Bildung: Förderprogramm soll Abiturienten aus Nicht-Akademiker-Haushalten anziehen Uni baut Stipendien aus

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Wenn die Eltern nicht studiert haben, tun dies die Kinder meistens auch nicht - das belegt die Statistik ziemlich deutlich. Diesen Kreislauf möchte die Universität Mannheim durchbrechen. Mit einem neuen Fördersystem, das Rektor Prof. Hans-Wolfgang Arndt gestern vorstellte, plant die Hochschule ab Herbst, gezielt Abiturienten aus Nicht-Akademiker-Familien zu unterstützen, wenn sie an der Uni bestimmte Fächer studieren wollen. Das Programm ist nach Angaben der Hochschule in Deutschland bisher einmalig.

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"Unsere Gesellschaft kann es sich schlicht nicht leisten, auf dieses Potenzial an klugen Köpfen zu verzichten", sagte Arndt. Den Bewerbern soll gleichzeitig mit der Zusage eines Studienplatzes mitgeteilt werden, ob sie eines der Förderstipendien erhalten - damit sie noch rechtzeitig planen können. 5000 Euro stellt das Programm den Studenten dann zur Verfügung, dazu Betreuung und die Aussicht auf eine Stelle als Hilfskraft. Der Rektor möchte das neue Förderprinzip auch nutzen, um nach seiner Meinung zukunftsträchtige, aber nicht voll besetzte Studiengänge zu unterstützen, alle bis zu 30 Stipendien sollen für das Fach Wirtschaftsinformatik vergeben werden.

Neuer Geist im alten Schloss

Schon seit zwei Jahren hat die Schloss-Uni Erfahrung mit Stipendien. Mit der Einführung der Studiengebühren etablierte die Hochschule auch ein Fördersystem für überdurchschnittlich gute Studenten. Mittlerweile gibt es 152 solche Gebührenstipendien, bezahlt von Unternehmen, Stiftungen und Absolventen. Vergeben werden diese Unterstützungen über 1000 Euro im Jahr - das entspricht genau den 500 Euro Studiengebühren pro Semester - strikt nach Leistung.

Allerdings hat die Uni einen Ehrenkodex eingebaut, nach dem Stipendiaten, die das Geld nicht benötigen, die Summe an sozial schlechter gestellte Studenten weitergeben sollen. Im vergangenen Jahr machte genau einer von dieser Möglichkeit Gebrauch, in diesem Jahr seien es schon 13 junge Menschen, so Arndt. "Das freut mich am meisten, dass wir auf diesem Weg einen Geist der Verantwortung in dieses Haus bekommen", so der Rektor. Er hoffe, dass das Stipendiensystem in einigen Jahren zu einem "Mannheimer Spezifikum" werde. Auch zwei Jahre nach dem Aufbau ist es nach Angaben der Universität weiterhin das größte von einer Hochschule initiierte Fördersystem.

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Bei der Verleihung der Stipendien gestern Abend gratulierte Helmut Posch, Vorstandschef der Mannheimer Versicherungen und Aufsichtsratsvorsitzender des Stadtmarketings, den Stipendiaten. "Das ist eine Belohnung für Ihren Fleiß und Ihre guten Leistungen." Er legte aber auch Wert darauf, dass eine gute Ausbildung und wirtschaftlicher Erfolg nur eine Seite seien, Menschlichkeit und Erfüllung dabei aber nicht zu kurz kommen dürften. Dass 13 Ausgezeichnete die 1000 Euro Förderung weitergegeben hätten, sei in diesem Sinn eine Geste, vor der er den Hut ziehe. bro