DHBW - Studierende des Eventmanagement blicken unterschiedlich auf Krise / Kleinerer Jahrgang 2020 Unbehagen vor dem Bachelor

Von 
Anika Pfisterer
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Für die DHBW-Absolventen 2019 gab es bei der „Night of the Graduates“ im Rosengarten noch einen vollen Saal und bessere Aussichten für den Berufseinstieg. © Christoph Bluethner.

Mannheim. Als Tim Beißwenger letzten Oktober begann, Messe-, Kongress und Eventmanagement (MKE) an der DHBW Mannheim zu studieren, wütete die Pandemie bereits. Sein Arbeitgeber, die Frankfurter Buchmesse, stand kurz vor ihrem – eigentlichen – Jahreshöhepunkt. Beißwenger bekam die Auf und Abs, die Ungewissheit hautnah mit, als er im Sommer sein Vorpraktikum machte: Zuerst wirkte er an einem physischen Konzept mit, am Ende gab es eine rein digitale „Special Edition“ der Buchmesse. „Dass sich ein physisches so schnell in ein digitales Format umwandeln lässt, hätte ich davor nicht gedacht“, meint er.

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Das Digitale hatte einen positiven Nebeneffekt: Mancher Gast schaltete sich hinzu, der sonst wohl nicht zur Buchmesse gereist wäre. Trotz Krise ist sich Beißwänger sicher, dass es für ihn eine Zukunft in der Veranstaltungsbranche gibt: Er will bei seiner Leidenschaft bleiben. „Man sieht am Ende immer, woran man gearbeitet hat. Im Idealfall auch glückliche Gesichter.“

Beißwenger startete in seinem Studiengang mit weniger Studierenden als üblich. Vergangenen Herbst gab es rund 40 MKE-Neulinge – bis zu 60 waren es sonst. Mancher Ausbildungspartner sei angesichts der Krise kurzfristig abgesprungen, erzählt Studiengangsleiter Michael Dinkel. Auch für die kommenden Absolventen könnte es mit einer Übernahme schwieriger werden als gewöhnlich, vermutet er.

Wie es nach ihrem Bachelor nächsten Herbst weitergeht – darüber macht sich auch die 23-jährige Anna Rabus Gedanken. Durch die Pandemie sei das Thema mit einem „negativen Schleier“ behaftet. „Wir wissen nicht, ob wir übernommen werden und selbst wenn: Bekommen wir dann noch ein angemessenes Gehalt für unseren Abschluss?“ Rabus wollte schon immer im Veranstaltungsbereich arbeiten. Als sie keinen Ausbildungsplatz zur Veranstaltungskauffrau findet, holt sie kurzerhand ihr Abitur nach, jobbt nebenher in einer kleinen Eventagentur, die ihr schließlich einen dualen Studienplatz anbietet. Vom Ticketing bis zum selbst-hinter-der-Bar-Stehen – Rabus mag die Vielfalt.

„Zu kleine Randgruppe“

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Bisher hat Rabus hauptsächlich kleinere Festivals und Clubveranstaltungen organisiert. Für ihre Bewerbungen schaut sie sich weiter um: etwa im Influencer-Bereich oder im Marketing. Der Studiengang ließe einen Spielraum. Aber ob die anderen Möglichkeiten, auch die optimalen sind? Für die Betriebe gebe es Hilfspakete, den Studierenden werde nicht unter die Arme gegriffen. „Wir sind eine zu kleine Randgruppe, um politisch wahrgenommen zu werden“, glaubt Studierendensprecherin Rabus.

Ihre Kommilitonin Amina Durben erwartet so schnell keine Erholung auf dem Veranstaltungsmarkt. Die Krise habe Durben gezeigt, dass sie ein zweites „sicheres“ Standbein brauche. Sie könne sich vorstellen eine allgemeinere Richtung einzuschlagen „mit einem kleinen Eventfaktor“. Auch über einen Management-Master denkt Durben nach, um sich breiter aufzustellen.

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Brauchen die Studierenden neue „krisenfeste“ Kompetenzen? Im Grunde nicht, meint MKE-Studiengangsleiter Michael Dinkel. Veranstaltungen hätten als Projektgeschäft schon immer Flexibilität und „einen Plan B und C“ erfordert. Und noch etwas gilt weiter: „Das Hauptthema eines Live-Events ist der Mensch. Wir wollen ihn emotional berühren, ihn begeistern oder ihm Wissen vermitteln“, so Dinkel. Auf diese Kompetenzen bereite man die Studierenden längst vor.

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Hybride Eventkonzepte, also eine Mischung aus physischen und digitalen Formen, seien schon lange Teil des Studiums. Auch Veranstaltungssicherheit gehöre zum Kanon. Etwas geschraubt an den Inhalten wird dann aber doch: Ab dem Sommersemester sollen Hygienekonzepte integriert werden, erzählt Dinkel. Studierende sollen sich in Zukunft außerdem verstärkt mit reinen Onlinekonzepten auseinandersetzen.

Dinkel ist optimistisch was die Zukunft der Branche und auch die seiner Studierenden angeht: Durch die Abwanderung von Arbeitskräften in der Krise, etwa bei Freiberuflern, würde früher oder später „Personaldruck“ entstehen. Wenn es dann wieder losgehe, bräuchte man vor allem innovative Ansätze. Dafür setzten viele Ausbildungspartner auf die Impulse und den Transfer ihrer dualen Studierenden.

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