Versuchsveranstaltung im Schachbrettmuster

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Peter W. Ragge
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Das Mittelfoyer des Kongresszentrums bei der Fachmesse „Locations“, die virtuell stattfand. © mcon

Mannheim. Sie wollen es wagen: Wenigstens zur Hälfte besetzt sein soll bald wieder der Mozartsaal des Rosengartens. Die mannheim:congress-gmbh (m:con) knüpft an einen Modellversuch des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts im Konzerthaus Dortmund an und möchte im März probieren, ob auf dieser Grundlage Veranstaltungen wieder möglich sind. Die endgültige behördliche Genehmigung steht aber noch aus.

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„Wir werden nicht aufhören, immer wieder zu versuchen, Öffnungsszenarien zu entwickeln“, betont Bastian Fiedler. Seit gut einem Jahr ist er alleiniger m:con-Geschäftsführer, doch in den meisten Monaten war sein Haus wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Von den 101 Angestellten seines Teams sind 72 von Kurzarbeit betroffen.

Derzeit arbeitet Fiedler in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt an Vorbereitungen für eine Testveranstaltung. Diese solle dann als Probe für den kulturellen- und den Tagungsbereich dienen, so der Geschäftsführer. Experten des Klinikums sowie der Dualen Hochschule seien an Bord, die Gespräche mit den Behörden zur Überarbeitung des Hygienekonzepts liefen.

Der Dortmunder Versuch hatte ergeben, dass bei einer guten Lüftungsanlage sowie der Pflicht für das Publikum, einen Mund-Nasenschutz zu tragen, die Aerosolbelastung so gering ist, dass sogar eine komplette Besetzung im Saal denkbar wäre. Empfohlen wird jedoch nur eine Raumbelegung im Schachbrettmuster und damit die Hälfte der Saalkapazität. Das will der Rosengarten probieren – was 1200 Besucher im Mozartsaal statt sonst 2300 bedeuten würde. Alle müssten FFP-2 Masken tragen. „Unsere Lüftungsanlage ist sogar besser als die in Dortmund“, betont Fiedler. Während der Veranstaltung werde man Luftmessungen vornehmen.

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Auch Schnelltests spielen bei den Überlegungen eine Rolle. „Wir müssen sehen, wie man das logistisch und zeitlich bewältigen kann“, sagt Fiedler. Bei großen Events mache das wenig Sinn, da der Vorlauf viele Stunden dauern würde, um etwa 1200 Zuhörer eines Konzerts zu testen. Erfolgreich praktiziert habe man es aber beim digital produzierten Neujahrsempfang der Stadt, bei dem alle Künstler und Mitarbeiter vorher getestet wurden. Für solche eher kleinen Events sei das denkbar.

Mit richtig großen Events rechnet Fiedler erst wieder ab September – frühestens. „Wir hoffen – aber das Problem ist, dass wir nichts wissen“, macht der Geschäftsführer deutlich. Der Rosengarten wie die gesamte Veranstaltungsbranche bräuchten dringend „Planbarkeit und eine Perspektive“, was bei den derzeitigen Corona-Beschlüssen im Vier-Wochen-Rhythmus nicht möglich sei. Kongresse müssten aber langfristig geplant werden.

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Dabei habe die m:con in den zurückliegenden zwölf Monaten „erfahren dürfen, wie wichtig langjährige und vertrauensvolle Partnerschaften sind“, so Fiedler dankbar. Wissenschaftliche Fachverbände wie die Deutschen Gesellschaften für Kardiologie, Kinder und Jugendmedizin, die Deutsche Schmerz- und Kopfschmerzgesellschaft sowie der Hebammenkongress seien trotz aller Unsicherheiten, dem Zwang zu Absagen und Verschiebungen treue Kunden. „Sie entwickeln mit uns gemeinsam digitale Modelle für die aktuelle Pandemiesituation und hybride Modelle für die Zukunft in der Veranstaltungsbranche“, so Fiedler.

Kardiologentreffen per Internet

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Für die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung hat die m:con ein neues Format erarbeitet. Sonst ist das Treffen der Kardiologen, stets in der Woche nach Ostern, die mit Abstand größte Veranstaltung im Rosengarten – mit inzwischen knapp 9000 Teilnehmern aus über 30 Ländern. Diesmal ist eine rein digitale Version geplant, bei dem nur die Referenten in den Rosengarten kommen und ihre Vorträge von hier ausgestrahlt werden. Voraussetzung freilich sei, dass die Mediziner von ihren Kliniken die Freigabe für die Reise nach Mannheim bekommen. Für den Rosengarten sei die Organisation von solch einem reinen Online-Kongress „wirtschaftlich lohnend“, sagt Fiedler – den Hotels dagegen fehlten natürlich die Einnahmen, räumt er ein.

Fondskongress verschoben

Für die Internisten in Wiesbaden und den Diabeteskongress in Berlin hat das m:con-Team, das ja auch in anderen Städten Großveranstaltungen konzipiert und abwickelt, bereits solche Online-Kongresse organisiert. „Das bringt Einnahmen und ist eine Motivation für die Mannschaft“, freut sich Fiedler. Auch der Kongress „Geburtshilfe im Dialog“ Ende Februar und das große Finanzsymposium im April sind als Livestream aus dem Rosengarten geplant. Der Fondskongress, mit 6000 Teilnehmern auch eines der größten Events im Rosengarten, ist erst vom Januar in den Mai und nun in den Juli verschoben worden – in der Hoffnung, dass er wenigstens mit 2000 Gästen live stattfinden kann. „Die Hauptversammlungen werden aber größtenteils online und teilweise ebenfalls als Stream aus dem Rosengarten laufen“, so Fiedler.

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pwr
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