umziehen, der neue Standort steht aber noch nicht fest.“ Kundenwünsche veränderten sich im Laufe der Zeit, daran werde man sich bei der Suche orientieren.

Rückkehrer mit neuem Konzept

Immerhin zwei Neuzugänge gibt es zu vermelden: Die Geschenke- und Dekorationskette Butlers ist in die Freßgasse zurückgekehrt – als sogenanntes Shop-in-Shop-Konzept auf einer 300 Quadratmeter großen Fläche bei Appelrath-Cüpper. „Das Konzept ist für uns nichts Neues. Wir haben bereits mit anderen Händlern Kooperationen dieser Art erfolgreich umgesetzt“, sagte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Bis vor einigen Jahren war das Unternehmen mit einem eigenen Laden gegenüber, in Q 5, vertreten. Das könnte auch in Zukunft wieder eine Option sein, „wir haben aber in Mannheim bislang nichts Passendes gefunden“, sagte die Sprecherin. Bis zum Lockdown seien die Geschäfte in Mannheim gut angelaufen.

In der Kurfürsten-Passage hat sich der Friseur Mey und Gucati eingerichtet – dort, wo bis zu dem Brand vor eineinhalb Jahren die Weinbar La Viña war. Und auch die bisher von CCC genutzte Immobilie in F 1 steht nicht lange leer: Bi-Ba-Butzemann, der Groß- und Einzelhandel für Baby- und Kinderbekleidung, hat sein Geschäft in der Freßgasse (P 7) geschlossen und plant, im März in der Breiten Straße zu eröffnen. Zu den Gründen will sich der Inhaber nicht äußern. Das neue Schaufenster hat er zumindest schon dekoriert.

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Redaktion Redakteur in der Lokalredaktion Mannheim