Nichtraucherschutz: Vorgaben lassen den Unmut etlicher Mannheimer Kneipen-Chefs hochkochen Viel Rauch um Ausnahmen im Gesetz

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Christine Maisch-Straub

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Umsatzkiller oder Chance für Neubeginn: Gerade mal vier Tage ist das geänderte Nichtraucherschutzgesetz jung. Doch so manchen Wirt lässt die Anti-Kippen-Regelung keineswegs befreit aufatmen. Bis zu 2500 Euro kann es ihn kosten, wenn er seine Gäste nicht am Qualmen hindert. Und die kleine "Kneipe in unserer Straße" - wie sie einst Peter Alexander besang - darf zwar wieder unter Dampf stehen. Aber nur an der Theke. Die Küche muss kalt bleiben.

"Das Nichtrauchergesetz bricht uns noch das Genick." Mehr als drei Jahrzehnte lang ist Cornelia Wiesbeck nun schon Chefin der Käfertaler "Heinrichsbrücke": "Erst die Mutter, dann seit 35 Jahren ich." Als "Kommunikationszentrum" betrachtet sie die kleine Eckkneipe, in der sich Jung und Alt treffe. Doch von den 20 Prozent Nichtrauchern könne sie nicht leben. Zwar gilt die "Heinrichsbrücke" mit knapp 75 Quadratmetern Fläche als "Einraumlokal" in dem seit Samstag wieder blauer Dunst wabern darf. Aber eine Speisekarte ohne warme Gerichte würde ihre Kundschaft nicht akzeptieren. Ein Dilemma, das die 50-Jährige kaum hoffen lässt: "Ich glaube, wir sind bald bankrott."

Dicke Luft herrscht auch bei Kurt Gehring in der Neckarauer "Kommode" - allerdings nur im übertragenen Sinne - und aus einem ganz anderen Grund: Er wäre für ein generelles Rauchverbot für alle Betriebe. Wenn es zu viele Ausnahmen gebe oder Kollegen, die ihre Gäste trotz Verbot rauchen ließen, sei er mit seinen qualmfreien Räumen im Nachteil.

Töpfe haben ausgedampft

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Apropos neu - gar als mögliche Chance betrachtet Wirte-Innungs-chef und "Skyline"-Patron Holger Polomski die Vorgaben. Wer seine Küche samt Koch komplett rausnehme, spare auch Kosten: "Vielleicht ist das Ergebnis dann sogar besser."

Ein Schritt, den die Feudenheimer "Eintracht" jetzt wagt: Ab April dampft dort statt Nudelwasser nur noch der Gast. Dafür hoffen die Pächter, dass die Zigarettenfreunde, die knapp 50 Prozent der Kundschaft ausmachten, zurückkehren. Doch, wie gesagt, die Regelung ist noch jung. Für Geduld plädiert Polomski: "Warten wir's mal ab, wie sich das auswirkt. Darüber jetzt schon was zu sagen, wäre Kaffeesatz-Leserei."