Amoklauf: Ein Team von Notfallseelsorgern kümmert sich bei Einsätzen um Betroffene Stütze bei der Todesnachricht

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Es ist der Moment, der dem Gegenüber den Boden unter den Füßen wegzieht, in dem das Unfassbare zum ersten Mal ausgesprochen wird. Die Todesnachricht eines nahen Verwandten zu überbringen, gehört für Diakon Bernhard Kohl zu den schwersten Aufgaben seines Berufs. Der Notfallseelsorger zählt zu einem 22-köpfigen Team, das sich in Mannheim um die seelischen Verletzungen kümmert, die bei Opfern, Verwandten und Helfern nach einem schweren Unglück zurückbleiben. Jetzt muss der Diakon in den Nachrichten mit ansehen, wie seine Kollegen aus dem Raum Stuttgart Stütze für die vielen Hinterbliebenen der 16 Opfer in Winnenden sein müssen. "Es ist grausam, was dort passiert ist", kann Kohl das gewaltige Ausmaß des Amoklaufs nur erahnen. Aber er weiß aus eigener Erfahrung, dass die Notfallseelsorger in den Gesprächen vor Ort eine "enorme Stärke und Kraft" entwickeln. "Das Schlimme kommt erst danach", berichtet Kohl, "wenn man zu Hause am Tisch sitzt und langsam begreift, was eigentlich passiert ist". Seit fünf Jahren gibt es in Mannheim das Notfallseelsorgeteam. Hans Wasserbäch von der Feuerwehr koordiniert die Dienstpläne. Jeweils zwei Seelsorger seien rund um die Uhr in Bereitschaft, erklärt er.

Kein Einsatz in Winnenden

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Zudem gebe es ein Einsatzkräfte-nachsorgeteam, das mit speziell geschulten Kräften bei größeren Katastrophen herangezogen wird. Erst wenn der Einsatzleiter am Tat- oder Unfallort einen Seelsorger anfordert, rückt der Bereitschaftsdienst aus. "Wir kämen nicht auf Idee, einfach nach Winnenden zu fahren, denn auch Seelsorge braucht Koordination", sagt Wasserbäch, und Kohl weiß, dass in solchen Fällen am Tatort Teams gebildet werden, die eng zusammenarbeiten und sich gut absprechen müssen. "In Stuttgart weiß man, dass wir jederzeit einsatzbereit sind, wenn wir gebraucht werden sollten. Dann würden wir uns in das Team einklinken und tun, was wir können", verspricht Wasserbäch.

Solange das aber nicht der Fall ist, geht in Mannheim alles seinen gewohnten Gang. "Da kann mal wochenlang nichts sein und plötzlich in einer Woche drei schreckliche Todesfälle", berichtet der Diakon: "Dann bin ich froh, dass ich meine Kollegen habe, mit denen ich mich treffe und in Gesprächen das Geschehene verarbeite." abo