Geburtstag - Langjähriger katholischer Stadtdekan Horst Schroff wird 85 / Pionierarbeit auf der Vogelstang geleistet Wegbereiter der Ökumene

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Peter W. Ragge
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Lebt im Seniorenzentrum Seckenheim der Caritas: Horst Schroff. © prosswitz

Er wäre gerne nach Gran Canaria, zwölf Tage lang. „Ich wollte mich absetzen“, gesteht Horst Schroff. Aber jetzt kann er wegen der Corona-Pandemie nicht in Urlaub fahren. Eine große Feier zu seinem 85. Geburtstag am Sonntag gibt es dennoch nicht. „Aber ich hole das nach“, verspricht er. Denn Menschen, die dem früheren katholischen Stadtdekan gratulieren wollen, gibt es viele.

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Derzeit darf aber kaum jemand zu ihm – denn er lebt im Seckenheimer Caritas-Seniorenzentrum, das nach ihm benannt worden ist, als Hausgeistlicher. Früher gab es bei den Gottesdiensten, die er sonntags und zweimal pro Woche dort in der Kapelle zelebriert, immer viele Gäste von außen. Derzeit ist das nicht zulässig. Doch die Bewohner des Hauses sind ihm dankbar. „Die kann ich ein bisschen trösten und vermitteln, dass Glaube auch immer Hoffnung ist“, beschreibt Schroff, was im Moment seine Hauptaufgabe ist.

Doch das liegt ihm. 1935 in Konstanz geboren und 1959 zum Priester geweiht, kam Schroff 1964 nach Mannheim ins katholische Jugendwohnheim C 2,16 als Jugendpfarrer. Er las in der kleinen Kapelle im sechsten Stock täglich um 18 Uhr die Messe. Sein erster Ministrant damals: Egon Scheuermann. Inzwischen Unternehmer, richtete er für Schroff 2014 ein Fest aus, als der Priester damals seit genau 50 Jahren in Mannheim wirkte. Das Fest war ein Zeichen der Dankbarkeit, weil Schroff eben nicht nur aus der Bibel las, sondern sich auch sehr für das Leben und die Nöte der Lehrlinge, die dort wohnten, interessierte.

Der Caritas eng verbunden

Junge Menschen für die Kirchen begeistern – das setzte Schroff fort, als er 1969 auf die Vogelstang kam. Der Stadtteil war da gerade erst entstanden, das katholische Gemeindezentrum noch nicht gebaut. Für Gottesdienste gab es erst nur eine Baracke, dann bekamen die Katholiken Gastrecht bei den Protestanten. Ermuntert von den Beschlüssen des gerade beendeten Zweiten Vatikanischen Konzils, wurde Schroff auf der Vogelstang zu einem Pionier der Ökumene. In der Aufbruchstimmung des jungen Stadtteils war viel möglich, was anderswo undenkbar gewesen wäre – Schroff nutzte diese Chance intensiv, betrat Neuland.

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Er begründete dort den katholischen Sportverband DJK, dessen Geistlicher Beirat er ein Vierteljahrhundert war. Schroff schuf aber nicht allein die Grundlage für ein reges Gemeindeleben, sondern öffnete die Kirche für viele andere Aktivitäten – vom Tanzkreis bis zur Fasnacht der „Löwenjäger“, denen er wie den Käfertaler „Spargelstechern“ weiter eng verbunden ist.

„Du warst ein Pfarrer nah bei den Menschen, der mit beiden Beinen auf der Erde steht“, sagte der frühere Oberbürgermeister Gerhard Widder, Vogelstang-Pionier wie Schroff, mal zu ihm. Mit Widder wanderte Schroff lange zur „Mannheimer Hütte“ in den Alpen, mit anderen Vogelstang-Freunden trifft er sich heute noch zum Skat oder fährt, schon über 50 Jahre, nach Ischgl – zum Glück nicht, als da Corona wütete!

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Weil er durch seine Arbeit auf der Vogelstang auf sich aufmerksam machte, wurde er 1982 zum Dekan berufen und blieb das bis 2005. Da setzte er seine Politik der Ökumene fort, begründete die noch heute bestehenden regelmäßigen Runden mit den evangelischen Dekanen und viele ökumenische Einrichtungen wie das Bildungszentrum Sanctclara. Neben Förderkreis-Vorsitzenden Herbert S. Koch war Schroff zudem der Motor von dem, was 1997 das „Wunder von Mannheim“ genannt wurde – die aufwendige, geglückte Rekonstruktion des barocken Hochaltars der Jesuitenkirche. Aber bei aller Pracht war ihm immer wichtig, dass sich Kirche in die gesamte Gesellschaft einbringt und sich karitativ betätigt. Daher lag Schroff, 1995 zum päpstlichen Ehrenkaplan mit dem Titel „Monsignore“ ernannt, auch die Caritas am Herzen – der er daher bis heute engagiert dient.

Redaktion Chefreporter