Alte Feuerwache   - Wohnung im Turm ist Übernachtungsmöglichkeit und kreativer Rückzugsort für Autoren, Poetry-Slamer und Musiker Turmwohnung dient Künstlern als kreativer Rückzugsort

Von 
Roland Schmellenkamp
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Die Alte Feuerwache ist ein Wahrzeichen der Stadt – doch kaum jemand kennt das Geheimnis unterm Dach: Drei Wohnungen im Turm. © Schmellenkamp

Mannheim. Die Alte Feuerwache ist ein Wahrzeichen der Stadt - doch kaum jemand kennt das Geheimnis unterm Dach: Drei Wohnungen im Turm. Die Oberste ist direkt unter dem Dachstuhl und hatte schon viele unterschiedliche Bewohner, die etwas eint: Es waren Künstler.

Feuergriffel-Stipendium

  • Seit 2007 leben die Preisträger des Feuergriffel-Stadtschreiberstipendiums in der Turmwohnung der Alten Feuerwache.
  • Die mit 9000 Euro dotierte Auszeichnung der Stadtbibliothek beinhaltet neben dem dreimonatigen Aufenthalt im Turm der Alten Feuerwache auch eine Pauschale für Anreise und Lebenshaltungskosten in Höhe von 3000 Euro, 3000 Euro Preisgeld sowie weitere 3000 Euro bei Veröffentlichung des in Mannheim entstandenen Buches.
  • Nach Tamara Bach (2007) zogen bereits die Autoren Antje Wagner (2009), Rike Reiniger (2011), Sasa Stanisic (2013), Tobias Steinfeld (2015), Florian Wacker (2017) und zuletzt Tania Witte (2019) ein. (baum)
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Zwar führt ein Fahrstuhl ungefähr auf mittlere Höhe des Turms, doch der Weg zur Künstlerwohnung ist beschwerlich - 80 weitere Stufen aufwärts. Sören Gerhold, dem Geschäftsführer der Alten Feuerwache, erzählt eine Anekdote: „Oft kommen Bands und Crew nachts mit dem Bus und schlafen darin. Wenn sie morgens aufstehen und sich waschen wollen, haben wir nur ganz unten und oben in der Wohnung je eine Dusche. Dann beschweren sich Leute, weil sie hochmüssen. Wenn sie aber erstmal hier oben sind, wollen sie nicht mehr runter!“

Alte Feuerwache Turmwohnung dient Künstlern als kreativer Rückzugsort

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Verständlich, denn in der Wohnung bietet sich ein 360-Grad-Blick: 70er-Jahre-Hochhäuser und Neckar samt Collini-Center im Süden, die Quadrate, Alter Messplatz und weit entfernt die BASF, Neckarstadt-West. Die Ausstattung ist einfach: Doppelbett, Küche und Schreibtisch. Aber der wurde schon oft genutzt, denn in der Wohnung lebt alle zwei Jahre ein Autor oder eine Autorin für drei Monate: Der „Feuergriffel“ ist das bundesweit einzige Stadtschreiberstipendium für Kinder- und Jugendliteratur. Er wird für einen künstlerisch wertvollen Kinder- oder Jugendprosatext vergeben, der einen Bezug zu Mannheim hat. Beim Aufenthalt im Turm soll daraus ein Roman entstehen. Antje Wagner war eine der Preisträger - und hat laut Sören Gerhold Figuren in ihrem Roman den Namen von Mitarbeitern der „Alten Feuerwache“ gegeben.

Auch andere hat die Wohnung inspiriert: Beim Projekt „Zündeln“ können regionale Künstler einen oder mehrere Künstler aus aller Welt nach Mannheim einladen, um ein gemeinsames Projekt zu erarbeiten. Der Bereich ist offen: Musik, Bildende Kunst, Tanz oder Theater - aber zentraler Ort ist die kleine Wohnung im Turm. Wobei dort laut Geschäftsführer Gerhold manches nicht möglich sei: beispielsweise größere Ausrüstung wie ein Klavier hoch zu schleppen.

Gründungsort von „Lumpenpack“

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Gab es auch Exzesse in der Wohnung? Gerhold winkt ab: „Es wurden keine Stühle durchs Fenster geworfen!“ Klar, es wird nach Auftritten auch gefeiert. Und bei einer dieser Feiern nach einem Poetry-Slam haben sich Max Kennel und Jonas Meyer näher kennengelernt - entstanden ist das Musik-Comedy-Duo „Lumpenpack“. Interessant an der Wohnung ist auch die feuerfeste Stahl-Eingangstür: Dort haben überwiegend Street-Art-Künstler Aufkleber hinterlassen. Gerhold grinst und erläutert: „Die müssen überall ihren Namen hinterlassen!“

In der Wohnung im Turm wird jedoch nicht nur übernachtet, weil sie inspiriert und viele Blicke auf die Stadt bietet: Die Alte Feuerwache spart durch die Nutzung, denn ein Hotel kostet um die 80 Euro pro Nacht. Falls die Kultureinrichtung die Wohnung nicht benötigt, was selten vorkommt, können dort gegen eine geringe Miete Künstler wohnen, die in der freien Szene der Stadt auftreten. Wer jetzt auf die Idee kommt, er könnte dort auch mal schlafen: An Privatleute wird nicht vermietet.

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Wie schon erwähnt gibt es darunter zwei weitere Wohnungen im Turm, doch die sind von der Intendanz des „Junges Nationaltheater“ belegt, werden also als Büros genutzt. Laut Gerhold gibt es Platzbedarf im Gebäude - er hofft auf Verbesserungen. Dass es die Alte Feuerwache überhaupt noch gibt, ist Bürgerprotesten zu verdanken: Eigentlich sollte sie abgerissen werden, damit Platz für ein viertes Wohnhochhaus entsteht. Die Feuerwehr nutzte das 1912 gebaute Anwesen bis 1975 als Hauptwache, in dieser Zeit hatte der 42 Meter hohe Turm eine ganz andere Funktion: Nach Einsätzen wurden darin die Schläuche zum Trocknen aufgehängt.

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