Lernen und Betreuung - Linke-Landtagswahlkandidaten Isabell Fuhrmann und Sven Metzmaier im Gespräch mit Christian Schaft Was Baden-Württemberg von Thüringen lernen könnte

Von 
Lea Seethaler
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Landtagskandidatin Isabell Fuhrmann, Christian Schaft MdL Thüringen, Landtagskandidat Sven Metzmaier und Selin Gören von der Linksjugend. © Lea Seethaler

Mannheim. Der Kreisverband der Linken Mannheim hat am Freitag einen Blick nach Thüringen geworfen – und zugleich in die Zukunft der Bildung im Ländle: Gemeinsam mit Christian Schaft, Mitglied des thüringischen Landtags und hochschulpolitischer Sprecher der dortigen Linksfraktion, diskutierten die Mannheimer Landtagswahlkandidaten Isabell Fuhrmann und Sven Metzmaier per Zoom. „Was fehlt in Baden-Württemberg, um Bildungsgerechtigkeit zu erreichen – und was hat Thüringen bereits erreicht“ war die große Frage des Abends. Auf Facebook konnten interessierte Nutzer mitdiskutieren.

Bildungsmotivation halten

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Isabell Fuhrmann will sich für die „bestmögliche Teilhabe“ aller „von ganz klein“ bis zur Universität einsetzen, zeigte sie gleich auf. Die frühkindliche Bildung sehe sie als besonders wichtig an. Auch, weil Kinder hier eine „Haltung für den Umgang mit Verschiedenheit“ lernten. Kitas sollten gebührenfrei für alle sein und wohnortnah für alle – Letzteres vor allem aus ökologischen Gründen, findet die Landtagskandidatin. „Kinder lernen gerne“, so Fuhrmanns Fazit – man müsse die Motivation hochhalten, besonders über die Zeit nach der Grundschule. Sonst werde es schwer, wenn man die Schüler hier bereits verliere. Per Sozialindex wünscht sie sich die „besten und motiviertesten Lehrer“ und die „schönsten Schulen und das anregendste Lehrmaterial“ dort, wo es „am schwierigsten“ ist. Dort, wo ganze Familien bildungsfern seien. Diese „bildungspolitische Herausforderung“ werde in Baden-Württemberg bisher „völlig übersehen.

Sven Metzmaier berichtete ausführlich von den Vorteilen der Integrierten Gesamtschulen, auch aus Erfahrung, denn die im Herzogenried hat er als Schüler selbst einmal besucht. „Dieses Schulmodell liegt mir sehr am Herzen“, so Metzmaier. „Bis wir kein längeres gemeinschaftliches Lernen haben“, bräuchte es mehr dieser Schulen. Das „offene System“ fördere eine positive Entwicklung der Kinder, es sei auf sie zugeschnitten. Zudem würde mit AGs etc. auf das Berufsleben vorbereitet.

Zum Thema Ausbildung sagt er dann: Man höre von den Unternehmen immer Klagen über den Fachkräftemangel. Doch viele Schulabgängerinnen und Abgänger würden keine Lehrstellen bekommen. „Wer Fachkräfte braucht, muss sie auch ausbilden“, sagt Metzmaier, der Firmen zum Ausbilden verpflichten will. „Fertig ausgebildete Leute wachsen nicht auf der Straße – und wer ist besser geeignet, den Fachkräftemangel zu beseitigen, als genau die Wirtschaft, die Menschen auszubilden hat?“

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Unterschiedlicher als in Baden-Württemberg und Thüringen könnten die Ausgangssituationen nicht sein. Die Linke ist in der Regierung, stellt Ministerpräsident und führt das Bildungsministerium. Auch in Thüringen soll von Kita bis Uni alles gebührenfrei werden. Bisher habe man zwei beitragsfreie Kita-Jahre erreicht. Zudem zusätzliche Stellen in Betreuung und Bildung ermöglicht. Schaft beschrieb dabei die Erblast durch Vorregierungen: den starken Lehrermangel, doch man gehe ihn an, habe seit 2014 4000 neue Lehrkräfte eingestellt. Auch in Schulgebäude und Sporthallen habe man kräftig investiert, doch „26 Jahre Investitionsstau holt man nicht in fünf Jahren ein“, so Schaft. Zudem sprach er das Hochschulgesetz an, das man unter „großem Unmut der Hochschulleitungen“ angegangen sei. Der Vorgang liegt allerdings vor dem Verfassungsgericht. Denn man wolle, dass bei Entscheidungen „alle Statusgruppen der Universität“, von Studis über Beschäftigte bis Hochschullehrende „auf Augenhöhe“ den gleichen Stimmenanteil haben. Eine Mehrheit nur von Professorenschaft sei „oldschool“, wie Schaft sagt.

Beim Thema Kita setze man auf eine kürzere Ausbildungszeit für Erziehende und tarifvertragliches Entgelt, um die Ausbildung attraktiver zu machen. Das stößt auf Zustimmung bei Metzmaier und Fuhrmann. Letztere sagt, im „überfeminisierten Bereich“ würden Rollenbilder festgelegt wie „Sorgearbeit ist weiblich“. Es sei Zeit, diese Leistung monetär anzuerkennen. Metzmaier ergänzt, man müsse von Endlosbefristungen wegkommen. Auf die Frage, wer die kostenfreie Bildung und Betreuung bezahlt oder welche andere Investition gekürzt werden solle, sagt Metzmaier: Militär und Rüstung – und man müsse nicht „unbedingt etwas kürzen, man kann es auch von anderen holen“, die Vermögen immer weiter in „unerhörterweise erhöhen“. Fuhrmann findet, man könne per Streichung von Subventionen von „klimaschädlichen Energien“ oder per Erbschaftsteuererhöhung agieren.

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