Film - Mario Di Carlo zeigt Dokumentation über Freundschaften Von Freunden und Pfannkuchen

Von 
Simone Sohl
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Drei beste Freundinnen: Melek Yöruk versteht sich bestens mit den Zwillingen Meltem und Melek Kilic - so gut, dass sie sagt: "Wir sind Drillinge."

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Was mögen wir an unseren Freunden? Mikael von der Erich Kästner-Grundschule weiß ziemlich genau, was ihm an seinem Freund Jannis gefällt: "Ich mag, dass er keine schlimmen Wörter benutzt." Sein Klassenkamerad Max ist restlos begeistert von seinem besten Freund: "Er ist einfach ein ganz toller Junge." Und der Weinhändler Miguel A. Herce sagt über die Freundschaft mit und Nikos Xanthopoulos: "Wir gehen zusammen durch Dick und Dünn." Sie alle kommen in Mario Di Carlos Film "Freundschaften - Gekommen, um zu bleiben" zu Wort, der zu einem kleinen Panoptikum von Freundschaften in Mannheim geworden ist.

Termin

Der Film "Freundschaften - Kommen, um zu bleiben" wird am Sonntag, 21. Juni, um 15 Uhr im Mannheimer Kino Odeon (G7, 10) noch einmal gezeigt. Auf DVD soll er voraussichtlich ab Herbst erhältlich sein. Mehr Infos auf www.mannemersein.de

Vielfalt der Beziehungen

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Ein deutscher Kriegsveteran, drei beste Freundinnen türkischer Abstammung, Mitglieder eines Deutsch-Sprachkurses an der Abendakademie: Der Mannheimer Filmemacher hat in seinem neuesten, 65-minütigen Werk viele verschiedene Menschen dazu befragt, was Freundschaft für sie ausmacht. Die Antworten fallen dann auch ganz unterschiedlich aus: Melek Yöruk steht mit den Zwillingen Meltem und Melek Kilic ständig in Kontakt, die drei schicken sich täglich Selfies mit ihren Outfits und treffen sich abends noch schnell im Treppenhaus. "Wir waren eine Zeit lang richtig süchtig nacheinander", sagt Melek Yörük.

Dr. Fridolin Scheuerle ist schon einige Jahrzehnte älter als das Trio und sagt, es gebe nur wenige wahre Freunde im Leben. Er erinnert sich an die Zeit in Kriegsgefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg: An seinem 21. Geburtstag schenkten ihm zwei Mitgefangene ihre Zucker-Rationen und die Hälfte ihrer Brote. "Das waren echte Freunde."

Gegenseitige Hilfe ist in Deutschland inzwischen aber nicht mehr unbedingt ein Merkmal von Freundschaft - das sehen zumindest einige der Befragten so. Ausländer seien meist auf enge soziale Netzwerke angewiesen, die Deutschen dagegen seien gut versichert. "Wenn ein Deutscher eine Autopanne hat, kann er den ADAC anrufen - dann braucht er keine Freunde", sagt Bogdan Militaru. Für ihn sei das anfangs schwierig gewesen. Gute Freunde hat er dann im Sprachkurs an der Abendakademie gefunden.

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Das sei einer von vielen Momenten gewesen, die ihn zum Nachdenken angeregt haben, sagt Mario Di Carlo: "Vielleicht sollten wir weg von dieser ADAC-Mentalität und unsere Augen öffnen für Menschen, die unsere Hilfe brauchen." Der Mannheimer, dessen Eltern aus Italien stammen, geht in seinen Filmen stets dem multikulturellen Charakter seiner Heimatstadt auf den Grund.

Dass nicht immer Einigkeit zwischen den Befragten herrscht, ist klar. Und auch ein paar Klischees und Verallgemeinerungen sind zu hören. Männer und Frauen können keine richtig guten Freunde sein, findet etwa das Mädels-Trio. Die Zwillinge Eda und Seda Yüksel von der First Ukulele Band Filsbach sind dagegen eng mit Juan Geck befreundet sind. Für die einen spielt die Nationalität keine Rolle, andere sagen, dass sie mit ihren Landsleuten am besten lachen können. Auf eins können sich aber alle einigen: Gute Freunde können auch über Unterschiede hinwegsehen. Wie Umut, der Nutella-Pfannkuchen liebt. "Ich habe einen Freund, der sie nicht so mag wie ich", sagt der Grundschüler. "Aber Freunde sind wir trotzdem."