Radschnellweg - Buga-Gesellschaft stellt dem Gemeinderat die Änderungen an der Trasse vor, über die der „MM“ am Samstag berichtete Unterführung statt Ampel am Aubuckel

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Stefan Proetel
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Eine Frau fährt auf einem Radschnellweg bei Egelsbach (Hessen) an einer Reparaturstation vorbei. Radschnellwege sind besonders breit und enthalten im Idealfall nur geringe Steigungen. © dpa

Mannheim. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum geplanten Radschnellweg durch die Feundenheimer Au.

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Was genau ist ein Radschnellweg?

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Radschnellwege sollen möglichst kurze und direkte Verbindungen zwischen Wohngegenden, Arbeitsplätzen, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten schaffen. Radfahrer sollen auf ihnen besonders sicher, zügig und komfortabel vorankommen. Deshalb gelten für Radschnellwege besondere Kriterien: So müssen sie bei Verkehr in zwei Richtungen mindestens vier Meter breit und möglichst durchgängig beleuchtet sein, sie sollen nur geringe Steigungen enthalten und dem Radverkehr an Knotenpunkten möglichst Vorrang gewähren. Kurven mit engen Radien sollen vermieden werden.

Was ist in Mannheim geplant?

Zum einen soll ab 2025 ein Radschnellweg Mannheim und Heidelberg verbinden. Er wird etwa zwölf Millionen Euro kosten. Unabhängig davon ist ein Radschnellweg durch das Landschaftsschutzgebiet Feudenheimer Au geplant. Er soll die im Osten der Stadt liegenden Wohngebiete ans Zentrum anschließen. Die Stadt hat die Mannheimer Bundesgartenschau-Gesellschaft mit dem Bau der Trasse beauftragt. Geschätzte Kosten: rund sechs Millionen Euro. Der Gemeinderat hat dem Projekt im Februar 2019 zugestimmt (dafür waren damals CDU, SPD und drei Stadträte der Grünen). Der Radschnellweg ist Teil des Leitentscheids Grünzug Nordost.

Wo sollte der Radschnellweg eigentlich verlaufen?

Die Route soll von der Unterführung an der Feudenheimer Straße durch die Au und jenseits des Aubuckels über das Spinelli-Gelände bis zur verlängerten Völklinger Straße führen (blaue Route). Die Stadt hatte rund zehn Streckenvarianten prüfen lassen und und sah in der Trasse die „beste und sinnvollste“. Um die Strecke zu realisieren, müssten in der Anlage des Kleingartenvereins Feudenheim 26 Kleingärten am westlichen Rand weichen. Als Ersatz wollte die Buga-Gesellschaft 26 neue Parzellen in der Au bauen lassen. Das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe verhängte im Januar allerdings einen Baustopp, im Mai zog daraufhin die Untere Naturschutzbehörde der Stadt ihre naturschutzrechtliche Erlaubnis zurück. Ein Planfeststellungsbeschluss für die Trasse liegt noch nicht vor.

Wo verläuft die Alternativroute, wer hat sie ins Spiel gebracht?

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Der Bezirksbeirat Feudenheim hat eine Route vorgeschlagen, die auf einer geringfügig geänderten Trasse verliefe (rot). Sie soll weitgehend auf der Straße In der Au führen. Zudem solle statt einer Ampel am Aubuckel eine Unterführung gebaut werden. In der alten Planung war eine Fahrradbrücke auf den Aubuckel und dort eine Ampelquerung der Straße vorgesehen. Auch für diese Trasse müssten Kleingärten weichen.

Wie geht es nun weiter?

Vertreter der Bundesgartenschau-Gesellschaft hatten kürzlich beim „Runden Tisch Grünzug Nord-Ost“ in einer nichtöffentlichen Sitzung die neuen Pläne vorgestellt. Sie orientieren sich an den Vorschlägen des Bezirksbeirats. Das erfuhr der „MM“ aus Teilnehmerkreisen (wir berichteten). Am Dienstag erklärt die Buga-Gesellschaft die neuen Pläne in einer Pressekonferenz erstmals öffentlich. Im Anschluss wird das Thema im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats (AUT) vorgestellt. Buga-Geschäftsführer Michael Schnellbach wollte sich am Montag noch nicht zu den neuen Plänen äußern. Ob die Alternativtrasse im Rahmen des bereits weit gediehenen Planfeststellungsverfahrens genehmigt werden kann, ist unklar. RP-Sprecherin Irene Feilhauer sagte, dies hänge von den Details der Änderungen ab. So könne erst dann, wenn die Änderungen bekannt seien, entschieden werden, ob die Planungen neu öffentlich ausgelegt werden müssen.

Was ist mit der Alternativtrasse um die Au herum?

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Mit der Idee der Feudenheimer Bürger Hans-Jürgen Hiemenz und Ulrich Schaefer (lila) beschäftigt sich der Petitionsausschuss des Landtages im Juli. Im Februar gab es einen Vor-Ort-Termin in der Au.

Was sagen die Befürworter der Trasse rund um die Au?

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Hiemenz und Schaefer lehnen die alternative Trassenführung ab, weil auch sie durch das Landschaftsschutzgebiet führe und in die Kleingartenanlage eingreife. Zudem verstoße sie durch das Abholzen von 40 Bäumen (für den Bau der Unterführung) gegen die Landschaftsschutzgebietsverordnung. Es sei verboten, dass das Hochgestade verändert oder geschädigt werde. Die Au beinhalte nicht nur ein Landschaftsschutzgebiet, sie sei auch eine einzigartige Kulturlandschaft, da sie heute noch die ehemalige Schlinge des Neckars zeige. (mit lang)

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Chefredaktion Ressortleiter Lokales/Regionales und Mitglied der Chefredaktion

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