Trotz Corona Versammlung im Schützenhaus: Mannheimer AfD wählt Finkler zum Bundestagskandidaten

Von 
Steffen Mack
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Für ihre Versammlung im Feudenheimer Schützenhaus musste die AfD dem Ordnungsamt ein Hygienekonzept vorlegen. © Steffen Mack

Mannheim. Der Platz vor dem Feudenheimer Schützenhaus ist menschenleer. Keine Gegen-Kundgebung oder ähnliches, wie es sie bei AfD-Veranstaltungen hier früher oft gab. Aber dass an diesem Abend eine stattfindet, wurde ja auch erst kurzfristig bekannt. Die Partei hatte die Kür ihres Kandidaten für die Bundestagswahl am 26. September nicht öffentlich angekündigt, die Mitglieder wurden per Post eingeladen. Das Lokal ist eigentlich geschlossen, der Wirt hat nur für diese Versammlung den zugehörigen Saal geöffnet. Am Eingang muss jeder einen Kontakt-Bogen ausfüllen. Der Mann, der knapp eineinhalb Stunden später mit 30 von 33 Stimmen gewählt sein wird, grüßt mit „Guten Abend, Herr Mack!“ und streckt unvermittelt den Arm mit einem Gegenstand entgegen. Ein guter Zeitpunkt, um die durch die FFP2-Maske beschlagene Brille abzunehmen. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich das, was der hauptberufliche Polizist einem da vor die Stirn hält, als Hand-Fiebermessgerät. Bei gerade angekommenen Parteifreunden hat man ihn das nicht machen sehen, aber das kann natürlich an der beschlagenen Brille liegen. „Alles gut“, sagt Finkler nach einem Blick auf die angezeigte Körpertemperatur. 

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Die AfD-Mitglieder sitzen mit Abstand, fast alle tragen Mund-Nasen-Schutz. Das wird auch von der Versammlungsleitung anfangs mehrfach angemahnt. Auch wird das Fenster immer wieder zum Lüften geöffnet, was zwei älteren Frauen daneben hörbar missfällt. Finkler bedauert, der Wirt habe die Heizung nicht wie verabredet schon mittags angedreht. 

Der Kreisvorsitzende Rüdiger Ernst weist nochmals darauf hin, dass die Veranstaltung beim Ordnungsamt angemeldet und gebilligt worden sei. Er appelliert an alle, sich an das erstellte Hygienekonzept zu halten - „damit es keinen Ärger gibt“ und auch keine möglichen Gründe, die Wahl später anzufechten. 

In seiner Bewerbungsrede betont Finkler, an diesem Abend der einzige Kandidat, dass er voll hinter der Verfassung stehe. „Deutschland hat vielleicht die besten und ausgewogensten Gesetze der Welt.“ Doch leider würden sie in der Praxis häufig „stümperhaft ausgelegt“. Die AfD sei nun „die letzte politische Hoffnung“. Dass sie in Umfragen nicht mehr allzu gut abschneidet, lastet er in erster Linie den anderen Parteien und den Medien an, die ein Zerrbild von ihr zeichneten. Allerdings müsse sie auch selbst stärker darauf achten, bürgerliche Wähler nicht abzuschrecken. Mitunter sei eine „zurückhaltendere Politik“ sinnvoll. 

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Anschließend fragt den 48-Jährigen ein Mitglied nach seiner Meinung zur „kriminellen Bundesregierung“, die Deutschland unter dem Corona-Deckmantel in die Diktatur führen wolle. Finkler antwortet: „Corona gibt es, da wollen wir gar nicht drüber reden.“ Und dass die Regierung das Land in eine Diktatur verwandeln wolle, „glaube ich jetzt nicht“. Dann lobt er - wie schon zwei Tage vorher im Gemeinderat - die Stadt Mannheim für ihre Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie („da hat sie mal was richtig gemacht“). 

Schließlich wird der Stadtrat mit 30 Ja- und zwei Nein-Stimmen bei einer Enthaltung gewählt. Er bedankt sich, schränkt aber gleich ein: „Das bedeutet erstmals nichts. Das Direktmandat wird hier kein AfDler gewinnen.“ Das werde sich bei Bundestagswahlen „vielleicht in 20 Jahren“ ändern. Nun sei entscheidend, dass er einen aussichtsreichen Listenplatz bekomme. Den dafür am Wochenende geplanten Parteitag hat die Landes-AfD - anders als der Mannheimer Kreisverband seine Versammlung - wegen Corona auf unbestimmte Zeit verschoben. Sich um einen aussichtsreichen Platz für die Bundestagswahl bewerben wird sich dann voraussichtlich auch Anne Charlotte Samland, die Vorsitzende des AfD-Ortsvereins Mannheim Süd und als Einzige aus der Quadratestadt Mitglied im Landesvorstand. Sie ist der Versammlung im Schützenhaus unter Verweis auf den abgesagten Landesparteitag ferngeblieben. 

Redaktion Steffen Mack schreibt als Reporter über Mannheimer Themen