Passantenbefragung - Hohe Zufriedenheit mit der Innenstadt / Große Herausforderungen durch Onlinehandel Warnung vor den Corona-Folgen

Von 
Christian Schall
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Wegen der Corona-Krise sind die Planken noch weit entfernt von dem Besucherandrang wie vor zwei Jahren bei der Wiedereröffnung nach dem Umbau. © Michael Ruffler

Mannheim. Die Passantenumfrage „Vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln wird von den Verantwortlichen der Einzelhandelsverbände und der Stadt jedes Mal mit großer Spannung erwartet. In diesem Jahr war die Neugier noch etwas größer, denn die Umfrage stand unter dem Eindruck der Corona-Krise.

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„Auch im Corona-bedingt schwierigen Umfeld hat Mannheim seine Position als führende Einkaufsstadt in der Region gut halten können“, fasste Nicolaus Sondermann vom IFH das Ergebnis zusammen. Es liege im Zeitverlauf eine konstante Entwicklung vor, Corona sorge nicht für Ausreißer. „Positiv ist die überdurchschnittlich hohe Weiterempfehlungsquote.“ Sie liegt bei 35,3 Prozent.

Schwierige Ausgangslage

„Für uns war es eine große Herausforderung, das Thema anzugehen“, gab Sondermann zu. „Wir wussten im Frühjahr noch nicht, ob wir die Befragung durchführen können.“ Trotzdem verlief sie nicht so wie gewohnt. Normalerweise werden die Interviews am letzten Donnerstag und Samstag im September geführt. Da man nicht gewusst habe, wie die Akzeptanz der Befragten sei, wurde der Zeitraum ausgedehnt: Zwischen Ende September und Mitte Oktober waren die Interviewer des IFH, jeweils donnerstags und samstags, schließlich unterwegs.

Bundesweit haben 107 Städte teilgenommen. In der Kategorie der Ortsgröße Mannheims waren auch Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Braunschweig, Karlsruhe, Kassel, Krefeld, Lübeck, Magdeburg, Mönchengladbach und Rostock. Das Ergebnis ist nicht repräsentativ.

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Zwei Fragen widmeten sich dem Thema Corona: 39,5 Prozent der Befragten in Mannheim gaben an, „ich kaufe verstärkt online ein“ – sieben Prozentpunkte mehr als im Ortsgrößenschnitt und sogar zehn Prozentpunkte mehr als im Schnitt aller teilnehmenden Städte. Die in Mannheim Befragten kauften auch mehr als andere bei den großen Onlinehändlern wie Amazon ein, gleichzeitig aber auch mehr bei lokalen Onlinehändlern als anderswo.

Etwa die Hälfte gab an, aktuell weniger Geld für Waren, Gastronomie und Dienstleistungen auszugeben. 42 Prozent sagten, dass sie wegen Corona die Innenstadt generell seltener besuchen – auch dieser Anteil ist höher als im Durchschnitt der Ortsgröße oder aller Teilnehmer.

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Deutlich wurde in der Umfrage erneut, wie groß das Einzugsgebiet der Innenstadt ist. Donnerstags gaben 47,2 Prozent an, von außerhalb zu kommen, samstags 51,2. Insbesondere letztere Zahl ist gegenüber 2018 stark gestiegen. Nachvollziehbar in diesem Zusammenhang ist die Häufigkeit der Besuche in Mannheim: Fast zwei Drittel gaben an, „wöchentlich“ oder „monatlich“ zu kommen, 19 Prozent sagten „täglich“. Etwa die Hälfte der Besucher wollte zwei und mehr Stunden bleiben. Etwas mehr als die Hälfte wollte drei bis fünf oder sechs und mehr Geschäfte besuchen. Die Besucher in Mannheim sind im Durchschnitt jünger als anderswo.

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Fast die Hälfte reist mit öffentlichen Verkehrsmitteln an, etwas weniger als 2018. Dafür kommen wieder mehr mit dem eigenen Auto oder Motorrad – insgesamt etwa ein Drittel. Um sich über das Angebot in der City zu informieren, nutzen fast zwei Drittel Google. Bei rund einem Fünftel liegen jeweils regionale Zeitungen, Prospekte/Flyer/Plakate, Facebook und Instagram. Interessant ist die Meinung auf die Frage nach einer häufigeren Öffnung an Sonntagen: Fast zwei Drittel sagen (eher) nein, etwas mehr als ein Drittel (eher) ja.

Obwohl Mannheim gut aufgestellt sei, warnt Sondermann: „Das Online-Geschäft wächst bundesweit überproportional, die Besucherfrequenz lässt nach. Es gilt, auch dauerhaft Kunden zu binden und die Besucherfrequenzen zu stabilisieren. Auch die Zweifler müssen zurückgewonnen werden.“

„Ich bin erfreut, dass das Ergebnis gut geblieben ist und es keine Abwanderungstendenz gibt“, erklärte Lutz Pauels, Vorsitzender der Werbegemeinschaft City. „Die richtige Mischung aus großen Ketten und inhabergeführten Betrieben wird vom Kunden offenbar als äußerst attraktiv empfunden“, sagte IHK-Präsident Manfred Schnabel. „Die Frage ist nun, ob das so bleibt, uns plagen große Sorgen.“

„Die Ergebnisse der Studie ‚Vitale Innenstädte‘ sind für uns eine wichtige Datenquelle, um Entscheidungen abzuleiten oder zu bestätigen. So freue ich mich, dass Mannheim erneut bundesweiter Benchmark für das Einzelhandelsangebot ist“, sagte Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch. Auch bei der aktuellen Befragung, die bereits von den Auswirkungen der Corona-Pandemie gekennzeichnet sei, zeige sich kein negativer Trend der Bewertungsergebnisse ab. Wie sich die Situation nach dem aktuellen Lockdown präsentieren werde, könne man momentan noch nicht absehen. „Ich freue mich, dass die Befragten trotz der Pandemie und vieler abgesagter Events sich daran erinnern, was in Mannheim sonst immer los ist.“ Grötsch kündigte an, auch bei der nächsten Passantenbefragung teilzunehmen.

„Wenn in unserer Stadt der Handel stirbt, dann stirbt auch diese Innenstadt“, warnte Swen Rubel, Geschäftsführer des Handelsverbands. Vizepräsident Hendrik Hoffmann ergänzte: „Die Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung sind gut beraten, rechtzeitig den Handel mit einzubinden. Das gilt bei den anstehenden Herausforderungen beim Thema Erreichbarkeit und Verkehr.“

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Redaktion Redakteur in der Lokalredaktion Mannheim