Kinder-Uni - Sportwissenschaftlerin Jule Kunkel über Gesundheit – und welche Rolle Bewegung dabei spielt Vitamine, Sauerstoff und Schlaf

Von 
Eileen Blädel
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„Arme hoch!“, ruft Jule Kunkel in den Raum und ihre jungen Zuhörer machen sofort mit. Ziel der Dozentin ist es, bei den Teilnehmern der Kinder-Uni im Technoseum den Kreislauf in Schwung zu bringen. © Ruffler

Fred Fuchs begrüßt die kleinen Studenten mit Handschlag. Das Maskottchen dieser Zeitung wird gleich noch mächtig ins Schwitzen kommen. Denn bei der Kinder-Uni im Mannheimer Technoseum geht es sportlich zu: Die Sportwissenschaftlerin Jule Kunkel will mit mehr als 50 Kindern zwischen acht und zwölf Jahren erkunden, wie man sich fit hält und gesund bleibt. Dafür ist Bewegung das A und O – weshalb genau die bei der Vorlesung mit auf dem Programm steht.

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Pfoten in die Höhe

Dozentin Jule Kunkel



  • Jule Kunkel lebt in Heidelberg und arbeitet am Sportinstitut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Sie ist zweifache Mutter.
  • Die promovierte Sportwissenschaftlerin beschäftigt sich mit Gesundheitsförderung und -kommunikation.
  • Sie ist außerdem Projektleiterin von „Stand up, students!“.
  • Das Projekt am KIT hat es zum Ziel, eine stehfreundliche Lehr- und Lernkultur zu schaffen und den Studierenden so mehr Bewegung im Alltag zu ermöglichen. ble (Bild: Langer)
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„Arme hoch“, ruft Jule Kunkel – und die kleinen Teilnehmer machen es ihr fleißig nach. Auch Fred Fuchs streckt seine Riesenpfoten in die Höhe. Ein schlauer Gedanke, erst einmal den Kreislauf in Schwung zu bringen, bevor gleich etwas gelernt werden soll. Denn wer müde ist oder sich schlapp fühlt, dem fällt das sehr viel schwerer. „Komisch“, sagt Jule Kunkel, „dass wir ausgerechnet in der Schule so viel sitzen müssen, wo wir uns doch konzentrieren sollen.“ Denn zu langes Sitzen verhindere, dass das Gehirn gut mit Sauerstoff versorgt wird. Deshalb fordert die Sportwissenschaftlerin nicht nur auf, diese „soziale Norm“ öfter mal in Frage zu stellen, sondern lädt auch dazu ein, während ihrer Vorlesung stehen zu bleiben, wenn es einem danach ist.

In ihrem Vortrag erklärt Jule Kunkel, dass Gesundheit viel mehr ist als einfach das Fehlen von Gebrechen. Dass sie nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche betrifft und dass sie stark mit dem individuellen Lebensstil und der Ernährung zusammenhängt. „Wenn wir nur ungesunde Dinge essen, haben wir auch keine Lust uns zu bewegen, weil das Essen uns so schlapp macht.“

Die Dozentin hat wertvolle Tipps parat, wie sich Bewegung in den Alltag integrieren lässt: „Ich habe gar kein Auto“, erzählt sie. Und eigentlich sei darauf ja auch niemand angewiesen: „Wir haben Züge und Straßenbahnen und Fahrräder. Wir können unsere eigene Energie nutzen, um uns fortzubewegen.“ Das habe dann mehr als nur einen Vorteil: „Ich tue etwas Gutes für die Umwelt, für meinen Körper und für meinen Geist.“

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Bewegung müsse ja auch nicht gleich Ausdauersport sein. „Ich kann auch einfach auf der Neckarwiese einen Handstand machen oder in der Schulpause Fangen spielen“, sagt Jule Kunkel. Es mache auch schon einen Unterschied, die Hausaufgaben einfach mal am Stehschreibtisch zu machen – wer ein paar Holzkisten aufeinanderstapele, habe diesen im Nullkommanix aufgebaut.

„Wieso aber brauchen wir überhaupt Bewegung?“, will Jule Kunkel von ihren Studenten wissen. „Weil es Spaß macht“, heißt es aus dem Publikum. „Na klar,“ freut sich die Dozentin. „Unser Körper ist ja auch genau dafür gemacht. Überlegt einmal, wie wir uns vor 1000 Jahren verhalten haben. Haben wir da ständig nur aufs Handy geschaut?“ Was einen nun krank mache oder nicht, sagt Jule Kunkel, „das sind unsere persönlichen Entscheidungen“. Doch dabei könne einem der eigene Körper auch Streiche spielen. „Unser Körper fährt total ab auf Zucker, Fett und Salz“, sagt Jule Kunkel. Doch das sind nur leere Kalorien „und nicht das, was ihr wirklich braucht“.

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Wie es der Mensch noch schaffen kann, gesund zu bleiben? „Vitamine“, rufen die kleinen Studenten. „Und Sauerstoff. Und Schlaf“, sagt Jule Kunkel. „Deshalb verstehe ich nicht, dass die Schule so früh losgehen muss. Ihr?“ Noch eine Antwort, die eindeutig ausfällt.

Begeisterte Teilnehmer

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„Ich kann euch gar nicht mehr viel beibringen. Ihr wisst ja schon alles“, sagt Jule Kunkel. Gute Noten gibt es auch von den kleinen Teilnehmern: „Das war ein spannender Vortrag“, sagen Samuel, Simon und Nils, alle drei 11 Jahre alt und aus Eppelheim. „Man durfte ganz viel mitmachen.“ Und die neunjährige Clara aus Lorsch fasst zusammen: „Ich habe gelernt, dass man sich so viel wie möglich bewegen soll. Und: Nicht so viel Süßes essen.“

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