Vor Bund-Länder-Treffen Verschärfen oder lockern? Das sagen Mannheimer zum Corona-Lockdown

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Tanja Capuana-Parisi
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Stefanie Kneuper (re.) ist für langsame und schrittweise Lockerungen. Außerdem im Bild: Annalena Sterner (li.) sowie Carsten Kneuper und die Kinder Leonie (auf dem Arm) und Annelie (auf dem Rad). © cap

Mannheim. Bund und Länder wollen sich am Mittwoch beraten, ob der vorerst bis zum 14. Februar ausgesprochene Lockdown beendet oder verlängert wird. Immerhin gehen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen zurück. Sorgen bereiten Virologen und Politikern jedoch die verschiedenen Mutationen. Wünschen sich die Menschen in Mannheim mehr Lockerungen oder lieber eine Verlängerung des Lockdowns? Wir haben uns im Herzogenriedpark umgehört.

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Stefanie May plädiert für sinnvolle Lockerungen. „In Bereichen für Kinder wäre es an der Zeit. Ich wäre froh, wenn es mit Kitas und Schulen wieder losginge“, sagt die Plankstädterin und fährt fort: „Für mich persönlich gäbe es auch Sachen, die toll wären.“ Dennoch würde die Mutter den Schwerpunkt darauf setzen, dass es wieder mehr Möglichkeiten für die Kleinsten gibt. Etwa offene Zoos. Ihr Sohn Milian würde gerne mal wieder in ein Schwimmbad gehen. „Es ist auf jeden Fall toll, dass der Herzogenriedpark wieder geöffnet hat, so hat man wieder ein kleines Ausflugsziel“, ist sie wenigstens mit der Maßnahme der Stadt Mannheim zufrieden.

Stefanie und Carsten Kneuper sind mit ihren Töchtern Leonie und Annelie auf den Weg in den Park. „Ich bin sehr coronamüde“, gesteht die Ilvesheimerin. Sie ist für langsame und schrittweise Lockerungen. Öffnungen der Kitas oder auch Wechselunterricht fände sie gut. „Doch man muss es mit Vorsicht machen und regelmäßig schauen, dass die Zahlen nicht wieder hochgehen.“ Kneuper wünscht sich darüber hinaus mehr Tests und auch mehr Sequenzierungen. Ihr Mann ist der Meinung, dass man „Lockerungen mit Augenmaß angehen sollte.“ Es bringe nichts, wenn man immer wieder öffnet und dann wieder schließen müsse. Unzufrieden ist Carsten Kneuper dagegen bei einem anderen Thema: „Ich ärgere mich über die Impfpolitik.“ So wolle die Regierung einerseits die Menschen vor Corona schützen. Aber: „Auf der anderen Seite gibt man kein Geld für den Impfstoff aus, um die Menschen wirklich zu schützen.“ In vielen anderen Ländern funktioniere das Impfen viel besser. Annalena Sterner, die Patentante der Mädchen, gibt zu bedenken, dass es auch andere Krankheiten gebe, die aufgrund von Covid-19 in den Hintergrund gerückt seien. „Man darf die anderen Krankheiten nicht vergessen“, betont sie. Ein weiteres Problem seien Gewalt, Suizide und Depressionen.

Ob man sich wünscht, dass es Lockerungen oder eine Verlängerung des Lockdowns gibt, sei situationsbedingt, gibt Gianluca Canova zu bedenken. „Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir existenziell nicht bedroht sind. Daher leiden wir nicht unter dem Lockdown.“ Seine älteste Tochter lerne autark. Er selbst arbeitet im Homeoffice und könne sich um die beiden jüngsten Kinder kümmern, während seine Frau in der Notbetreuung eines Horts tätig ist. Normalerweise ist er für seine Arbeit weltweit unterwegs. „Ich habe die Zeit genutzt und genossen, näher bei der Familie zu sein.“ Auch seine Frau Latanja Canova empfindet den Lockdown für sich persönlich als nicht so schlimm. „Ich habe die Zeit als Entschleunigung empfunden“, sagt sie. „Man muss die Dinge so annehmen, wie sie sind.“ Gleichzeitig haben die beiden Verständnis, dass andere stärker unter der aktuellen Situation leiden. Unter ihren Freunden und Verwandten gebe es viele, denen der Lockdown sehr zu schaffen mache, fügt der Brühler hinzu.

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Hanne und Karin, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchten, machen einen Spaziergang durch die Grünanlage. Karin ist für gut dosierte Lockerungen. „Alles grundsätzlich wieder aufzumachen, ist schwierig“, äußert sie sich. „Es gibt aber sehr gut ausgearbeitete Hygienekonzepte“, fügt die Mannheimerin an. Etwa was Gastronomie und Kulturstätten angehe. Zudem ist die junge Frau dafür, dass auch die Bildung nicht leiden dürfe und spricht sich für Öffnungen für Kitas und Schulen aus. Ob die Ausgangssperren zur Senkung der Infektionszahlen beigetragen haben, sieht sie kritisch. Gleichzeitig ist sie dafür, dass man die Entwicklung der Mutationen im Auge behalten sollte. Auch Hanne bedauert, dass Theater und andere Kultureinrichtungen nicht öffnen dürfen. „Es schlägt einem schon auf die Stimmung, wenn man ständig seine Kontakte einschränkt“, hebt Hanne hervor. „Es geht wohl jedem so, dass man hofft, dass es vorbei geht. Aber überstürzt zu öffnen, ist nicht die richtige Lösung.“

Simon Dresel ist für drastische Maßnahmen. „Wenn man schon einen Lockdown macht, sollte man alles komplett für zwei bis drei Monate zumachen, statt gelockert und halbherzig.“ Auf diese Weise könne man die Pandemie besser bekämpfen, sagt er und weist auf die Methode in Neuseeland hin. Angst um sich hat der Familienvater nicht. „Aber um meine Kinder. Deshalb meide ich im Park die Spielplätze.“ Allerdings gibt er zu bedenken, dass man mit seinen Kindern ja trotzdem an die frische Luft müsse.

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Christine Parthier und Annette Leuther haben es sich auf der Spielwiese bequem gemacht. „Ich hoffe auf jeden Fall, dass Kitas und Schulen wieder öffnen“, sagt Parthier. Sie ist für schrittweise Lockerungen. Viele Leute hofften, dass die Ausgangssperren wieder aufgehoben werden, sagt die Neuhermsheimerin. Sie fände es gut, wenn etwa auch der Luisenpark wieder öffnete. „Draußen ist das Risiko überschaubarer.“ Je mehr Möglichkeiten im Freien es gebe, umso mehr entzerre es sich. Leuther warnt: „Man muss bei Lockerungen aufpassen, dass man es nicht zu locker sieht.“ Die Lockerungen sollten mit Vernunft angegangen werden. Beide Frauen fühlen mit denjenigen mit, deren Existenz durch den Lockdown gefährdet ist. Gerade Gastronomie und Friseure seien betroffen, sagt Leuther. „Friseurläden sollte man wieder öffnen. Sie haben so gute Hygienekonzepte.“

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Peter Renze hat sich daran gewöhnt, eine Maske zu tragen und Abstand zu halten. Der zweifache Vater ist dafür, Kitas und Schulen wieder zu öffnen. Was Läden angeht, fände er es nicht so schlimm, wenn der Lockdown verlängert würde. „Ich habe Angst, wenn es stimmt, dass bei den Mutationen die Ansteckungsgefahr deutlich höher ist“, sagt der Lindenhöfer. „Ich hoffe, dass es keine dritte oder vierte Welle gibt.“

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