Stotternder "MM"-Redakteur Sebastian Koch gewinnt Journalistenpreis

Von 
Stefan M. Dettlinger
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Bei der Aufnahme zum zwölften „Ppppodcast“ im „MM“-Studio: Sebastian Koch (rechts) im Gespräch mit Kulturchef Stefan M. Dettlinger. © Julia Wadle

Ob er diesen Preis verdient habe? Das sollten andere entscheiden, sagt Sebastian Koch. Das passt zu ihm. Immer bescheiden, sympathisch und humorvoll kommt der junge Redakteur und Podcaster rüber - sicherlich mit ein Grund dafür, dass er nun ausgezeichnet wird. Koch erhält für seinen „Mannheimer Morgen“-Stotter-Podcast den mit 3000 Euro dotierten ersten Caritas-Journalistenpreis. Er ist nicht nur Moderator. Er ist auch Initiator des Projekts, das bislang zwölf Folgen umfasst.

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Mit seinem „Ppppodcast - der Podcast von Stotternden für Stotternde“ beweist Koch nach Überzeugung der Jury „nicht nur persönlich eine gehörige Portion Mut“. Er ermutige auch viele andere, sich von ihrem Handicap nicht entmutigen zu lassen. Mehr: „Damit bricht er selbstbewusst gängige Klischees auf, unter denen Stotterer in der gesellschaftlichen Wahrnehmung oft zu leiden haben.“ Die Jury hebt auch hervor, „wie wichtig und wertvoll es ist, aufmerksam hinzuhören, auch wenn es Geduld erfordert“.

Nachdem der 28-jährige Koch bereits über seine Sprachstörung geschrieben hatte, entstand im Gespräch mit „MM“-Chefredakteur Karsten Kammholz die Idee, das Thema ins moderne Audioformat zu heben, weil, so Koch, beim Schreiben das Stottern ja kein Problem sei.

Angst vor Kommentaren

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Der Start am 26. August 2020 war durchaus mit Zweifeln verbunden. Sie aber haben sich als unbegründet erwiesen: „Es gab durchweg positive Reaktionen“, so Koch, „nicht nur von Betroffenen, auch von nicht-Stotternden“. Selbst die Befürchtung, Koch müsse sich besonders auf Social Media „auf wenig erfreuliche Kommentare“ gefasst machen, wenn er sein Handicap so offen zur Schau stelle, habe sich nicht bestätigt“. Koch, der im Juli 2018 als Volontär beim „MM“ anfing und seit einem Jahr Blattmacher Kultur ist, berichtet in der ab diesem Mittwoch, 10 Uhr unter morgenweb.de/stottern abrufbaren zwölfen Folge seines Podcasts - gewissermaßen als Gast im eigenen Studio - sehr persönlich von seinen Gefühlen, seiner Arbeit und der Ehre als Preisträger.

Mit der zum 32. Mal vergebenen Auszeichnung ehren die beiden Caritas-Verbände Journalismus, der mit „den Sinn für die soziale Dimension in unserer Gesellschaft“ wachhalte und schärfe. Und da ist Koch freilich nicht allein. Die jeweils mit 1500 Euro dotierten zweiten Preise gehen an Jens Sitarek vom „Hohenloher Tagblatt“ für die Reportage „Die Odyssee des Amir Khoja“ sowie an die Filmerin Jenni Rieger für die TV-Doku „Ey, Herr Stober! Ein Lehrer kämpft um jedes Kind“ (SWR-Fernsehen). Eine „Lobende Erwähnung“ bekam die Radiojournalistin Nela Fichtner für die Reportage „Schwierige Aufarbeitung - das Trauma ehemaliger Verschickungskinder“ aus dem SWR 2-Programm.

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Koch indes fühlt „Stolz, Freude, auch Dankbarkeit“, sagt er. Der Preis sei ein schönes Zeichen für alle Stotternden: „Ich bedanke mich bei allen Gesprächspartnern für ihre große Offenheit.“ Sagt er und schaut optimistisch in die Zukunft. Die erste Staffel soll in diesem Frühjahr enden. Doch mit Blick auf den im Herbst in Mannheim stattfindenden Bundeskongress der Stotterer-Selbsthilfe ist bereits eine Fortsetzung anvisiert. Vielleicht hat sich damit auch die Frage schon beantwortet, ob Sebastian Koch den Preis verdient hat.

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Info: Hier geht es zum Video von der Preisverleihung.

Ressortleitung Stefan M. Dettlinger leitet das Kulturressort des „MM“ seit 2006.