Trotz Sorge überwiegt ein sicheres Gefühl

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Katrin Filthaus

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Blankes Entsetzen herrschte gestern bei Schülern, Lehrern und Eltern an der IGMH, als sie von der furchtbaren Gewalttat hörten, die sich am Morgen in Winnenden abgespielt hatte. Viele erfuhren erst nach Schulschluss, dass ein 17-Jähriger in seiner ehemaligen Schule um sich geschossen und dabei neun Schüler und drei Lehrer getötet hatte.

"Man denkt immer, dass das alles so weit weg ist, dabei könnte es an jeder Schule passieren. Oft kennt man ja seine Mitschüler nicht richtig und weiß nicht, was in ihnen vorgeht", machen sich Elcin und Elisa (beide 15) Sorgen um ihre Sicherheit. Auch Joseph (14) hat Angst, wenn er von solchen Dingen hört, wirklich überrascht ist er aber nicht: "Laufen Sie doch einmal durch die Schule, da werden ständig Schüler von anderen fertig gemacht. Das ist an allen Schulen so - naja, vielleicht nicht an Grundschulen." Natürlich sei es ein großer Schritt, zur Waffe zu greifen, aber für ausgeschlossen hält er solche Dinge nirgendwo.

Groß ist die Bestürzung, insgesamt überwiegt bei den Schülern der IGMH jedoch das Gefühl, weitgehend sicher zu sein. "Die Schule ist zwar sehr groß und hat viele Schüler, aber man verdrängt, dass es einen selbst treffen könnte", meint Kati (15). Aber was kann man tun, damit es nicht zur Katastrophe kommt? "Wir versuchen, niemanden auszugrenzen", erklärt Kati, und ihre Klassenkameradin Yesicka (14) erzählt, dass sie im Unterricht ein Buch gelesen hätten, das sich mit dem Thema Amoklauf beschäftigt.

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Aufarbeitung, das ist etwas, das sich die Schüler in den kommenden Tagen wünschen. Und auch Eltern wie Sandra Götz hoffen, dass ihr Nachwuchs mit den Lehrern darüber reden kann - ruhig, ohne Panik zu verbreiten. Ein "ungutes Gefühl" habe sie schon, wenn sie über den Amoklauf nachdenkt, sagt Sandra Götz, aber keine Angst. "Ich vertraue auf die Sicherheitsmaßnahmen der Schule", so die Mutter. Vertrauen hat auch Ute Geist, die ihre Tochter Alina (13) nach dem Unterricht abholt und ihren drei Mitschülerinnen und ihr von den grauenhaften Vorfällen erzählt. "Ich hatte Tränen in den Augen und habe mich schrecklich gefühlt. Wenn ich mir vorstelle, dass mein Kind nicht von der Schule nach Hause kommt. . .". Bei diesem Gedanken wird Ute Geists Stimme zittrig, dann lächelt sie ihre Tochter liebevoll an und sagt "Wenn man so etwas hört, ist man froh, wenn man mittags sein Kind vor der Schule entgegennehmen kann".

Sprachlosigkeit herrscht bei den Lehrern. Und dann stellen sich unvermeidbar Fragen: "Was geht in einem Kind vor, dass es so einen Schritt tut?", überlegt Stefanie Rapp. Und: "Sind die Ursachen dafür in der Schule zu finden?" An der IGMH fühlt sich die Lehrerin für Deutsch, EWG und Geschichte dennoch sehr sicher, "die Schüler identifizieren sich hier stark mit der Schule", meint sie. Das ist auch das, was die meisten Schüler vermitteln: An ihrer Schule haben sie keine Angst. Schulleiter Gerhard Diehl führt das vor allem auf das gute Umfeld zurück, das Lehrer und Schüler hier gemeinsam schaffen. Alarmsysteme und Notfallpläne seien schön und gut, Prävention sei aber das A und O: "Wenn ein Schüler die IGMH verlässt, begleiten wir ihn, ob es Schulwechsel, der Übergang in die Lehre oder ins Studium ist. Damit versuchen wir zu vermeiden, dass solche Hassgefühle gegenüber der Schule entstehen."