Gymnasien - Unterschiedliche Bewertungen zu Eltern-Umfrage Viele wünschen Abi nach neun Jahren

Von 
Bertram Bähr
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Die meisten Bundesländer setzen flächendeckend auf das neunjährige Gymnasium (G 9). Nicht so Baden-Württemberg. Seit 2013 dürfen nur noch 44 öffentliche allgemeinbildende Schulen G 9 anbieten. Eine dieser Schulen – und die einzige in Mannheim – war das Karl-Friedrich-Gymnasium (KFG). Aber dort lief das Modell im vergangenen Jahr aus.

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Dabei wünschen sich viele Eltern deutlich mehr G 9. Das bestätigt jetzt eine Umfrage der Arbeitsgemeinschaft der Gymnasialen Elternbeiräte (ARGE) Baden-Württemberg, die von Oktober 2020 bis Mitte Januar lief. Von 17 878 Eltern, die sich daran beteiligten, wünschen sich demnach 89 Prozent eine Rückkehr zu G 9. „Die Aussage der Kultusministerin, die Eltern wären mit dem derzeit angebotenen G 8 zufrieden, ist damit klar widerlegt“, schreibt die ARGE in einer Pressemitteilung.

Da die ARGE keinen direkten Mailverteiler hatte, geht sie „nicht zu 100 Prozent“ davon aus, „dass jeder die Möglichkeit zur Teilnahme hatte“. Dennoch erlaube die hohe Anzahl den Schluss, „dass das Meinungsbild fast vollständig ist und mit geringen Abweichungen stellvertretend für alle Eltern von Kindern am Gymnasium steht“.

Ob die Befragung von 18 000 Eltern angesichts von etwa 300 000 Gymnasiasten ausreichend Aussagekraft habe, sei dahingestellt, sagte dazu eine Sprecherin des Kultusministeriums. Eine sofortige Umstellung auf G 9 halte man zudem für unrealistisch – „zumal eine solche Reform neue Probleme an anderer Stelle schaffen würde“.

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Wie repräsentativ die Umfrage sei, könne er nicht wirklich beurteilen, sagt dazu Thorsten Papendick, der Vorsitzende des Mannheimer Gesamtelternbeirats (GEB), auf Anfrage dieser Redaktion. Er hätte es auf jeden Fall für sinnvoller gehalten, nicht die Eltern von Gymnasiasten zu befragen – denn für die laufe das acht- oder neunjährige Gymnasium schließlich bereits. Besser wäre es in seinen Augen gewesen, „ein Meinungsbild bei den Grundschuleltern einzuholen“, die von einem Wechsel von G 8 zu G 9 noch etwas hätten. Außerdem hält er den jetzigen Zeitpunkt für die Umfrage für ungeeignet. Die Erhebung lenke lediglich „von den dringenden Problemen ab“, die sich durch die Corona-Pandemie aufgetürmt hätten.

GEB: Wahlfreiheit wichtig

Auf jeden Fall bestätige die Umfrage „den Wunsch der Eltern nach mehr neunjährigen Gymnasien“, so der Mannheimer SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Fulst-Blei. Man sehe sich dadurch „in der Position bestärkt, endlich ein Wahlrecht zwischen G 8 und G 9 zu ermöglichen“.

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Auf letzteren Punkt legt auch Papendick Wert – er plädiert ausdrücklich für Wahlfreiheit, wie das etwa in Hessen der Fall ist. Schließlich gebe es auch Kinder, für die G 8 der richtige Weg sei. Ein Antrag der SPD, Wahlfreiheit zu ermöglichen, war Ende Januar im Bildungsausschuss des Landtags gescheitert.